Marktredwitz
23.01.2026 - 08:21 Uhr
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Wer hinter dem Erfolg der Marktredwitzer Blasmusik steckt

Seit 2022 dirigiert die Grundschullehrerin Nadja Rippert die Marktredwitzer Blasmusik. Was ist ihr Geheimnis, das Orchester immer weiter zu verbessern, ohne dass dabei der Spaß verloren geht?

Nicht nur den Musikerinnen und Musikern, sondern auch dem Publikum zugewandt: Zum Beispiel beim Radetzky-Marsch zum Abschluss eines jeden Neujahrskonzerts gibt Nadja Rippert den Takt und die Dynamik zum Mitklatschen vor. Bild: Michael Meier
Nicht nur den Musikerinnen und Musikern, sondern auch dem Publikum zugewandt: Zum Beispiel beim Radetzky-Marsch zum Abschluss eines jeden Neujahrskonzerts gibt Nadja Rippert den Takt und die Dynamik zum Mitklatschen vor.

Von Christl Schemm

Auf jemanden, der keine Noten lesen kann und auch sonst wenig Ahnung von Musik hat, wirkt eine Partitur wie ein Wust von weißen Blättern mit einem chaotischen Durcheinander von schwarzen Punkten. Diese sind mal etwas dicker mit einem Loch im Bauch, mal drängen sich mehrere gleich neben- oder übereinander und sind mit Strichen verbunden. Es gibt winzige Fähnchen, Kreuze, kleinere Punkte neben manchen Noten, Buchstaben, Bögen, Hinweise wie "pizz." oder "cresc." und ganze Wörter wie "Adagio molto" - mithin böhmische Dörfer für Menschen ohne musikalischen Hintergrund.

Nadja Rippert kann eine Partitur lesen wie andere einen Kriminalroman oder die Zeitung. Die 29-Jährige ist die Dirigentin der Marktredwitzer Blasmusik. Nach den großartigen Erfolgen der jüngsten Neujahrskonzerte erklärt sie, wie aus den weißen Blättern mit den schwarzen Punkten Musik wird, und wie das Orchester immer besser wird, ohne dabei den Spaß zu verlieren.

Beste Voraussetzungen

Die Marktredwitzer Grundschullehrerin bringt beste Voraussetzungen dafür mit, ein so großes Orchester wie die Marktredwitzer Blasmusik – immerhin sitzen bei den Neujahrskonzerten jeweils fast 50 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne – zu leiten. Dazu gehört nicht nur zu wissen, wie man eine Partitur liest und dirigiert, sondern auch, wie man Menschen führt. Für Nadja Rippert gehört beides zusammen: musikalisches Können und respektvoller Umgang mit den Mitgliedern des Orchesters.

Zumal sie selbst dort auch musikalische Wurzeln hat. "Mit 16 Jahren habe ich in der Blasmusik mit dem Klarinettespielen begonnen", erzählt Nadja Rippert. Nachdem ihre Vorgängerin Sabrina Hinz aufgehört habe, habe dann auch gleich die Corona-Pandemie das Orchester komplett ausgebremst. Simmy Bühring (Tuba) und Frederike Hock (Querflöte) hätten mit großer Anstrengung versucht, die Formation aufrechtzuerhalten. "Das Orchester ist wirklich fast auseinandergebrochen", erinnert sich die Dirigentin. "Doch ein harter Kern war sehr motiviert, das nicht passieren zu lassen. Sie hatten eine Liste mit rund zehn Namen, die ganz sicher wieder mitmachen, und ein paar, die vielleicht wieder dabei sein wollten." Da fügte es sich gut, dass Nadja Rippert – als die Pandemie fast vorbei war – beschloss, in ihre Heimat zurückzukehren. "Ich hatte immer Kontakt zur Blasmusik gehalten. Und ich habe immer gerne nebenher etwas gemacht. Also habe ich nach den Plänen der Blasmusik gefragt." Im Frühjahr 2022 habe dann das Orchester wieder angefangen zu üben.

