24.01.2020 - 09:58 Uhr
MähringOberpfalz

Josef Schmidkonz: Rückblick auf 25 Jahre Bürgermeisteramt

Mit über 25 Dienstjahren ist Josef Schmidkonz aktuell der „altgedienteste“ Bürgermeister im Kreis. Ende April ist diese Ära vorbei, dann wird der Griesbacher seinen Sessel räumen.

Über 25 Jahre hat Josef Schmidkonz auch immer wieder die Amtskette der Marktgemeinde Mähring umlegen dürfen. Nach der nächsten Wahl ist das vorbei. Ein bisschen bedauert Schmidkonz, dass kein Freier Wähler für seine Nachfolge angetreten ist.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

An der Schwelle zum nächsten Lebensabschnitt nimmt sich Josef Schmidkonz gerne auch mal Zeit für eine Rückschau auf seine außergewöhnliche Dienstzeit. Im August 1994 musste Schmidkonz überraschend auf den Bürgermeisterposten nachrücken. Gut erinnerte er sich an das Gespräch mit dem damaligen Amtsinhaber Karl Bach, der nur mal ein paar Tage für eine Kontrolluntersuchung weg sein wollte. Doch Bach kam nicht mehr zurück und sein Stellvertreter war plötzlich in der Verantwortung. Seitdem sind lange und arbeitsreiche Jahre für Josef Schmidkonz vergangen, der im Ehrenamt neben der Landwirtschaft noch den Posten im Rathaus stemmen musste. Beim Blick zurück auf eine Fülle an Ereignissen gibt sich der heute 67-Jährige eher zurückhaltend, sieht sich als Arbeiter für die Kommune in der eben die anfallenden Aufgaben erledigt werden mussten.

Plötzlicher Amtsantritt

Nach dem plötzlichen Amtsantritt war Josef Schmidkonz als Gemeindeoberhaupt überraschend gefordert. Das Heimattreffen war eine erste Herausforderung, dann die Wahl, bei der Schmidkonz offiziell ins Amt berufen wurde wurde. Rund 56 Prozent der Stimmen verbuchte der Freie Wähler bei einem Gegenkandidaten damals auf sich. Bei den nächsten vier Wahlen lag sein Ergebnis jeweils über 70 Prozent, daran änderte auch zweimal ein Gegenkandidat nichts. Als offizieller Gemeindechef meisterte Schmidkonz als ersten großen Termin die Einweihung des Stöckl-Hauses. Aber alles ist gut gegangen, erinnert sich Schmidkonz. Wie viele folgende Aufgaben auch, die Schmidkonz als Bürgermeister zusammen mit seinem Gemeinderat hat erledigen müssen. Straßenbau, Kanal- und Wasserleitungen gehören dazu.

Und gerade die Wasserversorgung hat den Bürgermeister in seinen ersten Wochen gefordert. Überraschend zwangen die Ämter per Schreiben zu dringenden Maßnahmen. Dabei sei er davon ausgegangen, dass es mit dem Wasser keine Probleme geben. Doch drohten die Fachbehörden sogar damit, das Wasser abzusperren sollte nicht sofort etwas passieren. Und in der Gemeinde wurde das Thema unverzüglich in Angriff genommen. 21 Millionen später hat die Gemeinde alles auf Vordermann gebracht. Doch heute, nach 25 Jahren, ist die Wasserversorgung erneut ein Thema. „Wie bei einem Haus braucht es halt in bestimmten Abständen eine Sanierung“, weiß Schmidkonz. Aber darum wird sich sein Nachfolger kümmern müssen.

Unter seiner Führung hat Josef Schmidkonz auch ein Goldenes Buch anlegen lassen. Und viele Politiker, allen voran Ministerpräsident Markus Söder, haben sich eingetragen. Aber auch geistliche Würdenträger, etwa der Apostolische Nuntius von Nicaragua, Fortunatus Nwachkwu, finde sich darin.

