26.03.2021 - 11:13 Uhr
MantelOberpfalz

Im Kohlberger Revier ein Schritt hin zum Klimawald

Am nachwachsenden Baumbestand erklären Forstbetriebsleiter Philipp Bahnmüller (links) und Förster Erwin Fischer (Mitte) dem Landtagsabgeordneten Dr. Stephan Oetzinger (rechts), wie nach Einsatz des Harvesters der Klimawald gefördert wird.
von Johann KneißlProfil

Warum braucht es zur Altholzernte einen Harvester und welche Vorteile bietet die Maschine? Das ließ sich Stephan Oetzinger, CSU-Landtagsabgeordneter, vom Kohlberger Revierleiter erklären. Nach einer ersten gemeinsamen Waldexkursion im Revier Kohlberg im August hatte der Landtagsabgeordnete Stephan Oetzinger ein Versprechen abgegeben. Gegenüber Forstbetriebsleiter Philipp Bahnmüller und Förster Erwin Fischer hatte er angekündigt: „Ich werde wiederkommen, wenn die vorgestellte Holzernte durchgeführt ist.“

Er hat Wort gehalten und sich einen Eindruck verschafft, wie es im Wald des Staatsforstbetriebs Schnaittenbach vor und nach der Maßnahme aussieht. Nachdem in den Staatswäldern im Bereich Röthenbach im vergangenen Sommer die Bäume, die zum Fällen anstanden, markiert und die logistischen Voraussetzungen für die Holzernte geschaffen waren, war im Winter der Harvester vor Ort.

„Welchen Vorteile ergeben sich durch den Einsatz des Harvesters bei den Arbeiten im Staatsforst?“, wollte der Oetzinger wissen. „Wir setzen auf den Einsatz eines ganz modernen Harvesters mit Baumhaltertechnik. Damit schonen wir den nachwachsenden Wald, da die Maschine in der Lage ist, die Bäume im Ganzen aus dem Wald zu heben. Dies ist auch deutlich sicherer, als die klassische Waldarbeit mit der Motorsäge“, erklärte Revierleiter Fischer. Junge Buchen, Tannen, manchmal auch Eichen und Lärchen würden so nicht durch umfallende Bäume umgebrochen oder geknickt. Der zurückbleibende junge und alte Wald würde daher kaum beschädigt. Vor allem die jungen Bäume profitierten so von mehr Licht, das leichter durch die Kronen dringt und deshalb das Wachstum fördert.

Die Ernte des Altholzes ist damit nicht das Ende des Waldes. Die nächste Waldgeneration steht schon bereit, sie ist vielfältiger, gemischter und strukturreicher. „Da niemand genau weiß, welches Klima uns in Zukunft erwartet, setzen wir in der Verjüngung auf einen Baumartenmix und damit auf mehr Vielfalt“, fasst Bahnmüller die Strategie in wenigen Worten zusammen. So sollen künftig neben Fichte und Kiefer auch Buche und Tanne sowie weitere Mischbaumarten den künftigen Klimawald bilden. „Unsere Vorgänger haben schon vor längerer Zeit auf einen Mischwald gesetzt und viele Tannen und Buchen gepflanzt. Diese Pflanzungen brauchen nun mehr Licht und Platz“, argumentierte Fischer zugunsten des neu entstandenen Waldbildes nach dem Ende der Holzernte. So wird das Klimarisiko breiter gestreut bzw. auf unterschiedliche Baumschultern verteilt.

Das geerntete Holz ist nicht nur ein hochwertiger Rohstoff etwa für die Möbelindustrie, sondern speichert langfristig das CO2, das es der Luft beim Wachstum entzogen hat. Holznutzung und -verwendung ist damit ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Die Stämme werden in regionale Sägewerke gebracht, dort zu Brettern und Balken gesägt und sind vor allem für den Hausbau ein nachgefragter ökologischer Werkstoff. „Wird der Wald bewirtschaftet und das immer wieder nachwachsende Holz genutzt, so wird das darin enthaltene CO2 langfristig gebunden“, erklärte der Betriebsleiter. „Damit wird auch ein Ziel bayerischer Politik durch die Staatsforsten umgesetzt“, freute sich Oetzinger.

Beim Waldumbau schaut der Forstbetrieb Schnaittenbach aber nicht nur auf die nächste Baumgeneration. Auch die Belange des Natur- und Artenschutzes spielen eine bedeutende Rolle. Alte Bäume, etwa mit Baumhöhlen, so genannte Biotopbäume bleiben grundsätzlich stehen. Zusätzlich werden von bestimmten Bäumen nur die Kronen abgeschnitten. Der verbleibende, stehende reine Holzstamm wird zu einem wichtigen Lebensraum für totholzbewohnende Insekten wie beispielsweise Bock- oder Prachtkäfer. „Eine große Tier- und Artenvielfalt ist uns wichtig“, hebt der Kohlberger Revierleiter Erwin Fischer hervor. Biotopbäume tragen mit dazu bei, dass Tier- und Pflanzenwelt im heimischen Klimawald weiterhin gut miteinander auskommen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.