Die katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Mantel braucht ein neues Pfarrzentrum. Darin sind sich Pfarrer Thomas Kohlhepp, der Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung einig. Dieser Entschluss entstand nicht von heute auf morgen, sondern nach langen reiflichen Überlegungen. Im Gespräch mit Oberpfalzmedien erklären Pfarrer Kohlhepp, Pfarrgemeinderatssprecher Josef Grasser und Kirchenpfleger Karl Hofmann, mit welchem Konzept sie die Manteler Gemeinde zukunftsfähig machen wollen und warum sich so mancher Kritiker des Projekts mit den Plänen mittlerweile anfreunden kann.
"Ich muss ausholen", sagt Pfarrer Thomas Kohlhepp. Der Geistliche betreut nicht nur Mantel, sondern auch den Nachbarort Neunkirchen, mit dem zusammen Mantel eine Pfarreiengemeinschaft bildet. "Die Frage lautet doch, wie kann ich Kirche zukunftsfähig machen", sagt Kohlhepp und sieht bei zwei Themen Handlungsbedarf. Das sei zum einem das Pastorale und zum anderen die Kirchenverwaltung mit der finanziellen Situation. "Wie kann die Kirche die Leute wieder erreichen?", sei die eine Frage. Andererseits: "Wenn wir so weiter machen wie bisher, sind wir in 10 Jahren pleite."
Hohlhepp nennt einige Zahlen: "2011 hatte Mantel noch 2100 Katholiken, jetzt sind es nur noch 1800." Und von denen würden nur 5 Prozent den Gottesdienst besuchen. Es fehle an "jungen Angeboten" und sei immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden, die bereit sind, sich dauerhaft zu engagieren. Der Seelsorger vermutet, dass die nächste Dekanatsreform auch vor den Pfarreiengemeinschaften nicht haltmachen wird.
Um das kirchliche Angebot in Mantel so zu gestalten, dass es wieder mehr Menschen anspricht, müsse auch räumlich etwas geschehen. Davon sind Josef Grasser, Sprecher des Pfarrgemeinderates, und Kirchenpfleger Karl Hofmann überzeugt. Aktuell plagen die Pfarreien einige bauliche Sorgenkinder. Eines davon ist der alte Pfarrhof in der Gartenstraße, der leer steht. Hier ist lediglich das Pfarrbüro untergebracht. Pfarrer Kohlhepp wohnt in Neunkirchen. Das Haus ist nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die Heizung ist defekt, die Öltanks müssten ausgetauscht werden. Auch energetisch schneidet das Gebäude schlecht ab, um das Pfarrbüro zu heizen, muss die Gemeinde jährlich 4000 Euro ausgeben. "Eine Baustelle, die wir nicht stemmen können", gibt PGR-Sprecher Grasser zu bedenken. Außerdem befindet sich Pfarrhof weit weg von der Kirche.
Ebenfalls in die Jahre gekommen ist das bisherige Pfarrheim in der Weidener Straße. Auch dies liegt weit von der Kirche im Ortskern entfernt. Es ist weder barrierefrei noch verfügt es über behindertengerechte Toiletten. "Außerdem ist das Raumkonzept nicht optimal", bedauert der Pfarrer. Bei größeren Veranstaltungen müsse man in die Turnhalle des Kindergartens ausweichen. Da die Nähe zur Kirche fehlt, sei vieles nicht möglich. Kohlhepp verweist auf die Kindergottesdiente für die ganz Kleinen, die etwa in der Kirche und dann kindgerecht in einem Pfarrheim nebenan fortgesetzt werden könnten. "Aber das können wir nicht." Das ist vor allem Josef Grasser ein großen Anliegen.
Ein weitere Baustelle befindet sich hinter der Kirche im Ortskern. Das Grundstück wird aktuell als Parkplatz genutzt, obwohl es gar keiner ist. "Dafür fehlt eine Deckschicht und eine ordentliche Ableitung des Oberflächenwassers", so der Pfarrer. Außerdem mache hier eine feuchte Stützmauer Probleme. Auch die Mauer Richtung Hüttener Straße bekomme immer mehr Risse.
"Was machen wir?", fragten sich die kirchlichen Gremien. Alle drei Problemfelder zu sanieren, sei nicht zielführend und viel zu teuer. Diese Ausgangslage führte schließlich zur Überlegung, den alten Pfarrhof und das in die Jahre gekommene Pfarrheim samt der dazugehörigen Grundstücke zu verkaufen und mit dem Erlös auf der freien Fläche hinter der Kirche ein neues Pfarrzentrum zu bauen, das allen Bedürfnissen gerecht wird und energetisch auf dem neuesten Stand ist.
