Professionelle Bergwachtausbildung im Lauterachtal

Auch wenn das Lauterachtal ein gutes Stück weg ist von Alpen und Mittelgebirgen, muss die Bergwacht optimal für Einsätze ausgebildet und trainiert sein. Ein Übungstag mit dem Rettungshubschrauber fand in Lauterach statt.

Christoph 27 im Einsatz im Lauterachtal. Die Luftrettung ist Teamarbeit mit höchster Präzision - Pilot, Windenführer, Notarzt und Bergwachtretter müssen ein Team sein, das sich blind versteht.
von Paul BöhmProfil

Der Kletterfelsen bildet ein optimales Trainingsareal für die Bergretter. Auf der anderen Talseite ist am Radweg die Bergwachtstation angesiedelt. "Das ist für uns von der Bergwacht und die Hubschrauberbesatzungen von Christoph 27 aus Nürnberg eine ideale Trainingsmöglichkeit, wie wir sie uns nicht besser wünschen könnten", sagte Einsatzleiter Norbert Arnold von der Bergwachtbereitschaft Amberg-Kastl. "Zwei Mal im Jahr halten wir solche Rettungsübungen im unwegsamen Gelände." Mit dazu gehöre für seine Leute auch ein Pflichttraining beim Luftrettungstrainingszentrum in Bad Tölz.

Bei der Übung waren neben einigen Notärzten auch der Rettungssanitäter und ausgebildete Windenführer Dirk Gockeler mit dabei, der sich seit gut 20 Jahren um die Ausbildung des Fachpersonals für derartige Notfalleinsätze kümmert. "Wenn man 50 bis 90 Meter über dem Boden bei offener Tür arbeitet und Menschen an einem Seil herablässt und wieder aufnimmt, muss jeder Handgriff sitzen", erzählt er aus seinem Berufsalltag. Das besondere an "Christoph 27" ist, dass er über eine fest installierte Winde verfügt: "Diese kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Rettung vom Boden aus nicht möglich ist oder nur mit großer Zeitverzögerung und hohem Risiko."

"Der Pilot sitzt im Cockpit rechts, der Windenführer steht an der linken Seite des Hubschraubers, wo die Winde installiert ist". Die Schwierigkeit sei dabei, dass der Pilot nicht sieht, was an der Winde passiert. Deshalb seien regelmäßige Schulungen so wichtig. Denn - Windenrettung ist Teamarbeit in Reinform.

Vier an Bord

Die Aufgaben aller vier Beteiligten im Hubschrauber - Pilot, Windenführer, Notarzt sowie ein Berg- oder Höhenretter der Bergwacht - greifen eng ineinander und sind daher in besonderen Maßen sicherungsrelevant. "Wir müssen uns blind aufeinander verlassen können und eine einheitlich Sprache sprechen. Wir haben standardisierte Verfahren mit eindeutigen Kommandos, die jeder von uns versteht", sagte Dirk Gockeler.

So schaut das Szenario in der Praxis aus: Sanitäter und Bergretter seilen sich direkt über dem Jurafelsen ab, bergen den Verletzten und lagern ihn transportgerecht in dem mitgeführten Luftrettungssack für den Abtransport. "Da muss jeder Handgriff sitzen", unterstrich Einsatzleiter Norbert Arnold. Die Bergrettungswache Amberg übte mit dem Hubschrauber "Christoph 27" diesen Ernstfall am Lauterachfelsen. Dazu waren dort mehrere Stationen vorbereitet: eine Kapprettung, eine direkte Abholung vom Felsen und eine Rettung mit dem Luft-Bergesack.

Bergretter des gesamten Frankenjuras, von Bamberg, über Lauf, Nürnberg, Erlangen, Forchheim, Amberg Dollnstein, Sulzbach, Kulmbach, Fürth und Pottenstein waren gekommen, um die Übungen in Einsatzgruppen zu absolvieren. Sie bereiteten akribisch ihre Ausrüstung vor, legten Helme sowie Kletter- und Luftrettungsgurte an. Dann ging es per Hubschrauber hinüber zum Felsen. Angeseilt an der Winde bargen die verschiedenen Teams das Opfer und flogen es auf die Wiesen beim Schutzhaus aus.

"Alles muss ohne Fehler ablaufen", betonte der Einsatzleiter. Der Helikopter stand über dem Unfallort, Sanitäter und Bergretter seilten sich per Winde zum Verletzten ab. Der im Luftrettungssack gesicherte Verunglückte wurde eingehakt und mit den Rettern nach oben gezogen und dann normalerweise an einem Zwischenlandeplatz notversorgt.

Radius um die 80 Kilometer

Etwa 1200 Notfalleinsätze fliegt der in Nürnberg stationierte Rettungshubschrauber Christoph 27 im Jahr. "Unser Einsatzgebiet liegt in einem Radius von 70 bis 80 Kilometer rund um Nürnberg", erläuterte Dirk Gockeler. "Aber wir sind auch überregional unterwegs, wenn es die Situation erfordert, denn mit Winden sind nicht alle Rettungshubschrauber ausgestattet."

Auf etwa 600 Einsätze kommen die Bergwachtleute und die Luftretter im Bereich des Frankenjura. In etwa zehn Prozent der Fälle wird ein Hubschrauber benötigt. Im Notfall werden die Bergwachtretter in unwegsamen Gelände hinzugezogen. "Auch bei Schwerverletzten kommen sie zum Zug", sagte Norbert Arnold und: "Notrufe von Mountainbikern, Waldarbeitern und Reitern sind keine Seltenheit. Besonders im Klettersport gibt es bei uns die meisten Unfälle, da der Frankenjura deutschlandweit zu den beliebtesten Sportklettergebieten zählt."

Neben den Lauterachfelsen sind die Kletterer besonders im Hirschbachtal, im Veldensteiner Forst, im Ehenbachtal, bei Ammerthal und im Illschwanger Gebiet zu finden. "Wir von der Bergwacht Amberg-Sulzbach kommen auf etwa 30 verschiedene Rettungseinsätze pro Jahr", resümierte Einsatzleiter Arnold. Auch bei Hochwasser und Vermisstensuche unterstützt die Bergwacht die Einsätze von Polizei und Feuerwehr.

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Armin Birk

Christoph 31 ist - noch - eine Maschine des ADAC und seit 1987 stationiert in Berlin.
Der zweite in Nürnberg stationierte Hubschrauber der DRF Luftrettung gAG trägt die Bezeichnung „Christoph Nürnberg“.

19.09.2019