13.10.2021 - 15:30 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Literarisches Cafè Marktredwitz und Autor Wolfgang Sréter auf einer Reise nach Karlsbad

Der heute in München lebende Autor Wolfgang Sréter stellte im Literarischen Café Marktredwitz sein 2018 erschienenes Buch "Milenas Erben" vor. Mitgebracht hatte er auch einige Exemplare, um sie nach dem Kauf zu signieren.
von Werner RoblProfil

Bereits vor einem Jahr bedauerte die Leiterin des Literarischen Cafés, Rowitha Budow, dass sie nicht versprechen könne, ob der damals begonnene Veranstaltungsreigen – ein Angebot der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Wunsiedel und der Ackermanngemeinde in München – fortgeführt und abgeschlossen werden könne. Tatsächlich sollte es der erste in dieser zurückliegenden Saison, aber auch der vorerst letzte Termin sein.

„Wir wagen einen Neustart“, betonte Budow vor rund zwei Wochen gegenüber Oberpfalz-Medien. Wiedereröffnet wurde das Literarische Café nun im geräumigen Saal des Egerland-Kulturhauses. Unterstützt wurde Leiterin Roswitha Budow vom Geschäftsführenden Bildungsreferenten der KEB im Landkreis Wunsiedel, Johannes Geiger.

„Ich wollte bereits im vorigen Jahr auftreten, um meinen Roman Milenas Erben vorzustellen“, betonte der heute in München lebende 75-jährige Romanschriftsteller, Wolfgang Sréter, mit Passauer Wurzeln. „Jetzt bin ich endlich da." Er stamme aus einer deutsch-ungarischen Familie, warf Roswitha Budow einen einleitenden Blick auf Sréters Vita. Der Volkswirtschaftler und Soziologie wurde in Fachkreisen auch als Dozent für Kulturmanagement bekannt. Einen Namen machte sich der Schriftsteller zudem auch mit Erzählungen, Kurzgeschichten und Bühnenstücken.

„Mein Werk ist ein Stück Zeitgeschichte“, beschrieb der Buchautor die 168 Roman-Seiten. Der Autor entführt seine Leser nach Karlsbad im Jahr 1991. Es ist die Zeit der Rückführung von Eigentum (Restitution), die nach der Wende viele - so Sréter - "Glücksritter" in die damalige Tschechoslowakei lockte. In Karlsbad lernt man neben Alice auch die weiteren Protagonisten Georg, Josua, Charlotte, Thomas und Ingrid kennen. Auf sie warten eine Trauerfeier und das von einem Notar angekündigte Hotel-Erbe einer Tante – Milena – die sie weder kennen, geschweige denn je gesehen haben. Um welches, in den Augen der handelnden Personen, schillerndes Hotel es sich dabei handelt? Niemand weiß es. Alte Familienzwistigkeiten werden hervorgekramt. Beflügelt werden die Spannungen von Befindlichkeiten, unerfüllten Träumen und unterschiedlichen Weltanschauen.

„Vielleicht kennen sie Karlsbad oder Karlovy Vary, wie die Stadt heute heißt, besser als ich", legte Sréter eine Lesepause ein, um einen vorbereiteten Bilderreigen - Karlsbad gestern und Karlovy Vary heute - anzukündigen. Humorvoll ließ er auch sein dafür gewähltes Motto anklingen: „Der Geldbeutel der Kranken verlängert die Heilung.“ Zweifellos weckte der Bilderbogen das Interesse auf weitere Kapitel. „Der milde Glanz des 19. Jahrhunderts fällt auf alle“, beleuchtete er, bevor er sich wieder Tante Milena und ihren Erben widmete, das Flair der Kurstadt.

Sréter zitierte an anderer Stelle eine damalige Patientin, die in der Blütezeit des Kurbetriebes, dort Erholung suchte. Lange bevor der Eiserne Vorhang herunterfiel soll sie gesagt haben: „Trotz der Bäder geht es mir langsam wieder besser.“ Der gedankliche Spaziergang führte an die Stara Louca und an die dort bereitgestellten Café-Stühle und Tische, an denen man sich Schaumrollen oder ein Stück Sachertorte – „natürlich mit viel Schlagobers“ – vor dem geistigen Auge servieren ließ. Weit zurückblickend begegnete man im Literarischen Café auch Goethes unerfüllter Liebe, Ulrike von Levezow. „Wenn man Glück hat, dann sitzt einem der brave Soldat Schwejk gegenüber und erzählt“, scherzte Sréter.

Die goldenen Kuppeln der Orthodoxen Kirche „Sankt Peter und Paul“ und den gedanklichen Spaziergang durch Karlsbad hinter sich lassend, blätterte der Autor ein paar Buchseiten weiter, um kurze Inhalte seines Romans zu verraten. Den Verlauf der Testamentseröffnung klammerte Sréter aus. „Wenn Sie wissen wollen, wie die Erzählung ausgeht, müssen Sie das Buch kaufen.“

 

 

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