27.09.2019 - 09:03 Uhr
MähringOberpfalz

Seit hundert Jahren Theater in Mähring

Am 4. Oktober 1919 ging das erste Theaterstück mit Mähringer Laienspielern über die Bühne. Seither wurde hier fast immer gespielt. Heuer zeigt die Gruppe „St. Katharina“ das Stück „Herkules der Musterstier“. Premiere ist am 25. Oktober.

Manfred Raschke, Martin Freundl, Melanie Kaiser, Christian Müller, Marina Grillmeier, Sandra Meyer, Harald Kaiser, Carola Sporrer und Elias Kaiser haben gut lachen, denn die Proben zum Stück „Herkules der Musterstier“ laufen sehr gut.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

100. Geburtstag feiern die Laienspieler allerdings nicht, denn es habe immer wieder Unterbrechungen gegeben, sagt der Leiter und Regisseur der Gruppe, Manfred Raschke. 25 Jahre müsse man da wohl abziehen. 2015 übernahm Raschke die Leitung der Gruppe. Seither wurden drei Stücke gespielt. 18 Aktive plus 8 Jugendliche stehen aktuell als Schauspieler zur Verfügung. Beim diesjährigen Stück sind acht Schauspieler dabei. Manfred Raschke führt Regie.

Leseprobe im Wohnzimmer

Die erste Leseprobe fand Mitte Juli in Raschkes Wohnzimmer statt. Schon dabei wurde darüber nachgedacht, welche regionalen Örtlichkeiten sich in das Stück, das im oberbayerischen Raum angesiedelt ist, einbauen ließen. So etwa die "Hacklbäuerin" Emma alias Marina Grillmeier, die zu schnell mit ihrem SUV in Poppenreuth unterwegs ist und den Führerschein abgeben muss.

Das Stück aus dem Wilhelm Köhler-Verlag hat Marianne Santl geschrieben, ausgesucht hat es Manfred Raschke. Etwa zehn Stückbücher verschiedener Verlage ließt er pro Jahr und überlegt dabei, "was kann ich schauspielerisch besetzen?" Das aktuelle Stück ist in den 1980er Jahren angesiedelt und spielt ursprünglich irgendwo in Oberbayern. Gemeinsam hat die "Theaterfamilie" die Geschichte in die Oberpfälzer Mundart übersetzt und in die Schauplätze der eigenen Gemeinde adaptiert. 150 Zuschauer passen in den Jugendheim-Saal. Vier Aufführungen gibt es. Premiere ist am 25. Oktober um 19 Uhr. Desweiteren ist das Stück, das inklusive Pause etwa zwei Stunden dauert, am Samstag, 26. Oktober, und Samstag, 2. November, ebenfalls um 19 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 3. November, gibt es um 14 Uhr eine Nachmittagsvorstellung. Einlass ist jeweils eine Stunde vor Beginn. Karten zum Preis von 7 Euro (Erwachsene) und 4 Euro für Kinder bis 14 Jahre gibt es im Vorverkauf ab Montag, 30. September, bei den Volks- und Raiffeisenbanken in Tirschenreuth und Mähring. Was abzüglich der Saalmiete übrig bleibt, wird in Bühne und Technik investiert. So wurden vor zwei Jahren ein neuer motorisierter Bühnenvorhang und ein neues Lichtsteuergerät angeschafft.

Auch die Bühnentür wurde in Eigenleistung erneuert, denn der Regisseur ist praktischerweise im echten Leben Schreiner. Auch viele andere Schauspieler sind technisch versiert und arbeiteten mit, als es zum Beispiel galt, die Bühnenwände neu zu weißeln. Möbel und Accessoires stammen in der Regel aus Eigenbeständen der Mitglieder. Geprobt wird jeden Montag und Donnerstag. Das Bühnenbild bleibt dabei bis zum Ende stehen.

Drei Akte - ein Raum

Der Dreiakter spielt in einem Raum, was den Vorteil hat, dass nur eine Kulisse benötigt wird. In der Endphase wird drei Mal in der Woche geübt. 14 Tage vor der Generalprobe herrscht Hefteverbot auf der Bühne. Die Mähringer verfügen über einen kleinen Kostümfundus, bestehend aus Trachten, einem Pfarrergewand und einer Polizeiuniform. Das diesjährige Stück ist ein modernes Bauerntheater. Je nach Verfügbarkeit junger Schauspieler schweben Raschke künftig modernere Stücke vor, die sich auch in die neue Zeit adaptieren lassen.

Hintergrund:

