Marktredwitz
23.12.2022 - 16:47 Uhr
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Marktredwitzer Firma AWK hält alles fest unter Verschluss

Es ist kein Geheimnis, was das Marktredwitzer Unternehmen AWK macht – auch wenn es nicht viele wissen. Die Firma ist einer der Marktführer in Sachen Schraubverschluss.

Michael Lottner (links) arbeitet gerade Rainer Gräf ein. Der Poppenreuther übernimmt ab 1. Januar die Geschäftsführung von AWK-Verschlüsse in Marktredwitz. Bild: Gerd Pöhlmann/fph
Michael Lottner (links) arbeitet gerade Rainer Gräf ein. Der Poppenreuther übernimmt ab 1. Januar die Geschäftsführung von AWK-Verschlüsse in Marktredwitz.

Von Gerd Pöhlmann

Schon mal genau hingehört? Weinflaschen ploppen immer weniger. Meist knackt und knirscht es beim Öffnen. Das Geheimnis ist eine Verschlusssache: Alukapseln statt Korken. Schraubverschlüsse gehören sicher zu den Dingen, die man täglich mehrfach in der Hand hat, ohne ihnen große Aufmerksamkeit zu schenken. Sie werden aufgeschraubt und zugedreht, vielleicht achtlos in den Müll geworfen. Und genau auf dieses kleine unscheinbare Cent-Produkt hat sich das Marktredwitzer Unternehmen AWK-Verschlüsse spezialisiert.

1989 gegründet, hat sich AWK-Verschlüsse in diesen 33 Jahren nicht nur behauptet, sondern zu einem der Marktführer in Sachen Aluminiumverschlüsse entwickelt. Rund 40 Mitarbeiter produzieren in zwei Schichten in den Hallen an der Thölauer Straße täglich aus tiefziehfähigem Spezialaluminium Millionen Anrollverschlüsse. Die heißen so, weil sie beim Verschließen auf das Gewinde der Flasche angerollt werden und dabei erst ihr Gewinde erhalten. Zugute kommt der Belegschaft der Trend hin zur wiederverwertbaren Glasflasche.

Umsatz verdoppelt

„Seit 2016 haben wir unseren Umsatz verdoppelt, und 2020 haben wir erstmals die Marke von einer Milliarde produzierten Verschlüssen überschritten“, sagt Michael Lottner, scheidender AWK-Geschäftsführer. Sieben Jahre leitete er die Geschicke des Marktredwitzer Unternehmens – jetzt steht für ihn eine Veränderung aus privaten Gründen an. Er tritt demnächst heimatnah eine Stelle an und muss nicht mehr täglich von Pfreimd aus in die Arbeit pendeln. Momentan arbeitet Lottner seinen Nachfolger Rainer Gräf ein. Der 56-Jährige aus Poppenreuth wird ab 1. Januar neuer Geschäftsführer von AWK-Verschlüsse.

Der Markt entwickle sich positiv, sagt Gesellschafter Dr. André Rauch. Weil Verbraucher verstärkt auf Qualität achteten, seien wieder mehr Glasflaschen im Umlauf. „Jeder Brunnen hat seine Glasflaschen aufleben lassen. Hier kommt AWK ins Spiel“, sagt Rauch. „Der Betrieb ist gut aufgestellt. Er ist seit Jahren stetig gewachsen und aktuell voll ausgelastet.“ Dementsprechend wird es eine der ersten Aufgaben des neuen Geschäftsführers sein, Fachkräfte zu finden. „Wir suchen Mitarbeiter“, sagt Gräf.

Wer nun denkt, Schraubverschluss ist Schraubverschluss, der ist schief gewickelt. Es gibt sie in verschiedenen Größen, verschieden lang, gasdicht und entlüftend, mit PVC-haltiger und PVC-freier Dichtung. Manche Verschlüsse eignen sich für Getränkeautomaten, andere für Heißabfüllungen, einige haben einen integrierten Ausgießer, Sicherungsringe, Senkrechtkerben, Deckelritzung, und, und, und. „Der Kunde sagt uns, in welche Flasche er was abfüllt, und wir sagen ihm, welchen Verschluss er braucht“, erklärt Lottner.

Hochgeschwindigkeitskameras

Schwerpunkt des Sortiments bilden gasdichte Aluverschlüsse. Sie finden sich auf Limonaden- und Mineralwasserflaschen, halten aber auch Bier, Wein, Sekt sowie Milch- und Milchmixgetränke frisch. „In Europa kommt jeder Milch- oder Kakaoverschluss aus Alu von AWK“, sagt Michael Lottner. Topvent-Verschlüsse lassen Gas entweichen und verhindern so ein Bersten der Flaschen. Obwohl die Produktion laufend automatisch mit Hochgeschwindigkeitskameras auf Sauberkeit, Form und andere Parameter überwacht wird, prüfen auch die Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen die Verschlüsse im Labor: Wie lassen sich die Verschlüsse anrollen, ab welchem Druck entlassen sie Gas, wie schwer lassen sie sich öffnen?

Zu den bekanntesten Kunden der Marktredwitzer dürfte das Haus Rabenhorst mit seinem „Rotbäckchen“-Saft gehören. Aber auch Libella, Spezi, Oettinger und andere Abfüller oder Pharmaunternehmen vertrauen auf AWK-Verschlüsse. Selbstredend auch die Destillerie Dr. Rauch, die in direkter Nachbarschaft Spirituosen herstellt. „Rauch war immer ein Abnehmer, klar. Aber alleine davon hätte AWK nicht überleben können“, sagt André Rauch. 75 Prozent der in Marktredwitz produzierten Verschlüsse gehen an Abnehmer aus Europa, mit dem Löwenanteil werden Flaschen in Deutschland verschlossen. „Wir haben aber auch Kunden in Costa Rica und Ägypten“, sagt Lottner. „Wir sind weltweit unterwegs.“

Bis zu 100 Millionen Verschlüsse

Wobei AWK flexibel auf Kundenanfragen reagieren kann. Von 5000 Verschlüssen im Jahr bis zu 100 Millionen reicht die Spanne, die die Kunden abnehmen. Größere Aufträge könnte das Unternehmen zwar bedienen, „das ist aber nicht unser Geschäftsgebaren“, erklärt der Noch-Geschäftsführer. Zu groß sei die Gefahr, dass dann einzelne Kunden die Preise diktierten und die Firma sich in eine Abhängigkeit begebe.

AWK ist übrigens die Abkürzung für „Aluminium, Weißblech und Kunststoff“. André Rauch erklärt: „Die Firmengründer hatten wohl mehr vor.“ Aber AWK fertigt weder Kronkorken aus Weißblech noch Kunststoffverschlüsse und hat mit der Spezialisierung auf Alu offensichtlich alles richtig gemacht.

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