Gäste aus ganz Deutschland beim Kaffeeklatsch am Kriegerdenkmal in Lohhäuser

Mähring
26.07.2022 - 14:07 Uhr

Frühere Bewohner der geschleiften Ortschaft, die heute Einöde ist und Slatina heißt, feierten in der Nähe der Heimat Wiedersehen. Nächstes Jahr soll es ein Jubiläum geben – die Übernahme der Patenschaft 2003 durch die Gemeinde Mähring.

Ehemaligen Bewohner des „verschwundenen Dorfes“ Lohhäuser und ihre Nachkommen reisten am Wochenende aus ganz Deutschland an, um einen gemeinsamen Tag mit Freunden und ehemaligen Nachbarn zu verbringen. Erstmals zu Gast beim Lohhäuser-Treffen war Bürgermeister Klaus Meyer, Bad Neualbenreuth.

Ein Höhepunkt war am Nachmittag das Treffen in gemütlicher Kaffeerunde am wiedererrichteten Kriegerdenkmal in Lohhäuser/Slatina. Etliche Lohhäuserer machten sich zu Fuß oder mit dem Auto auf den Weg in ihre ehemalige Heimat. Altbürgermeister Josef Schmidkonz, der einen Tag vorher 70. Geburtstag feierte, marschierte mit Karl Schneider, dem Initiator des Treffens, und Dr. Peter Zwerenz, dem Sprecher der "Locherer", über die „Grüne Grenze“.

Gute Kontakte seit Jahren

Bürgermeisterin Eva Procházková aus Stará Voda (Altwasser) freute sich, „dass wir uns hier treffen können, liebe Freunde“. Mährings Bürgermeister Franz Schöner dankte der tschechischen Kollegin, dass man wieder hier am Denkmal feiern dürfe. „Wir haben seit vielen Jahren sehr gute Kontakte mit den tschechischen Nachbargemeinden und verstehen uns blendend.“

Karl Schneider wollte an diesem Ort erinnern an die Toten, die Kriege und die schrecklichen Dinge, die passierten und passieren – wie in der Ukraine. „Dies ist ein Ort der Erinnerung und Begegnung.“ Schneider gedachte der im vergangenen Jahr Verstorbenen, darunter Erwin Zwerenz und Gertrud Lanzendörfer sowie seines Bruders. „Im Nachlass habe ich einen Dank gefunden an alle, die uns halfen."

Ein Dank galt dem Mähringer Heimatverein und dem schon verstorbenen Emil Schicker, der viele Bilder von Lohhäuser gemalt hat Kleine Geschenke in Form von Bildern hatte er für Altbürgermeister Schmidkonz, die tschechischen Freunde und Berichterstatterin Gisela Wildner, die das Treffen von Anfang an in Wort und Bild begleitet. Heimatvereinsvorsitzender Albert Schicker überreichte zusammen mit Vorstandsmitgliedern einen Präsentkorb an Karl Schneider zu dessen 85. Geburtstag.

2023 ein bedeutendes Datum

Das Lohhäuser-Treffen begann mit der Zusammenkunft im „Gelebten Museum“ in Mähring. Dort ist das „Lohhäuser-Museum“ etabliert. Dr. Peter Zwerenz freute sich über einen guten Kassenstand und bedankte sich bei Kassenführerin Rosa Schöner mit einer Porzellanschale von der Manufaktur Kilian für die Kontoführung. Rosa Schöner zählte die Spender auf „2023 ist ein bedeutendes Datum für uns, ein Jubiläumsjahr“, so Dr. Zwerenz über die Übernahme des Patronats durch die Gemeinde Mähring 2003. Beim Lohhäuser-Treffen am 24. Juli 2023 werde man die 20 Jahre Patenschaft mit der Gemeinde gebührend feiern.

Karl Schneider bedankte sich bei Rosa Schöner, die ihn vor Jahrzehnten auf die richtige Spur gebracht hat, ihm viele wichtige Tipps und Hinweise gab. Ein Dank galt auch Museumsleiter Roland Weiß für die Übernahme dieses Amtes sowie Bürgermeister Franz Schöner für die Organisation des Treffens.

Schöner kündigte an: „Für das Jubiläum 20 Jahre Patenschaft lassen wir uns was Besonderes einfallen.“ Er und die Bürgermeisterin von Stara Voda hätten da schon einige Ideen. „Es soll ein großes Fest werden.“

Schneider in Heimat „entführt“

Der Geburtstag von Karl Schneider war der Anlass für einen weiteren besonderen Augenblick – und für eine Überraschung: Der Jubilar wurde unter einem Vorwand von der Lohhäuser-Versammlung in Mähring „entführt“: Für Klaus Meyer aus Bad Neualbenreuth sollte er eine Privatführung übernehmen.

Meyer war begeistert, wie viel Karl Schneider auf dem Weg nach Lohhäuser und im verschwundenen Dorf erzählen konnte. Es gab 29 Anwesen, zwei Gasthäuser, drei Mühlen, Geschäfte, eine Schule. „Auf dem Kirchsteig sind wir immer nach Mähring zur Kirche gegangen“, erinnerte sich Schneider, als ob es gestern gewesen war. „Hier stand die Schule, die 1935 ihre 100-Jahr-Feier beging“, wusste er. „Da war das Anwesen der Lanzendörfer, der größten Bauern von Lohhäuser“, informierte Schneider weiter: „Die Obere Mühle hat später Holzperlen gemacht und bis Amerika exportiert.“ Es gab viel zu erzählen – auch von einem Mord, der nie aufgeklärt wurde. Plötzlich stutzte Karl Schneider. Vor ihm stand Eva Procházková. Die Bürgermeisterin von Stará Voda umarmte ihn herzlich.

Dr. Peter Zwerenz und die Bürgermeister von Mähring und Bad Neualbenreuth sowie die Bürgermeisterin aus Altwasser hatten als Geburtstagsgeschenk einen Gingko-Baum gepflanzt – an der Stelle, an der früher das Wohnhaus der Familie stand. Karl Schneider war sehr gerührt, dass ein von ihm schon lange gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Seit Jahren wünscht er sich schon einen Baum an dieser Stelle, um an sein Elternhaus zu erinnern. Bürgermeister Franz Schöner kündigte an, dass auch noch eine Bank her kommen soll, auf der Schneider und alle Besucher, Wanderer oder Radfahrer sich beim Gingko-Baum setzen können.

Hintergrund:

Verschwundenes Dorf Lohhäuser im "Gelebten Museum" in Mähring

  • Initiatoren der Lohhäuser-Treffen und der früheren Lohhäuser-Stube: Professor Karl Schneider und seine Brüder. In seinem Buch über seine Heimat erinnert er an die Menschen, die dort lebten und arbeiteten.
  • Patenschaftsübernahme durch die Gemeinde Mähring, Schneider war Ideengeber
  • Gelebtes Museum in Mähring zeigt die Ergebnisse von Schneiders jahrzehntelanger Recherchen, die bis heute andauern: Er hat Zeitzeugen interviewt, Dokumentationen darüber erstellt, Kurzfilme über „Spurensuche“ nach dem verschwundenen Wald- und Straßendorf sowie über „Flucht und Vertreibung“ drehen lassen.
 
 

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