22.04.2019 - 13:01 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Ein neues Heim für „Fichteltypen“

Der Kulturraum im Markt ist offiziell eröffnet. Die Bevölkerung ist zum Entdecken der eigenen gegenwärtigen Kultur eingeladen. Mitmachen ist das Wichtigste.

Eröffnung des Kulturraums in Marktredwitz: hinten von links Horst Decker, Sina Hamzaoui, Stefan Frank, Sabine Zehentmeier-Lang, Christine Lauterbach, Petra Burger und Susanne Menzel; vorne von links Landrat Karl Döhler, Diana Nitzschke und Oberbürgermeister Oliver Weigel.

Schon seit Juli 2018 spürt das Projekt „Wer sind wir? Kulturelle Diversität in der Region(algeschichte)“ der gesellschaftlichen und kulturellen Vielfalt im Fichtelgebirge nach. Nun nimmt das Projekt Fahrt auf. Seit 1. April lädt das Projekt in Marktredwitz im Markt 31 zum Entdecken und Nachspüren der eigenen gegenwärtigen Kultur ein.

Das Projekt vereine zwei große Bereiche, sagte Leiterin Diana Nitzschke bei der Eröffnung: „Einerseits gibt es Aktionen und Ausstellungen, andererseits entsteht ein ,Museum der Zukunft’.“ Es gebe Ferienaktionen für Kinder, Aktionen mit dem Club Italiano, der evangelischen Kirche, „MAKmit“ und dem Projekt Regioident; außerdem komme das Juku-Mobil mit Stefan Frank mehrmals vorbei. Fünf Erzählcafés soll es geben, bei denen alte Ansichten auf Postkarten Ausgangspunkt für ein Schwelgen in Erinnerungen sein werden. Auch seien Stadt-Exkursionen mit Kindertagesstätten und Schulen geplant.

Ausgestellt werden Ebru-Kunst von Gülsefa Vural, Malerei von Marion Lucka, Filzkunst und Upcyclingkunst von Silvia De Moree, Magnetbilder, Malerei und Zeichnungen von Marianne Bauer sowie Glasmalerei von Angela Schmidt. Darüber hinaus freut sich Diana Nitzschke über Vereine und alle Interessierten, die aktiv mitwirken möchten. „Sie können gerne den Kulturraum für eigene Aktionen nutzen, sich präsentieren und ihn mit Leben füllen.“

Überhaupt sei Mitmachen das Wichtigste. Schließlich soll es im Kulturraum um die Kultur der Bevölkerung in der Region gehen: Was sehen wir als bedeutend an? Was sollen die Menschen späterer Generationen über uns erfahren? Dazu liegen Karten aus, auf denen man Anregungen aufschreiben kann. Im Schaufenster stehen Puppen, die man mit eigener Kleidung ausstatten kann, so dass eigene „Fichteltypen“ entstehen.

Das „Museum der Zukunft“ entsteht im Laufe der Projektzeit. Es soll die Schätze präsentieren, die unsere Gegenwart abbilden und unbedingt in einem Museum in 100 Jahren zu sehen sein sollten.

Landrat Karl Döhler hatte zur Eröffnung für das Museum das Landkreisbuch zur aktuellen Situation der Region mitgebracht und – aus privatem Bestand – einen der ersten MP3-Player. Er sagte, er hoffe, dass sich viele Menschen im Kulturraum treffen mögen, und verglich ihn mit dem „Milchbänkl“ aus seiner Kindheit, an dem sich die Bauern regelmäßig trafen und, während sie auf das Milchauto warteten, miteinander ins Gespräch kamen. „Das war der Ort für die persönliche Kommunikation, der heute einfach fehlt. Deshalb ist es gut, dass hier ein lebendiger Kulturraum entsteht.“

Oberbürgermeister Oliver Weigel ist schon aufgefallen, dass das ehemalige Schuhgeschäft die Aufmerksamkeit der Passanten erregt. „Das hat neugierig gemacht, jetzt werden die Menschen auch hereinkommen.“ Er hatte für das Museum das T-Shirt der Stadt zur 200-jährigen Zugehörigkeit zu Bayern dabei, außerdem Schal und Mütze.

„Das Projekt lebt vom Miteinander“, betonte Sabine Zehentmeier-Lang, die Leiterin der Fichtelgebirgsmuseen. Daher wirken an dem Projekt auch viele Partner mit: Über den Förderverein Fichtelgebirge ist das Projekt in das Programm der „Sommerlounge 2019“ in Rehau eingebunden. Mit der LAG Fichtelgebirge innovativ gelang der Brückenschlag nach Tschechien: Mit dem Stadtmuseum Franzensbad gab es den Workshop „Wer sind wir? Werkstatt zum kulturellen Austausch“. Mit der AWO werden Wohnzimmer von Migranten besucht, um Willkommensbräuche und Lebensrealitäten zu erfahren. Die Universität Bayreuth schickt Studierende mit Schülern der zehnten Klassen des Luisenburg-Gymnasiums Wunsiedel auf Spurensuche nach Identität(en). Das Bürgerforum Wunsiedel hilft dem Fichtelgebirgsmuseum, in die Innenstadt zu wirken. Gemeinsam soll eine Kultur-Achse geschaffen werden. Die Künstlerkolonie Fichtelgebirge erfragt, wie Kreative die Region sehen und präsentiert sie in Bad Berneck. Der Bereich Offene Behindertenarbeit – Familienentlastender Dienst der Lebenshilfe veranstaltet mit dem Museum ein öffentliches Inklusions-Café. Auch der Fichtelgebirgsverein wird sich beteiligen.

Sina Hamzaoui vom Landratsamt betreut das Projekt neben Diana Nitzschke vor Ort. Ihr ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche einbezogen werden: „Was heißt es, im Jahr 2019 zu leben? Was bedeutet es, wenn wir von den 80er Jahren sprechen? Dafür sollten wir die nachfolgende Generation sensibilisieren.“

Das Projekt hat das gesamte Fichtelgebirge im Blick. Deshalb wandert es im August nach Rehau, im September nach Bad Berneck und im November nach Wunsiedel. Dort werden alle Aspekte in der Vision „Kulturraum Fichtelgebirge 4.0“ zusammengefasst.

Kurz notiert:

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr sowie bei Festen und nach Vereinbarung. Am 23. und 25. April, 14 bis 16 Uhr, Ferienaktion für Kinder und Familien. 23. bis 28. April Ausstellung Ebru-Kunst. 24. April, 14 Uhr, Erzählcafé. 28. April Walpurgismarkt, Ebru-Kunst zum Ausprobieren.

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