13.09.2019 - 13:08 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Faschingsgeschichte(n) im Narrenkästchen

Ein geschichtsträchtiger Ort für Narrhallesen befindet sich gut versteckt mitten in Marktredwitz. Einige der Exponate stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Auf nur 30 Quadratmetern erlebt der Besucher dieses Museums die Geschichte der Marktredwitzer Faschingskultur. Mit jeder Menge Detailwissen kann Jörg Auer aufwarten.
von DTRProfil

Nach über 40 Jahren als Elferrat hat die Neugier Jörg Auer keine Ruhe gelassen. Akribisch schmökerte er in alten Unterlagen, fragte bei der älteren Bevölkerung nach und trug alles zum Thema Fasching zusammen. Das Ergebnis seines Engagements findet man in einer ehemaligen Schusterwerkstatt in einem Haus aus dem Jahre 1640; die Sammlung trägt den Namen "Rawetzer Narrenkästchen". Offiziell öffnet das besondere Museum nur einmal im Jahr, nach dem Narrenzug am Faschingssamstag. Zum Glück ist Jörg Auer nicht nur neugierig und geschichtsverliebt, sondern auch ein motivierter Museumsbetreiber. Deshalb gibt er sein weitreichendes Wissen rund um die Marktredwitzer Fastnacht gerne - nach Voranmeldung - an interessierte Nachwuchsnarren weiter.

Fasching in Kriegszeiten

"Schon in den Jahren um 1925 wurde der Fasching in Marktredwitz gefeiert", weiß der 77-Jährige aus Überlieferungen. Kleine Gruppen hätten bunte Abende an Stammtischen in Kneipen und Gaststätten gefeiert. "Zu Zeiten der NS-Diktatur hat sich das Bild extrem gewandelt. Weil die Teilnahme Pflichtprogramm war, sind ganze 84 Gruppen durch die damalige Adolf-Hitler-Straße - den heutigen Markt - gezogen." Wie gewaltig die Umzugswagen zu jener Zeit dekoriert waren, zeigt ein Mitschnitt aus dem Faschingszug von 1937, der im Museum gezeigt wird. Die teils riesigen Fahrzeuge wirken wie Panzer und der Umzug wie ein Kriegsaufmarsch. Natürlich sind auch viele Kostüme, Orden und Plakate aus jener Zeit im Museum zu bestaunen.

Aufblühen in den 50ern

"Während des Krieges und in der Nachkriegszeit war wenig Platz für fröhliches, buntes Treiben. Erst in den Fünfzigerjahren blühte das Vereinsleben wieder auf", erzählt der Rentner und ältester Elferrat im ganzen Landkreis. Ein Zufall habe die erste Faschingsabteilung entstehen lassen: "Die Mädels des Schwimm- und Sportklubs haben, weil es kein Hallenbad gab, ein Training für den Winter gesucht." Ihre Tanzgruppe sei durch Mundpropaganda schnell bekannt geworden. Ein späterer Zusammenschluss mit dem "Fußballverein S.C. Wacker Marktredwitz" habe in einen Faschingsverein gemündet. "Auch wenn diese Verbindung nur fünf Jahre hielt, die Mädels vom Schwimmclub wurden zur Garde und die Jungs zum Elferrat." So war der "Faschingsverein S.C. Wacker geboren".

Die komplette Geschichte der Marktredwitzer Narren bis in die Neuzeit können die Besucher in dem 30 Quadratmeter großen Museum nachvollziehen. Die Sammlung aus aktuell über 400 Orden, historischen Kostümen und zahlreichen Bildern wächst wegen der häufigen Schenkungen und Leihgaben ständig.

Wann, wo, wieviel:

Wann, wo und wieviel

Öffnungszeiten: offiziell am Faschingssamstag nach dem Narrenumzug. Gerne aber jederzeit auch nach Anmeldung beim Museumsbetreiber Jörg Auer. Der Eintritt ist frei. Adresse: 95615 Marktredwitz, Hohe Gasse 2. Kontakt: Jörg Auer, Telefonnummer 0151/17 271 448.

Fotos aus der Vorkriegszeit zeigen das bunte Treiben, schwarz auf weiß.
Erst in den 50er Jahren war wieder Platz für fröhliches und buntes Treiben. Zu der Zeit gründeten sich viele Faschingsgesellschaften der Region.
Über 400 Orden gibt es im "Narrenkästchen" zu bestaunen.
Auch Kostüme sind im "Faschingsmuseum" ausgestellt.
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