16.05.2019 - 14:07 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Frey investiert eine Million in „Herzstück“

Das Kaufhaus Frey modernisiert die Damenabteilung in Marktredwitz. Damit will die Geschäftsleitung den stationären Handel und die eigene Marke stärken.

In zwei Wochen beginnt der Umbau im ersten Stock des Marktredwitzer Kaufhauses, erklärten Firmenchefin Caroline Frey, Geschäftsführer Helmut Hagner und Hausleiter Tobias Kastner (von links).
von Autor FPHProfil

Eine „sehr gute Nachricht“ nennt Hausleiter Tobias Kastner die Tatsache, dass Frey trotz dramatischer Veränderungen im Handel kräftig investiert und damit den Standort Marktredwitz stärkt. „Toll, dass es weiter vorangeht“, sagte Kastner. Das sei in der kleinen Stadt Marktredwitz nicht selbstverständlich.

Der 1800 Quadratmeter große erste Stock des Kaufhauses im Markt werde in den kommenden Monaten umgebaut, gaben Firmenchefin Caroline Frey und Geschäftsführer Helmut Hagner bei einem Pressegespräch bekannt. Künftig führe auch eine neue Rolltreppe von der Hauptkasse im Erdgeschoss in das „Herzstück“, die Damenabteilung im ersten Stock. Im Hintergrund laufe bereits die Planung und in der Abteilung der Räumungsverkauf, erklärte Caroline Frey.

In zwei Wochen beginne dann der Umbau, der rund eine Million Euro kosten solle. Bis September soll alles fertig sein, sagte die Firmenchefin. Während der Arbeiten bleibe die Damenabteilung geöffnet, es gehe etappenweise voran. Hagner bat um Verständnis, dass es „laut und staubig“ werden könne. Er versprach: „Der Riesenaufwand lohnt sich.“

Urbaner Industrial-Style, kreativ mit viel Holz abgestimmt: So beschreiben die Verantwortlichen das künftige Design im ersten Stock. „Es soll locker bleiben, nicht steif und langweilig.“ Dazu gehöre, Kunden mit Getränken und Häppchen in Lounges zu verwöhnen – allerdings ohne eigenen Gastronomie-Bereich. Hagner räumte ein: „Wenn wir das Restaurant nicht schon vor Jahren geschlossen hätten, würden wir es heute nicht mehr tun.“

Neu in die Damenabteilung kämen zwei Räume für Privat-Shopping, denn dieses Segment wachse stetig: An den Samstagen seien in der Herren- wie in der Damenabteilung alle Termine für persönliche Beratungen ausgebucht, erklärte Hagner: „Wir denken ganzheitlich, auch beim Outfit.“ Immer öfter kämen ganze Familien mit ihren persönlichen Wünschen, um sich individuelle Lösungen vorschlagen zu lassen. „Wie daheim im Wohnzimmer“ könnten von Beratern vorausgewählte Artikel anprobiert werden – ohne Koppelung an einen bestimmten Einkaufswert. Das spare Stress und Zeit. „Solche Themen wachsen, das ist ein Prozess“, wusste der Geschäftsführer. Oft dauere es, bis Kunden den Wert neuer Angebote erkannten und sich dafür begeisterten.

Firmen, die ihre Existenzberechtigung behalten wollten, müssten sich stetig wandeln, weil sich die Märkte dramatisch veränderten, sagte der Geschäftsführer. Dieser Aufgabe stelle sich das Unternehmen Frey. „Wir wollen Einkaufs- und Beratungs-Erlebnisse bieten.“ Vor dem Umbau versetzten sich die Verantwortlichen in die Sicht des Kunden, um sich an seinen Bedürfnissen zu orientieren. Daher werde es künftig beispielsweise übergroße Umkleide-Kabinen geben.

Die Investition in Marktredwitz sei ein Statement für den stationären Handel, machte die Firmeninhaberin klar. Dieser werde wieder eine Blüte erleben. „Aber Mittelmaß hat keine Zukunft – das Angebot darf nicht austauschbar sein.“ Deshalb seien fortlaufend höhere Investitionen nötig, damit die Räume zur Ware und zum Angebot passten.

Gerade weil die Performance im örtlichen Handel nicht immer gut sei, wie Geschäftsschließungen in der Innenstadt zeigten, wolle Frey einen Kontrapunkt setzen. „Wir machen ständig unsere Hausaufgaben“, betonte Hagner. Ziel sei, ein Einkaufserlebnis zu schaffen. Wer mit einem Problem zu Frey komme, solle nicht mit drei Problemen heimgehen, sondern mit fünf Lösungen.

Das 8000 Quadratmeter große Kaufhaus mit 110 Mitarbeitern zähle zu den wichtigsten Lebensadern der Stadt Marktredwitz. Diesen Status quo müsse die Firma dauernd verteidigen, indem sie sich immer wieder neu erfinde, machte der Geschäftsführer deutlich. Insgesamt sei die Stadt Marktredwitz auf einem guten Weg, betonte Caroline Frey: Denn die Kaufkraft steige und der Wohnwert sei immens, weil Immobilien bezahlbar seien.

Ebenso wie die weiteren Frey-Standorte in Cham und Schwandorf sei Marktredwitz kein Hochfrequenz-Ort, räumte Hagner ein. „Wir müssen uns viel mehr anstrengen und mit Fakten überzeugen, damit Leute aus großen Städten in unsere Häuser fahren.“ Insgesamt seien bei Frey 550 Angestellte in allen drei Orten beschäftigt.

Die Investition in Marktredwitz verstand Hagner als Signal für Oberfranken: Man werbe auch um Kunden aus dem weiteren Einzugsgebiet bis Hof, Weiden und Bayreuth sowie darüber hinaus. Erst am Samstag kam eine Familie aus Plauen für eine Privat-Shopping-Beratung eigens nach Marktredwitz. Mit Waren für einen vierstelligen Betrag kehrten Eltern und Kinder nach Hause zurück.

Auf die Frage, ob die Modernisierung Freys Reaktion auf das geplante Riesen-Outlet in Selb sei, antwortet Hagner: Frey stelle sich der Herausforderung und stärke die eigene Kundenbindung mit dem Vorteil guter Beratung. „Die Kunden stimmen mit Geldscheinen ab: Wenn sie nicht zu uns kommen, haben wir es vermasselt.“ Bei Frey habe man zwar Respekt vor dem Projekt in Selb, „aber keine Angst, weil wir an unsere eigenen Mitarbeiter glauben“.

Hintergrund:

Auch in der virtuellen Welt ist Frey vertreten: „Wir führen ein digitales Schaufenster – nennen es jedoch bewusst nicht Online-Shop“, erklärte Geschäftsführer Helmut Hagner. Per Computer sei jederzeit abrufbar, welche Marken, Artikel und Größen an welchem Standort vorhanden seien. „Wir sind digital präsent, doch der Frey-Fokus liegt auf Kunden, Gästen und Mitarbeitern – also auf den Menschen.“ (fph)

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