09.03.2020 - 14:45 Uhr
MähringOberpfalz

Die steinerne Leidenschaft des Ferdinand Wagner

Turmalin, Bergkristall, Topas oder Smaragd. Diese kristallinen Schönheiten zählen zu den Mineralien. Ferdinand Wagner hat etwa 25 000 Stück davon, Klassiker und Raritäten. Er betreibt das größte private Mineralienmuseum der Oberpfalz.

Ferdinand Wagner beim Bestücken einer Vitrine.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Dieses steht bisher hinter seinem Wohnhaus in der Planer Straße und platzt langsam aber sicher aus allen Nähten. Deshalb baut Ferdinand Wagner derzeit das alte Raiffeisen-Lagerhaus in der Zollstraße aus den 1970er Jahren um. Das Dach ist bereits erneuert und mit Photovoltaik bestückt. Im Winter finden die Rohbaumaßnahmen in Eigenleistung statt. Ist alles fertig, steht ihm die etwa vierfache Fläche, verglichen mit dem derzeitigen Museum, zur Verfügung. 23 Quadratmeter im Unter- und 350 Quadratmeter im Obergeschoss stehen dann bereit für 22 Schaukästen, 26 Sechseck- und mehrere Haubenvitrinen, in denen insgesamt etwa 6000 Mineralien ausgestellt werden.

Die Vitrinen hat er von den Veranstaltern der Münchener Mineralientage geschenkt bekommen. Das Holz für die Schaukästen ließ er von einem ihm bekannten Zimmerer schneiden. Den Zusammenbau übernahm er selbst. Damit später einmal alles im besten Licht erstrahlt, müssen noch mehrere Hundert Meter Kabel verlegt werden, um die zahllosen LED-Lichter mit Strom zu versorgen.

Der Eingangsbereich wurde mit Granit verblendet. Davor steht eine Lore vom ehemaligen Obersteiger Oskar Steinfeld. Sie stammt ursprünglich aus dem Schwarzwald. Daraus schauen große, aus Marmor stilisierte Kristalle heraus.

Ferdinand Wagner vor dem Eingang seines neuen Museums mit der Lore aus einer ehemaligen Mähringer Grube.

Eröffnung im Sommer 2021

Eröffnet werden soll das neue Mineralienmuseum im Sommer 2021. Ferdinand Wagner hat die Regale und Theken aus zwei Apotheken gekauft. In den vielen Fächern lagert er die Mineralien, die in der Ausstellung keinen Platz finden. Diese wiederum stehen dann in einem Schiffscontainer hinter dem neuen Museum und bilden quasi das Depot. Wagner will künftig die Dauerausstellung öfters wechseln und auch Sonderausstellungen anbieten. Alle Unikate gehören Wagner selbst. Immer wieder bekommt er komplette Sammlungen angeboten, an denen die Erben kein Interesse haben. „Um der Nachwelt diese Stücke zu erhalten, nehme ich die Sammlungen gerne an“, sagt Wagner. Diese deponiert er als komplette Sammlungen und will sie als wechselnde Sonderausstellungen zusammen mit dem Konterfei des ehemaligen Besitzers ausstellen.

Vor etwa zehn Jahren hat er eine historische Sammlung mit etwa 7000 Stücken vom Geologen, Mineralogen, Lagerstättenkundler und Prospektor Hans-Wilhelm Bültemann, dessen Sohn in Mähring lebt, geerbt. Wenn das neue Museum fertig ist, will er jedes Jahr eine deutsch-tschechische Mineralienbörse organisieren. Bereits als Siebenjähriger hat Wagner seine Sammelleidenschaft entdeckt, als er beim Erdäpfelgraben jede Menge Quarzkristalle fand.

Ein Krokoit aus Tasmanien.

Exkursionen in Tschechien

Nach der Grenzöffnung 1989 lernte Wagner den tschechischen Geologen Fedor Markovic aus Marienbad kennen, der in den Urangruben im tschechischen Nachbarland beschäftigt war. Auch heute noch machen die beiden öfters gemeinsam kleinere Exkursionen. Markovic ist es auch, der auf tschechischer Seite alles für die Ferienprogramme vorbereitet, die Wagner seit 14 Jahren für die Marktgemeinden Mähring und Bad Neualbenreuth anbietet.

„Mein Urlaub führt immer dorthin, wo es interessante Steine gibt“, sagt der 50-jährige Steinmetz und selbstständige Totengräber. Natürlich dürften bei den Urlauben die Familie mit Ehefrau Kerstin und Tochter Lea nicht zu kurz kommen. Beide stünden hinter dem Hobby des Ehemanns und Vaters. Tochter Lea habe sogar ein wenig von seiner steinernen Leidenschaft geerbt, sagt Ferdinand Wagner.

Eisenkiesel aus dem Wölsendorfer Johannesschacht.

Bis nach Arizona

Ihn ziehe es immer dahin, wo er wisse, „da gibt es etwas zu finden, was ich noch nicht habe“. Alleine ist er unterwegs, wenn er in München die große Mineralienbörse oder in Tucson (Arizona) eine der größten dieser Art weltweit mit aufbaut.

Auch in Frankreich und Österreich habe er schon bei solchen Ereignissen mitgewirkt. „Ich glaube schon, dass ich in Sammlerkreisen über Bayerns Grenzen hinaus bekannt bin“, sagt Wagner. Natürlich bringe er von seinen Auslandsreisen auch immer etwas für die eigene Sammlung mit.

Information:

Stille, geheimnisvolle Welt der Mineralien

Ist das neue Mineralien-Museum von Ferdinand Wagner einmal eingerichtet, glitzert es in den vielen Vitrinen an allen Ecken und Enden in allen erdenklichen Farben. Geschickt gesetzte Lichtakzente verstärken diesen Effekt nochmals deutlich. So entsteht eine ganz eigene Welt, wie man sie höchstens von der Leinwand bei großen Science-Fiction-Blockbustern erleben kann. Fluorit, Baryt, Calcit, Autonit, Uranocircit, Quarz, Gold, Blei, Zinkblende, Silber, Antimonit, Torbernit, Eisenkiesel, Hämatit, Turmalin, Aquamarin, Beryl und Opal bilden nur einen winzigen Teil der stillen und geheimnisvollen Welt der Mineralien, die im Museum von Ferdinand Wagner zu sehen ist. Insgesamt nennt er etwa 25.000 dieser kalten Schönheiten sein Eigen, neue kommen ständig hinzu.

Ein Stilbit-Skolezit aus Indien.
Ein Malachit aus Lichtenberg.
Fluorit und Dolomit aus Wölsendorf aus der Grube Cäcilia.
Fluorit aus Wölsendorf aus der Grube Hermine.
Ein Quarz aus der ehemaligen Pfaffenreuther Bayerland-Grube bei Waldsassen.
In 26 Sechseckvitrinen und 22 Schaukästen präsentiert Ferdinand Wagner künftig seine glitzernden Schätze.
Ein Fluorit aus dem Wölsendorfer Johannesschacht.
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