27.01.2019 - 17:30 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Klinikum hilft verletztem Nigerianer

Peter Emonyon verletzt sich bei seiner Flucht schwer. In der Marktredwitzer Unfallchirurgie sind drei Operationen nötig.

Peter Emonyon und Dr. Philip Koehl freuen sich, dass die Operationen bisher so gut verlaufen sind.
von Autor FPHProfil

Peter Emonyon lebt seit fast zwei Jahren im Fichtelgebirge. Auf seiner Flucht aus Nigeria hatte er sich bei einem Autounfall einen Oberschenkelbruch zugezogen, der unoperiert zu einer schweren Fehlstellung des Beines führte. Hilfe fand der Mann in der Marktredwitzer Unfallchirurgie. Darüber informiert das Klinikum Fichtelgebirge. "Als sich Peter Emonyon Anfang Oktober bei uns vorstellte zeigte sich das Bein schwer deformiert. Ohne Operation kam es zu einer erheblichen Beinlängenverkürzung von sieben Zentimetern und einer Fehlstellung des Beines in allen Ebenen", erläuterte Dr. Philipp Koehl. Der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Hand-, Fuss- und Wiederherstellungschirurgie operierte den 41-jährigen inzwischen bereits drei Mal. "Derartig ausgeprägte Befunde bedürfen einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung", erklärte Koehl.

Die Wiederherstellungschirurgie ist ein fester Bestandteil der Unfallchirurgie. Hier gilt es auch, die Folgen schlecht oder falsch verheilter Verletzungen und Brüche zu korrigieren, heißt es in der Mitteilung. Im Fall von Peter Emonyon wurde die Korrektur vorher am Computer dreidimensional geplant und die entsprechenden Schritte bereits im Vorfeld simuliert. In der ersten Operation wurde das Bein erneut gebrochen, in der Achse korrigiert und ein äußeres Gestell angebracht, mit dessen Hilfe das Bein über viele Wochen um einen Millimeter pro Tag verlängert wurde. In der zweiten Operation wurde der Seitversatz des Knochens korrigiert und vor zwei Wochen wurde schließlich der Oberschenkel mit einem speziellen Oberschenkelnagel versorgt. "Nun kann unser Patient bereits wieder mit halbem Körpergewicht belasten", freut sich Dr. Koehl über den bislang komplikationslosen Verlauf. "In Libyen wäre die dringend nötige Operation schlicht unmöglich gewesen", erklärt Peter Emonyon den Grund für den späten Eingriff. Nun freue er sich aber über sein gerades und gleich langes Bein und darüber, wieder richtig gehen zu können. "Am meisten schmerzt noch die Stelle am Becken, wo mir Knochen entnommen wurde", sagt Emonyon. Die vollständige Heilung werde noch einige Zeit dauern.

Auf der "zentralen Mittelmeerroute" von Libyen nach Italien würden Nigerianer inzwischen die größte Gruppe afrikanischer Migranten stellen. Die Probleme, die sie aus ihrer Heimat vertreiben würden, seien zahlreich. Das ölreiche Nigeria sei zwar nach Südafrika die zweitgrößte Volkswirtschaft auf dem Kontinent. Bei den meisten der fast 200 Millionen Einwohner komme vom Wohlstand aber nichts an. Den UN zufolge brauchen im Norden des Landes mehr als fünf Millionen Menschen Nahrungshilfe. Doch Armut sei nur eine Fluchtursache.

Im Norden wütet seit Jahren die Islamisten-Miliz "Boko Haram". Immer wieder erlangten die Dschihadisten Kontrolle über ganze Landstriche, entführten und ermordeten Zivilisten. Die Regierung schlage regelmäßig mit aller Härte zurück - und nehme ebenfalls wenig Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Auf das Konto von Polizei und Militär würden außerdem unzählige Fälle von willkürlichen Verhaftungen, Folter und Morden gehen, heißt es bei Amnesty International.

Peter Emonyon wünscht sich, dass seine Partnerin und die drei Kindern ebenfalls nach Deutschland kommen dürfen. Erwin Krug vom Unterstützerkreis "Haus am Park" in Selb unterstützt ihn bei seinen Behördengängen für ein dauerhaftes Bleiberecht, denn derzeit droht ihm die Abschiebung. Das persönliche Schicksal des Nigerianers blieb Koehl nicht verborgen: "Ich hoffe, unser Patient kann bald in eine bessere Zukunft blicken. "

Mit einem Distraktionsfixateur kann das Bein sukzessive verlängert und in allen Ebenen korrigiert werden.
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