Zum aktuellen Stück

Der Bauer Sixtus Hackl fährt mit seinem Freund, dem Viehhändler Alois Siegl, zur Zuchtviehausstellung nach München. Herkules, sein schönster Zuchtstier, soll dort präsentiert werden. 3000 Mark Prämie sind ausgesetzt. Die Bäuerin Emma will natürlich auch mit. Doch die beiden Männer wollen sie nicht dabeihaben, denn sie möchten endlich mal was erleben und das Münchener Nachtleben erkunden. Sixtus erfindet eine gute Ausrede und Emma muss zu Hause bleiben. Zenzi, die etwas vorlaute und drollige Magd, hat aufgeschnappt, dass die Männer in München die Sau rauslassen wollen. Darauf wird Rosa, die Frau von Alois, misstrauisch. Sie überredet Emma, den Männern hinterherzufahren. Emma schnappt sich den Autoschlüssel von Sohn Max und rast mit Rosa dem Viehwagen hinterher. Leider werden sie von der Polizei gestoppt und landen wieder daheim. Durch das Radio erfahren sie, dass Herkules den ersten Preis gewonnen hat. Doch sie warten vergeblich auf die Heimkunft ihrer Männer. Als Sixtus und Alois am nächsten Tag gegen Abend noch nicht eingetroffen sind, machen sich die Frauen große Sorgen. Nun wird die Polizei eingeschaltet. Da taucht Susi, die heimliche Freundin von Max, auf. Susi, die zurzeit in einem Münchener Nachtcafé arbeitet, erzählt Max von zwei ländlichen Typen, die mit einer aufgetakelten Blondine bei ihr im Café waren. Sie weiß, dass einer davon Sixtus war, weil sie seinen Ausweis fand, den er dort verloren hatte. Max bittet Susi, seiner Mutter und Rosa nichts zu erzählen. Erst am frühen Morgen des nächsten Tages kommen Sixtus und Alois mit einigen Blessuren und einem furchtbar schlechten Gewissen nach Hause: Ohne Geld, ohne Stier und ohne den Viehwagen! Was ist passiert? Max, der nach dem Willen seiner Eltern eigentlich die Tochter von Alois und Rosa heiraten soll, hat durch sein Wissen nun ein Druckmittel gegen seinen Vater und Alois in der Hand. Er stellt ihnen kurz entschlossen Susi als seine zukünftige Frau vor. Die beiden sind geschockt, als sie in Susi die Bedienung aus dem Nachtcafé erkennen. Aus Angst, Susi könnte was verraten, ist Sixtus mit dieser Verbindung einverstanden. Aber wo ist Herkules, der Musterstier? Wird er jemals wieder auf den Hacklhof zurückkehren?

Information:

Zur Historie des Mähringer Laienspiels

Es ist verbrieft, dass am 4. Oktober 1919 im Nürbauer-Saal (heute "Gasthof zur Post") der Mähringer Burschenverein gegründet worden ist. Noch im selben Jahr wurde der erste Dreiakter aufgeführt. Damit ist die Gründung geklärt. Dennoch müsse man Unterbrechungszeiten von etwa 25 Jahren abziehen, erklärt der heutige Leiter und Regisseur der Mähringer Laienspieler, Manfred Raschke. 1926 wurde die Burschenvereinsfahne geweiht. Zusammen mit Mitgliedern der Feuerwehr sei damals oft Theater gespielt worden, heißt es in alten Schriften. Manchmal gingen drei Aufführungen in einem Jahr über die Bühne. Die ältesten Bilder, die von diversen Aufführungen im Besitz des Vereins sind, stammen aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und dann wieder ab 1950. Nach dem Ersten Weltkrieg führten Bürgermeister Schmeller und Pfarrer Strunz aus Masch bei Waldershof Regie bei den Mähringer Laienspielern. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde der Theaterbetrieb eingestellt, weil die meisten Männer einrücken mussten. Von 1947 bis 1951 übernahm Pfarrer Gottfried Birner die Regie und Hans Brucker war für die Maske verantwortlich. 1951 wurde das Jugendheim mit der Theaterbühne gebaut. Bis 1985 zeichnete Andreas Göhl als Regisseur verantwortlich für das Geschehen auf der Bühne. Damals wurden hauptsächlich ernste Stücke gespielt, zum Beispiel "Das Trauringl". Für die Maske war zu der Zeit mit Emil Schicker ebenfalls ein Mann verantwortlich. Es existieren auch noch wenige Textbücher aus den 1960er und 70er Jahren. 1985 übernahm die Pfarrei das Jugendheim und renovierte es. Damals entstand auch der Name "Theatergruppe St. Katharina". Von 1985 bis 2004 übernahm Josef Gleißner die Regie. Als er aus Mähring wegzog, schlief der Theaterbetrieb ein. Erst 2015 erweckten Franz Schöner und Manfred Raschke die lange Tradition wieder zum Leben. Ab 2015 brachten die Laienspieler St. Katharina ihr Publikum mit den Dreiaktern "Im Schrank ist der Teufel los", "Der dalkerte Bua" und der "Gspenstermacher" zum Lachen. Am 3. Dezember 2017 wurde die Jugendgruppe mit Elias Kaiser, Alina Hofmann, Martin Schöner, Xaver Gmeiner, Jonas Dybicki, Elena Kilian, Florian Beer und Larissa Kraus gegründet. Ihren ersten Auftritt hatte sie im März 2018 mit dem Einakter "Der Erfinderbauer".

Manfred Raschke leitet die Theatergruppe St. Katharina seit 2015.
Gertrud Völkl und Franz Richt spielten im Stück „Am Grabeshügel einer Mutter“ 1951 unter der Regie von Pfarrer Gottfried Birner.
Wie das Stück hieß, das Mitte der 1950er Jahre aufgeführt wurde ist leider nicht mehr bekannt, wohl aber einige Schauspieler. So Kunigunde Nürbauer (hinten links), Andreas und Maria Göhl (hinten, Dritter und Vierte von links), Rudolf Kaiser (hinten, Fünfter von links)Anna Müller (hinten, Zweite von rechts), Anton Schöner (hinten, rechts), sowie Alois Reith und Konrad Rath (vorne Mitte von links).
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