Marktredwitz
02.04.2026 - 10:42 Uhr

Marktredwitzer Turnhallen weichen moderner Freiraum-Arena

Rote Karte für die beiden Jahn-Turnhallen: Generationen von Schülern haben hier Sport getrieben, jetzt werden die Turnhallen im Marktredwitzer Schulzentrum abgerissen. Eine Ersatzsportstätte steht in den Startlöchern.

Von Torsten Ernstberger

Peter Berek blickt an die Hallendecke, zeigt auf Rädchen und Befestigungen: "Dort waren an Seilen die Ringe angebracht, konnten rauf und runter gelassen werden." Sofort kommen im Wunsiedler Landrat Erinnerungen hoch. An seine eigene Schulzeit am Marktredwitzer Otto-Hahn-Gymnasium (OHG), an Sportlehrer Heinz Dreher. Topfit hatte dieser einst die Übungen vorgemacht, die für den jungen Peter Berek "unmöglich nachzumachen" waren.

"Ach, da hinten die ausfahrbaren Kletterstangen", sagt Berek und zieht die Augenbrauen etwas hoch. Sie gehörten wohl auch nicht zu seinen Lieblingssportgeräten. "Aber es waren viele tolle Sportstunden in diesen altehrwürdigen und sehr viel genutzten Jahn-Turnhallen", fasst der wiedergewählte Landrat ein wenig wehmütig zusammen.

Doch weitere Erinnerungen werden in den Zwillingsturnhallen im Schulzentrum in der Schulstraße nicht mehr gesammelt. Sie werden platt gemacht, der Abriss hat am Mittwoch (1. April) bereits begonnen. Denn bei der kleinen "Abrissparty" am Dienstagabend mit Vertretern der Schulen, des Landratsamtes, der beteiligten Firmen, der Stadt Marktredwitz und des Kreistag-Bauausschusses wird klar: Die 1963 gebauten Sporthallen sind mehr als nur angeschlagen, haben ihre besten Zeiten lange hinter sich. Und - um im Sport-Jargon zu bleiben - würden keine Nachspielzeit mehr durchhalten, müssen also das Handtuch werfen.

Im Konjunktiv ins Gefängnis

Bereits im Jahr 2013 hatte ein Gutachten den Hallen ernüchternde Noten ausgestellt: kein Restnutzungspotenzial, erhebliche Mängel, keine Zukunftsperspektive. OHG-Schulleiter Stefan Niedermeier verdeutlicht: "Mir wurde 2017 von einem Evaluationsteam gesagt, dass ich wahrscheinlich ins Gefängnis komme, wenn ich diese Halle nicht sofort schließen würde. Schließlich könne hier so viel passieren. Gott sei Dank ist es im Konjunktiv geblieben, und es nichts passiert." Jetzt, da die Hallen abgerissen werden, kommt bei Niedermeier aus einem weiteren Grund keine sentimentale Stimmung auf. "Gehen Sie nur mal in die Sanitäranlagen, dann ist es vorbei mit Wehmut", rät er den Anwesenden.

Und in der Tat: Duschen will man dort nicht. Das wird um so deutlicher, da die Jahn-Turnhallen in den vergangenen Tagen leer geräumt worden sind. Nach den letzten Sportstunden am vergangenen Freitag ist alles mitgenommen worden, was noch irgendwie nutzbar ist. Was geblieben ist: dreckige Duschwannen, Flecken an Wänden, unebene Böden in den Abstellräumen, wenig einladende Umkleidekabinen, aus energetischer Sicht mangelhafte Außenwände aus Glasbausteinen - kurzum: zwei abgenutzte Hallen, die den heutigen Standards nicht mehr gerecht werden können.

Was neu ist: ein Gerüst und ein Bauzaun im Außenbereich. Denn die Verantwortlichen wollen die Osterferien ausgiebig nutzen. "Als Erstes wird das Dach zurückgebaut. Hier ist asbesthaltiges Material verbaut, das wir bewusst entfernen, wenn im Schulzentrum nichts los ist", sagt Andreas Stäudel, im Landratsamt zuständig für Hochbaumaßnahmen. Danach werde das Gebäude entkernt und dann komplett abgerissen. In zehn bis zwölf Wochen sollen die beiden Hallen komplett verschwunden sein.

12 Millionen Euro

Und was passiert auf dem dann frei gewordenen Gelände? Die Antwort gibt Peter Berek: "Erstmal wird eine Baustellenzufahrt für die bevorstehende Sanierung des Gymnasiums eingerichtet, sodass Schüler und Bauarbeiter möglichst wenig Berührungspunkte haben." Ist die Baumaßnahme am OHG beendet, werde die neu entstandene Freifläche im Schulzentrum begrünt.

Sorgen, dass die Schul- und Vereinssportler keine Trainingsmöglichkeiten mehr haben, muss man sich aber nicht machen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, wissen die Verantwortlichen und sind deshalb am Ball geblieben. Der Ersatz für die Jahn-Turnhallen steht mit der Freiraum-Arena in den Startlöchern. So heißt die neue Dreifachturnhalle, die in direkter Nachbarschaft entstanden ist.

"Es ist eine Sportstätte mit Top-Qualität", verspricht Berek. Der Landkreis hat mit dem Neubau eine zukunftsfähige Sportinfrastruktur geschaffen, die modernen pädagogischen, sportlichen und energetischen Anforderungen vollständig gerecht wird. Und das hat einiges gekostet: Die Investitionssumme beträgt etwa zwölf Millionen Euro.

"Hoffentlich zeitnah"

Nach Wunsch aller Beteiligten soll die Freiraum-Arena mit Ende der Osterferien nutzbar sein. Doch so richtig auf ein Datum festlegen will sich am Dienstagabend niemand. Die Begriffe "bald" und "hoffentlich zeitnah" fallen immer wieder in den Aussagen, in denen der Optimismus klar überwiegt. "Wir sind noch am Arbeiten, aber alle Zeichen stehen so, dass die neue Halle nach Ostern fertig sein wird", hält sich auch Andreas Stäudel ein Hintertürchen offen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten, dass man bei Baumaßnahmen nie vor Überraschungen gefeit sei.

Und jeder Sportler weiß: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, Bauprojekte haben eben ihre eigenen Gesetze. So heißt es jetzt: Daumen drücken, dass die Osterpause für die Schul- und Vereinssportler nicht ungeplant in die Verlängerung geht.

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