Marktredwitz
08.04.2019 - 18:15 Uhr

Zum Abschied läuft ein Oscar-Gewinner

Das Aus für den Filmfokus der VHS in Marktredwitz ist besiegelt. Der Grund: zu wenige Besucher. Bei „Green Book“ hoffen die Macher noch einmal auf ein volles Haus.

Das letzte Programm-Plakat: Uwe Kuchenbäcker (links) und Horst Elsner, die zuletzt den Filmfokus als Zwei-Mann-Team am Laufen hielten, nehmen schweren Herzens Abschied von der Sonderfilmreihe. Bild: fph/ryb
Das letzte Programm-Plakat: Uwe Kuchenbäcker (links) und Horst Elsner, die zuletzt den Filmfokus als Zwei-Mann-Team am Laufen hielten, nehmen schweren Herzens Abschied von der Sonderfilmreihe.

„Das macht mich traurig. Es ist ein bisschen ein Baby von mir, das ich loslassen muss“, sagt Uwe Kuchenbäcker. Er spricht vom VHS-Filmfokus, einer Reihe, die seit 2013 im Marktredwitzer Kino besondere Filme präsentiert. Am Mittwoch, 17. April, fällt im Cineplanet im KEC mit dem Oscar-Gewinner „Green Book“ der letzte Vorhang für den Filmfokus. Die Reihe wird eingestellt, weil in den vergangenen zwei Jahren die Besucherzahlen zurückgegangen sind. Im Jahr 2018 kamen im Durchschnitt 57 Filmbegeisterte in die Vorstellungen. Zu wenige. „70 Besucher im Durchschnitt wäre das Minimum gewesen, das sich der Kinobetreiber Michael Neidhardt vorgestellt hat“, sagt Kuchenbäcker, Leiter der Außenstelle Marktredwitz der VHS Fichtelgebirge. Nun habe man sich „im gegenseitigen Einvernehmen“ darauf geeinigt, dass Schluss sein solle.

„Auch in der Kulturarbeit entscheiden Wirtschaftlichkeit und Umsatz“, bedauert Kuchenbäcker, der aber die Sichtweise des Kinobetreibers versteht. Letztlich habe das Publikum über die Zukunft des Filmfokus entschieden, betont Kuchenbäcker. „Das Publikum ist der Souverän.“ Und die Sehgewohnheiten des Souveräns hätten sich in den vergangenen Jahren verändert. Die Leute würden inzwischen „selektiver“ vorgehen. Das heißt: Es gibt Filme, vornehmlich Komödien, die in der Publikumsgunst ganz oben stehen. Wenn es aber in Richtung Drama oder Genrefilm gehe, dann blieben die Sitzreihen oft leer. Gerade mal 19 Besucher hatte der russische Film „Leto“ im Februar, ähnlich schlecht lief der japanische Streifen „Shoplifters“ im März, wohingegen beispielsweise „Wackersdorf“ wegen des regionalen Bezugs und mit einem Kooperationspartner stattliche 146 Besucher ins Marktredwitzer Kino zog.

Schmerzlich sei auch, so Kuchenbäcker, eine spezielle Form des demografischen Wandels: Die Generation der 16- bis 30-Jährigen gehe weniger ins Kino und drifte in Streaming-Dienste ab. Dabei sei die Technik moderner Lichtspielhäuser doch zu Hause am Fernsehschirm kaum zu erreichen, von kleineren Abspielgeräten ganz zu schweigen: „Ich finde es jämmerlich, sich einen Film auf dem Smartphone anzusehen.“

Auch die insgesamt veränderte Filmlandschaft sieht Kuchenbäcker als Grund für das nachlassende Interesse an Sonderfilmprogrammen. „Kino ist inzwischen ein Hochfrequenz-Geschäft.“ Das bedeutet: Nach dem Kinostart dauert es nicht lange, bis Filme in anderen Medien weiterverwertet werden – ob auf DVD, Streamingdiensten oder im Fernsehen.

Die Tücken eines längerfristigen Programms erlebte Kuchenbäcker beispielsweise beim Film „Green Book“. Interessanter Stoff, fand er, als er den Film im November 2018 für 2019 ins Programm nahm. Kuchenbäcker lag zwar goldrichtig: „Green Book“ wurde danach für den Oscar nominiert und gewann ihn Ende Februar sogar als bester Film. Die Folge aber war: Die US-amerikanische Rassismus-Tragikomödie lief in den vergangenen Wochen bereits im Normalprogramm in den Kinos – was schlecht ist für ein Sonderprogramm. Trotzdem hoffen Kuchenbäcker und Horst Elsner, die zuletzt als Zwei-Mann-Team den Filmfokus am Laufen hielten, dass es zum Finale am 17. April mit „Green Book“ noch einmal ein volles Haus im Marktredwitzer Cineplanet geben wird.

Kuchenbäcker zeichnete zuletzt unter anderem für Programm-Entwicklung und Sponsoren-Akquise verantwortlich, während Elsner die Öffentlichkeitsarbeit erledigte. Die zwei Cineasten waren auch schon beim Filmclub in Marktredwitz mit an Bord, der von 1982 bis 2011 besondere Filme auf die Leinwand brachte. 2011 wurde der Filmclub spektakulär „zu Grabe getragen“. Im September 2013 ging der VHS-Filmfokus an den Start. Wenn jetzt am 17. April der letzte Abspann läuft, wird es Kuchenbäcker zufolge einen eher stillen Abschied geben: „Wir werden bei einem Glas Sekt Bye-Bye sagen.“

 
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