30.10.2019 - 14:22 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Beste Erinnerungen an die alte Heimat

Die Egerländer treffen sich zur Bundeskulturtagung. Egon Ziegler ergründet dabei eine außergewöhnliche Kulturlandschaft, verweist auf berühmte Besucher und einzigartige Baudenkmäler.

Stellvertretender Bundeskulturwart Wolf-Dieter Hamperl und Referent Egon Ziegler (von links) kommen immer wieder gerne nach Marktredwitz.

Bundesvüarstäiha Volker Jobst begrüßte zur Bundeskulturtagung des Bunds der Eghalanda Gmoin nicht nur Bundeskulturwartin Christina Diederichs und ihren Stellvertreter Wolf-Dieter Hamperl in Marktredwitz; auch Mitglieder des Bundesvorstands und mehrere Landesvorstände besuchten die Kulturtagung.

Dritter Bürgermeister Heinz Dreher hieß die Egerländer willkommen und freute sich, dass der jugendliche Schwung vom Bundestreffen der Jugend im vergangenen Monat auch in die Bundeskulturtagung hineinwirke. "Denn", so Dreher, "in die Zukunft muss es im Miteinander von Tschechen und Egerländern gehen!" Der stellvertretende Bundeskulturwart Hamperl sprach das Gefühl der Egerländer in Bezug auf Marktredwitz an: "Wenn wir länger nicht hier waren, fehlt uns etwas."

Im Hauptvortrag beantwortete stellvertretender Bundesvüarstäiha Egon Ziegler die Frage "Warum ist unser Egerland eine außergewöhnliche Kulturlandschaft?": Eine Kulturlandschaft zeichne sich durch die menschliche Prägung aus. Wichtige Faktoren für die Entstehung und Entwicklung seien die Beschaffenheit des Naturraums, die ursprüngliche Fauna und Flora, die menschlichen Einflüsse und die daraus resultierenden Wechselwirkungen. Das alte Egerland umfasste nicht nur den engen Rahmen des Bäderdreiecks Karlsbad-Marienbad-Franzensbad, sondern einen weiten Teil Westböhmens mit einer Gebietsfläche von rund 7500 Quadratkilometern und einst über 800.000 deutschen Bewohnern. Das Egerland liege zudem in der Mitte Europas.

Reise durchs Egerland

Zur Verdeutlichung nahm er die Zuhörer mit auf eine Reise durch ihr Heimatland und durch die Geschichte. Der gesamten ländlichen Region hätten die stattlichen Vierseithöfe in Fachwerkkonstruktion ihren Stempel aufgedrückt. Romantiker könnten sich an den bizarren Gebilden der Felsformation Hans-Heiling-Felsen, an der bezaubernden Burg Elbogen oder an den Schlössern Chiesch und Rabenstein an der Schnella im Kreis Pilsen erfreuen. Kunstkenner hingegen würden sich in die ehrwürdige Doppelkapelle der Egerer Kaiserburg, in die barocke Maria-Magdalena-Kirche von Karlsbad, in die wuchtigen, stilvollen Klosteranlagen von Kladrau, Tepl, Chiesch und in die Renaissancefassade des Mieser Rathauses verlieben. Meister ihres Metiers seien auch die Musikinstrumentenmacher gewesen, die ihre Streich- und Blasinstrumente in Heimarbeit oder in kleinsten Manufakturen in so vorzüglicher Qualität fertigten, dass sie auf der ganzen Welt geschätzt wurden.

Anspruchsvolle Architektur

Bereits im 18. Jahrhundert entwickelten sich Karlsbad, Marienbad, Franzensbad und Bad Königswart zu mondänen Badeorten. Sie zeichneten sich durch anspruchsvolle Architektur und schöne Gärten und Parks aus. Viele illustre Gäste wie Papst Leo XII., der russische Zar Peter der Große und Ludwig van Beethoven waren zu Besuch. Selbstverständlich auch Johann Wolfgang von Goethe, der während seiner 17 Reisen nach Böhmen dort insgesamt 1114 Tage verbrachte. 326 Gedenktafeln und 18 Denkmäler im Egerland zeugen davon. In Saaz, das durch seinen Hopfenanbau berühmt wurde, gab es im 14. Jahrhundert schon 15 Kirchen und Kapellen. Hier entstand um 1380 "Der Ackermann aus Böhmen" des Johannes von Tepl, eines der grundlegenden Sprachdenkmäler der älteren deutschen Literatur. Nach ihm ist ein Preis des Arbeitskreises Egerländer Kulturschaffender benannt.

Berühmte Bibliothek

Den geistigen und kulturellen Mittelpunkt im Tepler Hochland bildete die stattliche und reiche Prämonstratenser-Abtei Stift Tepl mit der berühmten Bibliothek und den wertvollen Sammlungen. Sie verfügte über 80 000 Bände, dazu kostbare Handschriften und den Codex Teplensis, die erste bekannte Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche, etwa aus dem Jahr 1400. Viele Lieder und Gedichte haben den Kaiserwald zum Thema, der im Süden des Falkenauer Beckens liegt. Hier liegt die Musikstadt Petschau mit ihrem trutzigen Fürstenschloss.

Das Erzgebirge wurde durch Bergbau und Besiedlung fast vollständig von einer Wald- in eine Kulturlandschaft umgestaltet. Die Stadt Pilsen wurde 1272 in königlichem Auftrag gegründet. Ebenfalls im Pilsener Becken liegt Bischofteinitz, von deren frühgotischer Burg aus der Handelsweg überwacht wurde.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.