Fachliche Hilfe suchte sich die Pfarrei bei den 2G Architekten aus Weiden. Laut den Plänen der Experten ergeben sich weitere Vorteile: Das Vorhaben passt ins Raumprogramm, das die Diözese vorgibt, dem Denkmalschutz wird Rechnung getragen, das Baugrundgutachten passt, das Brandschutzkonzept lässt sich bei einem Neubau einfacher verwirklichen als bei einer Sanierung und das Vorhaben entspricht den städtebaulichen Vorgaben.
Als der Pfarrer bei einem Informationsabend die Pläne vorstellt, finden diese bei vielen Zustimmung, allerdings nicht bei allen. Die Kritiker stammen aus den Reihen der Kolpingsfamilie in Mantel, die hinter dem alten Pfarrhof in der Weidener Straße einen Minigolfplatz betreibt, der bei einem Verkauf des Grundstücks geschlossen werden müsste.
Bereits lange vor dem Infoabend hatte es eine Unterschriftensamlmung gegen den Verkauf des alten Pfarrheims gegeben. "Obwohl die Alternativpläne überhaupt noch nicht bekannt waren", ärgert sich der Pfarrer im Nachhinein. Es seien auch Dinge behauptet worden, die nicht richtig waren. Der Pfarrer räumt nun aber ein: "Nach der Informationsveranstaltung sind viele Leute zu mir gekommen und haben sich entschuldigt", sagt er.
Der Manteler Bürgermeister Richard Kammerer macht der Kolpingsfamilie ein Angebot. Er verspricht dem Verein bei der Suche nach einem neuen Minigolf-Gelände behilflich zu sein. Doch das habe Kolping abgelehnt, berichtet der Rathauschef. Vorsitzender Georg Seiser bestätigt dies. Viele der Kolpingsmitglieder seien nicht mehr die Jüngsten und in ein paar Jahren nicht mehr in der Lage den Platz zu betreiben. Nachfolger würde es nicht geben. "Wir haben in das alte Pfarrheim viel Arbeit, Geld und Herzblut hineingesteckt", sagt Seiser. Auch das Equipment für Osterbrunnen und Erntealtar sowie ein Zelt für Gartenfeste sei hier gelagert. Außerdem gebe es auf dem Gelände noch eine Grillhütte, in die der Verein investiert habe. "Ob das in einem neuen Pfarrheim Platz hat?"
Dabei wollen Pfarrer, Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung die Kolpingsfamilie keinesfalls aufs Abstellgleis schieben. "Kolping bekommt in dem neuen Pfarrzentrum selbstverständlich einen eigenen Raum", verkündet Pfarrer Kohlhepp. Der neue Bau soll zweistöckig werden und Platz fürs Pfarrbüro, den Pfarrsaal mit bodentiefen Fenstern, barrierefreie WCs, ein Foyer, eine Garderobe, eine Küche und einen Lagerraum bieten. Über einen Aufzug könnte es ins Obergeschoss gehen, in dem zwei Gruppenräume (für Kolping und Ministranten) vorgesehen sind. Es sind ein Innenhof und ein überdachter Freisitz geplant.
"Beim Protest gegen den Verkauf ist viel Öl ins Feuer gegossen worden", bedauert Kirchenpfleger Karl Hofmann. Und PGR-Sprecher Josef Grasser verspricht; "Das kulturelle Leben wird in der Pfarrgemeinde Mantel wird nicht zum Erliegen kommen, wenn das alte Pfarrheim abgerissen wird." Gemeinsam mit Pfarrer Kohlhepp sind sie jedoch überzeugt, mit den Neubauplänen die richtigen Weichen für Mantel zu stellen.
Das sind die Pläne der Pfarrei Mantel
- Der alte Pfarrhof in der Gartenstraße und das Pfarrheim in der Weidener Straße sollen verkauft werden
- Dafür bekommt die Pfarrgemeinde ein neues Pfarrzentrum direkt neben der Kirche
- Kritik an diesen Plänen kam vor allem von der Kolpingsfamilie, die ihren Minigolfplatz gefährdet sieht
- Bürgermeister Richard Kammerer versprach Kolping jedoch, bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück für die Minigolfanlage zu helfen
- Dies hat der Verein jedoch abgelehnt



















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