08.06.2020 - 11:35 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Qualität statt Fließbandarbeit

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Seit mehr als zehn Jahren betreiben Matthias Siller und Martin Zeitlhofer in Marktredwitz den Schlachthof. Regelmäßig dabei: eine Amtstierärztin und ein Fleischbeschauer.

Die Metzgermeister Matthias Siller (links) und Martin Zeitlhofer mit einem geschlachteten Bullen im Schlachthof.
von Oswald ZintlProfil

Die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen von Mitarbeitern in großen Schlachthöfen sind in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten. Dass es auch anders geht, dafür stehen die Betreiber des Schlachthofs in Marktredwitz. Martin Zeitlhofer (Marktredwitz) und Matthias Siller (Mitterteich) haben den städtischen Schlachthof 2009 erworben, entsprechend den Vorschriften modernisiert und dafür die EU-Zulassung erhalten.

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Metzgermeister Martin Zeitlhofer betonte damals bei der Wiedereröffnung, dass man die durchaus schwierige wirtschaftliche Lage nicht schlechter reden sollte, als sie tatsächlich sei: "Die Metzgereien und hier speziell die handwerklich arbeitenden Metzgereien sind nach wie vor ein wichtiger Stützpfeiler in unserem Wirtschaftsgefüge."

Kurze Transportwege

Und wie sieht die Situation heute aus? Die Vorschriften zum Thema Tierschutz und schonende Schlachtung wurden immer wieder verschärft und von den Betreibern eins zu eins umgesetzt, wie sie versichern. "Wir bekommen annähernd täglich neue Informationen vom Berufsverband und der Innung, die wir zu beachten haben", erklärt Matthias Siller. Zudem sind an jedem Schlachttag eine Amtstierärztin und ein Fleischbeschauer vor Ort. "Bei uns fängt Schlachten bereits im Stall an", sagt Matthias Siller und verweist darauf, dass die Tiere nur von heimischen Bauern bezogen würden und auf kurzen Transportwegen ohne Stress zum Schlachthof kämen. Außerdem gebe es keine Fließband- und Akkordarbeit. Im Schlachthof sind fünf Fachkräfte, allesamt gelernte Metzger, am Werk.

Martin Zeitlhofer macht deutlich: "Uns ist es wichtig, den Schlachthof langfristig zu erhalten, um die regionale Versorgung mit frischem Fleisch zu gewährleisten. Wir stehen für Tierschutz, Einhaltung der Hygienevorschriften und fachliche Kompetenz." Insgesamt nutzen derzeit zehn Metzgereien aus den Landkreisen Wunsiedel und Tirschenreuth den Schlachtservice in Marktredwitz.

Uns ist es wichtig, den Schlachthof langfristig zu erhalten, um die regionale Versorgung mit frischem Fleisch zu gewährleisten.

Martin Zeitlhofer

Allerdings sind in den zurückliegenden drei Jahren die Schlachtzahlen um ein Drittel zurückgegangen. Gründe dafür seien Geschäftsaufgaben kleinerer Metzgereien sowie die oftmals nicht nachvollziehbaren Angebotspreise der großen Handelsketten.

Ein Trend, der hoffen lässt

Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen vor dem Metzgerhandwerk nicht halt. "Die Menschen haben zu Beginn der Krise nicht nur Klopapier gehortet, sondern auch mit Billigangeboten die Kühltruhen gefüllt. Außerdem sind viele Kundenbeziehungen mit Gaststätten derzeit auf Eis und bringen keine Umsätze", berichtet Matthias Siller aus eigener Erfahrung. Positive Ansätze sieht Martin Zeitlhofer in seinen Geschäften durch die Schließung der Gaststätten: "Wir haben festgestellt, dass viele Menschen wieder das eigene Kochen entdeckt haben. Ein Trend, der auch für die Zukunft hoffen lässt."

Die beiden Metzgermeister wünschen sich, dass die "große Politik" aus den Vorkommnissen in den großen Schlachtbetrieben die richtigen Schlüsse zieht, damit Lohndumping keine Zukunft hat und normale Arbeitsbedingungen, die auch das Tierwohl berücksichtigen, wieder zur Regel werden.

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