Geringer Schuldenstand

Die Verbesserung der Wasserversorgung hatte die Gemeinde damals kräftig verschuldet. „Wir waren zum Sparen verdammt“, blickt Schmidkonz zurück. Heute steht die Gemeinde wieder ordentlich da. Dank solider Haushaltsführung weist die Marktgemeinde den drittniedrigsten Schuldenstand im Landkreis aus. Was ihm persönlich ein Anliegen war, wird nicht allgemein so gesehen, bedauert der 67-Jährige. Denn gerade die größeren Schuldner würden auch mit Stabilisierungshilfen und höheren Förderungen belohnt. Doch seine Devise hätte halt immer gelautet, dass man nur das Geld ausgeben darf, das man auch hat. Und schließlich will er seinem Nachfolger keinen Schuldenberg hinterlassen.

Zu den großen Leistungen zählt Schmidkonz auch, dass in der Gemeinden alle Orte ans Breitband angeschlossen sind, sogar zu den Weilern Glasfaserleitungen führen. Als „Glücksfall“ nennt Schmidkonz die Sanierung des alten Rathauses in Mähring. Nachdem 20 Jahre lang keine Förderung möglich war, wurde schließlich über die Dorferneuerung eine Unterstützung erreicht und heute ein Vorzeigeobjekt geschaffen. Überhaupt hätte die Dorferneuerung vieles in den Ortschaften bewirkt. Besonders freut Schmidkonz, dass auch die Bevölkerung, etwa bei der Sanierung der Häuser, mitgezogen hätte. Markante Kapitel schrieben die Jahre nach der Grenzöffnung, die 1997 auch die Umgehung von Mähring nach sich zog. Erstmals sah damit ein Großprojekt ohne Planfeststellung verwirklicht worden, nachdem alle gemeinsam diese Verkehrsentlastung unterstützt hätten. „Waldsassen kämpft heute noch“, merkt Schmidkonz eher humorvoll an.

Unterstützung durch Familie

In der Bilanz weiß Josef Schmidkonz, dass sein langjähriges Wirken nicht ohne die Unterstützung der Familie möglich gewesen wäre. Frau und Kinder haben das Amt immer mitgetragen, denn gerade an der Wochenende hat der Posten viele Abende im Anspruch genommen. In der Vollerwerbslandwirtschaft hatte die Familie mit anpacken müssen. Und auf diese Stütze hat sich Josef Schmidkonz stets verlassen können. Einmal, so erinnert er sich, dass er auf einem der Bürgermeister-Ausflüge, bei dem auch seine Ehefrau dabei war, seine jungen Töchter den Betrieb gemanagt hatten. Und sogar eine Notschlachtung war in der Zeit angefallen. „Doch davon haben uns die Kinder erst hinterher etwas gesagt“, erinnert sich Schmidkonz. Die Bürgermeister-Ausflüge gibt es seit zehn Jahren nicht mehr. Leider, bedauert Schmidkonz, denn die Ausflüge hätten auch viele Kontakte ermöglicht.

Mit der UWG ist aber mit meinem Ausscheiden Schluss.

Bürgermeister Josef Schmidkonz

Bürgermeister Josef Schmidkonz

Auf der „Schattenseite“ vermerkt Schmidkonz den Vorgang um den Grundschul-Standort. Dabei waren er und der Gemeinderat der Empfehlung der Fachbehörden für Griesbach gefolgt. Die Bürger aber entschieden sich für Großkonreuth. Im Nachhinein, durch die Nähe zum Kindergarten, keine falsche Wahl. Doch damals hatte der Freie Wähler Josef Schmidkonz die Unabhängige Wählergemeinschaft gegründet. Das Amt des Bürgermeister ist ihm aber weiter mit großer Mehrheit übertragen worden. „Mit der UWG ist aber mit meinem Ausscheiden Schluss“, blickt Schmidkonz nach vorne. Ein bisschen weh tut dem Bürgermeister, dass die Freien Wähler das Amt wohl ohne Gegenwehr abgeben werden.

Mehr Zeit als Opa

Für die Zeit nach der Wahl hat Josef Schmidkonz durchaus klare Vorstellungen: Ein bisschen in der Landwirtschaft mithelfen (2017 übergeben), und halt mehr für seine Enkel und die Familie da sein. Und ein bisschen hinaus in die Welt zieht es Josef und Angela Schmidkonz. Noch in diesem Jahr steht das Nordkap im Programm, verrät er.

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