Kuheuter schwebt über Maiersreuth

Maiersreuth bei Bad Neualbenreuth
13.09.2022 - 17:54 Uhr
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Die Künstlerinnen Susanne Neumann und Barbara Husar veranstalten mit einem Heißluftballon in Pink eine spektakuläre Kunstbetrachtung über der Gemeinde Bad Neualbenreuth. Die ersten Mitfahrer sind wieder gelandet – und beeindruckt.

Schon im Vorfeld hat die Aktion für viel Neugierde gesorgt. Die "Eutererhebung" war auf Flyern und Plakaten mit Bildern von einem grellfarbenen Ballon mit vier Zitzen angekündigt worden. Starts mit dem ungewöhnlichen Objekt sollten je nach Witterung vom Dorfanger aus möglich sein. Die Premiere ist geglückt. Künstlerin Barbara Anna Husar, die mit dem Euter-Ballon schon über die Alpen, den Eiffelturm und den Bodensee geflogen ist, kann die Woche der „Euter-Erhebungen“ in Maiersreuth als weiteren Erfolg verbuchen.

Künstlerin Susanne Neumann läuft aus dem Badehaus und winkt aufgeregt einem Kleinbus mit Anhänger zu. Sie lotst den Fahrer zur gemähten Wiese am Dorfanger. Annkathrin Weiß aus Schachten und Sonja Hart-Böhm aus Querenbach folgen ihr. Barbara Anna Husar aus Wien hat den beiden Landwirtinnen eben ihr Kunstprojekt „Euter-Erhebung“ erklärt. Im Anhänger des Fahrzeuges befindet sich der Heißluftballon der Wienerin. Er soll ein Kuheuter in Pink darstellen.

Husar hat diese Kunstart entwickelt, um auf die Rolle der Weiblichkeit in der Schöpfung aufmerksam zu machen und das „Immer mehr und mehr“ anzuprangern. „Es muss immer mehr rausgeholt werden, auch aus der Kuh“, wird das Kuheuter für sie Symbol der Ausbeutung. Bei Künstlerfreundin Susanne Neumann möchte Husar bewusst Landwirtinnen zur Ballonfahrt einladen, um die Frauen beim freien Blick über deren Felder und Bauernhöfe zum Nachdenken zu bringen.

Zuerst betont die Österreicherin mit dem charmanten Wiener Dialekt, sie könne nicht versprechen, ob der Ballon heute starten könne. Das gibt enttäuschte Gesichter. „Alles hängt vom Wind und der Thermik ab. Es darf sich kein Blatt am Baum kräuseln“, so Husar.

Plötzlich wird es lebhaft auf der Wiese. Der Schweizer Pilot Eugen Nussbaumer von der Firma Sky-Fun Ballonfahrten zieht den großen Korb für die Passagiere aus dem Hänger. Nussbaumer teilt seine Fahrgäste zur Mitarbeit ein. Sie sollen die endlos langen Stoffballen des Ballons ausrollen. Künstler Axel T. Schmid bietet seine Muskelkraft an, auch der Fotograf darf anpacken und ein paar Zaungäste.

Immer mehr Neugierige kommen vorbei, zücken Handys und Kameras, Kinder springen aufgeregt umher. Die Spannung steigt. Die Verstrebungen am Korb sind installiert, nun wird der Korb umgelegt. Eine Windmaschine soll die Stoffballen aufblasen. Annkathrin, Sonja und die Wienerin halten die Öffnung frei. Rasch bläht sich der lange Schlauch auf. Nussbaumer ist im Innern des immer höher aufragenden Ballons verschwunden, um die Stoffbahnen in Ordnung zu bringen.

Wie ein Lindwurm schlängelt sich der Schlauch über die Wiese. „Vorsicht“, warnt Nussbaumer und schickt mit einem Feuerstrahl Wärme ins Innere. In wenigen Minuten bläht sich der Wurm zum kugelrunden „Kuheuter“ auf, der Ballon hebt sich. Damit er nicht unkontrolliert in die Lüfte entflieht, hält ihn ein dickes Seil. Die Aufregung steigt bei der Frage: "Wer steigt zuerst ein?“

Künstlerin Husar macht Video-Clips mit Annkathrin und Sonja. „Du bist eine der ersten Bäuerinnen, die mit der Euter-Erhebung mitfliegen. Wie fühlst du dich?“ Die Pionierinnen dieser außergewöhnlichen Kunstform kriegen eine blasse Nase. „Naja, mir ist ein wenig mulmig“, sagt Annkathrin. Für die 21-Jährige und für Sonja Hart-Böhm (51) ist es die erste Heißluftballonfahrt. Sonja steigt ein, mit ihr Johannes (13) und Marie (9) Schnurrer. Die Kinder haben darum gebettelt. Jetzt verlässt sie fast der Mut. Johannes klettert in den Korb, Marie zögert, aber lässt sich überreden. Der Pilot gibt Gas, der Korb löst sich vom Boden und schwebt sanft aufwärts.

Die erste Fahrt ist nur ein Höhenanstieg, der Ballon bleibt am Seil hängen. Dennoch schrumpfen die Häuser und Menschen von oben schnell auf Spielzeuggröße. Das mulmige Gefühl im Bauch bleibt, bis Nussbaumer sein Flugobjekt wieder hinablenkt. Die zwei Kinder strahlen. Was für ein Abenteuer, mit dem sie am nächsten Tag bei Schulbeginn ihre Freunde schwer beeindrucken können.

Bei der dritten Fahrt wird das Seil gelöst. Das Kuheuter mit Künstlerin Barbara Anna Husar und den zwei Bäuerinnen entschwebt sanft gen Maiersreuther Himmel, passiert das Badehaus, um sich dann von der Thermik Richtung Bad Neualbenreuth lenken zu lassen. Bald ist nur noch im Osten ein bunter Fleck am Horizont über dem Wald erkennbar, romantisch beleuchtet von der Abendsonne. Die grenzenlose Freiheit über den Wolken - wobei der Ballon selbstverständlich unter der Wolkengrenze bleibt – Annkathrin Weiß und Sonja Hart-Böhm durften sie kurz erleben.

Hintergrund:

Euter-Erhebungen ausgebucht

  • Veranstalter: Kunstprojekt Badehaus Maiersreuth um Künstlerin Susanne Neumann
  • Ausführende: Künstlerin Barbara Anna Husar aus Wien
  • Pilot: Eugen Nussbaumer aus der Schweiz, seit 30 Jahren Ballonerfahrung
  • Wann: Je nach Wetterlage bis Freitag, 16. September, Abflugort Maiersreuth
  • Mitfahren: Leider ausgebucht, Zaungäste beim Spektakel weiter willkommen
 
 

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