08.06.2018 - 12:07 Uhr
MantelOberpfalz

Jagd durch die Zeit

Das Jagdschlössl in Mantel steht seit sechs Jahren leer. Das historische Gebäude lässt schon von außen erahnen, was sich im Inneren verbirgt. Doch nicht nur das Haus ist beeindruckend - auch die Besitzerin erzählt eine spannende Geschichte.

Die Schlossherrin Maria Hildegard Fischer.
von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

An der Wand in der Wohnküche hängt noch der Kalender von 2012. Der Auszug war fluchtartig. Maria Hildegard Fischer verließ ihr Schloss vor sechs Jahren von einen Tag auf den anderen. Notizen zu Arztterminen und Geburtstagen zeugen vom damaligen Alltag der Mantelerin mit ihrem Mann Albert. Sie lebten zusammen seit der Heirat 1957 in dem historischen Haus.

Bis zu dem Tag vor sechs Jahren, als Maria Hildegard Fischer ihren Albert, der an Parkinson erkrankt war, und ihr Hab und Gut packte, und auszog. "Er hing sehr an dem alten Haus", sagt Fischer. "Er hat es erst verlassen, als er sehr krank war und nicht mehr stehen oder gehen konnte." Das Ehepaar blieb in Mantel. "Wir hatten uns schon vorher ein Haus gekauft. Das sollte unser Alterswohnsitz werden." Doch Ehemann Albert lebte nicht lange in dem neuen Haus. "Er starb bald."

Plötzlicher Schicksalsschlag

Hildegard Fischer will das Haus verkaufen. Das Ehepaar hatte bereits begonnen zu renovieren. Das Bad im Erdgeschoss ist bereits saniert, es gibt eine Heizung und das Dach wurde erneuert. Doch weit kam Familie Fischer mit ihrem Vorhaben nicht. Ein Schicksalsschlag traf die Manteler: "Alberts Krankheit durchkreuzte unseren Plan." Dabei wollten die Fischers das Haus mit seiner besonderen Geschichte unbedingt herrichten - ohne Renovierung wäre es nicht mehr bewohnbar gewesen. Das denkmalgeschützte Gebäude war das Jagdschloss der Herzöge von Sulzbach, das auch als Forstamt diente. Mantel war bis 1790 Teil des Herzogtums Sulzbach. 1687 erwarb Johann Ferdinand von Geryll, damaliger Forstmeister und höchster Beamter des Herzogtums, das Anwesen im Auftrag der kurfürstlichen Regierung. Das Schlössl wurde als Forstamt genutzt. Im Obergeschoss residierten die Kurfürsten von Sulzbach.

Das Jagdschlössl ist seit 1930 im Besitz der Familie Fischer. Albert Fischer wuchs dort als ältester von sechs Geschwistern auf. Ihr Ehemann war ein "eingeborener Manteler", sagt Hildegard Fischer. "Ich bin seit unserer Hochzeit 1957 Mantelerin". Die Eheleute lernten sich in Feilersdorf (Gemeinde Trabitz) kennen. Dort lebte Hildegard Fischer. "Mein Mann kam zu den Nachbarn auf Besuch. So haben wir uns kennengelernt." Sie schwärmt heute noch von dem gutaussehenden Albert: "Er war groß, stark, hatte blaue Augen und gewellte Haare. Ein hübscher Mann." Bald nach der Heirat zog das junge Paar ins Jagdschlössl zu Albert Fischers Eltern und Geschwistern. Die Fischers bekommen drei Kinder, alles Jungs. "Alberts Geschwister sind nach und nach ausgezogen. Und wir haben unsere Kinder bekommen. Also waren wir praktisch immer vollzählig", sagt Hildegard Fischer.

Manteler Institution

Die junge Familie lebte im ersten Stock in zwei Zimmern, gegessen wurde im Erdgeschoss bei den Eltern. Dort war damals auch ein Gemischtwarenladen, den Hildegard Fischer bis 1996 weiterführte. Zuerst mit ihrer Schwiegermutter, ab 1984 alleine. Ihr Mann kümmerte sich um das zweite Standbein: die Landwirtschaft. Die Fischers hatten Felder gepachtet und betrieben Ackerbau.

Im Laden war immer etwas los. "Wir waren eine Institution." Ein Vollzeitjob für die Mantelerin. "Nach Ladenschluss, am Wochenende und abends haben die Kunden an der Haustüre geklopft. Natürlich haben sie bekommen, was sie gebraucht haben." Vor Schulbeginn war es stets voll. "Wir verkauften Pfennig-Bonbons und auch die guten Sachen."

Der Laden lief gut, was auch an dem frischen Obst und Gemüse liegt, das Hildegard Fischer im kühlen Felsenkeller lagerte. 1996 war dann alles vorbei. Da kam der erste Discounter in den Markt. "Das haben wir nicht geschafft." In dem Raum des Ladens steht heute noch die komplette Einrichtung. Kleine Schätze finden sich auf den Regalen, die den Charme der 60er Jahre versprühen.

Hildegard Fischer ist noch fit. Sie schwingt sich täglich 45 Minuten lang auf ihr Trimm-Rad. Doch das alte Haus herzurichten ist ihr zu viel. Auch ihre drei Söhne machen es nicht. Sie hofft, dass sich ein Käufer findet und das Anwesen nicht verfällt. Die Voruntersuchungen des Denkmalamts sind bereits abgeschlossen. Die bald 80-Jährige hat alles vorbereitet.

Das Jagdschlössl in der Etzenrichter Straße steht zum Verkauf.

Mehr Bilder vom Jagdschlössl

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.