Der Schlag ist das wichtigste

Jetzt kann Nadja Rippert zeigen, was sie gelernt hat: die sogenannte Schlagtechnik, also die Art und Weise, wie man mit der Hand, mit den Armen und dem Dirigentenstab das, was in der Partitur steht, umsetzt. "Das ist das Wichtigste, um dem Orchester Orientierung zu geben", erläutert die Musikerin. Große Bewegungen bedeuteten, dass das Orchester laut und energisch spielen solle, kleine Gesten zeigten an, leise und zurückgenommen zu intonieren. Hinzu kämen Hinweise für kurze oder lange, zackige oder fließende Töne – bei Nadja Rippert nie übertrieben oder gekünstelt, sondern sanft, aber deutlich. Dies ermögliche es auch, einem Musikstück eine eigene Handschrift aufzudrücken.

All dies muss sich die Dirigentin genau überlegen, bevor sie mit dem Orchester ans Werk geht. "Ich musste lernen, wie man mit einem Orchester probt, was man zum Aufwärmen machen kann, wie ich eingreife, wenn jemand falsch spielt. Meist merken die Musikerinnen und Musikern das allerdings selbst und korrigieren sich eigenständig. Ich brauche ein gutes Gehör und muss genau wissen, was die einzelnen Instrumente in den verschiedenen Registern machen." Dazu hört sich die Künstlerin Aufnahmen an und macht sich Notizen, zum Beispiel bei schwierigen Einsätzen oder Phrasierungen, also der künstlerischen Ausgestaltung einzelner Abschnitte. "Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich mit der Marktredwitzer Blasmusik nicht einzelne Töne üben muss, die können das. Wir können relativ schnell ins Phrasieren und Musikmachen einsteigen. Und das ist ja das, was richtig Spaß macht."

Es darf auch mal geratscht werden

Dieser ist für die Dirigentin sehr wichtig. Die Frauen und Männer, die während der Vorbereitungszeit auf die Neujahrskonzerte regelmäßig einmal wöchentlich sowie zusätzlich zu einem Probenwochenende und einem ganzen Probentag zusammenkommen, sollen Freude haben am gemeinsamen Musizieren. Deswegen dürfe zu Beginn der Proben auch mal geratscht werden. Und deswegen lasse sie auch den Schlagwerkern, die teilweise zu siebt auf der Bühne stehen, große Freiheiten. "Die Schlagwerker sind ultra wichtig. Und so lange sie das Tempo halten und die Übergänge richtig spielen, lasse ich sie machen."

Offensichtlich gibt es da ein großes Vertrauen zwischen dem Orchester und seiner Dirigentin. Bei den Konzerten ist das zu spüren. Auch das, was Nadja Rippert neben dem Musizieren besonders wichtig ist: ein gutes und offenes Miteinander mit allen, besonders aber mit dem Organisationsteam um Florian Fischer, Jonas Barthel und Frederike Hock. "Ich muss beim Dirigieren einen Mittelweg finden zwischen Spaß haben, Konsequenz und Strenge. Wenn ich mal streng sein muss, mache ich das mit einem Augenzwinkern. Ich würde nie jemanden bloßstellen", sagt sie.

Hintergrund:

Gelernt ist gelernt

  • Von der Pike auf Nadja Rippert hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt: während ihres Studiums für Grundschullehramt mit Hauptfach Musik an der Hochschule für Musik in Würzburg
  • Darauf und auf die nötige Eignungsprüfung hat sich die Marktredwitzerin an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg vorbereitet
  • Das, was die junge Frau an Know-how in der praktischen Arbeit mit ihren Schülerinnen und Schülern braucht, kommt ihr auch als Dirigentin des Blasorchesters zugute: singen, Musikstücke spielen und arrangieren, einen Chor oder eine Musikgruppe leiten
  • "Auch das Dirigieren habe ich während meines Studiums gelernt", sagt sie. Und das macht sie leidenschaftlich gerne in ihrer Freizeit mit der Marktredwitzer Blasmusik
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