Marktredwitz
04.11.2018 - 13:19 Uhr

Tabuthema offen diskutiert

Im Klinikum Fichtelgebirge diskutieren Experten über Organspenden. Kern der Debatte ist der umstrittene Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn.

Über das Thema Organspende diskutieren im Klinikum (von links) Rechtsanwalt Franz Tuscher, Chefarzt und transplantationsbeauftragter Arzt Michael Paland, Peggy Kuniss-Pfeiffer, Xaver Franz von der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Matthias Schnurrer und die Klinikseelsorgerinnen Heloisa Gralow Dalfert und Doris Schirmer-Henzler. Bild: exb
Über das Thema Organspende diskutieren im Klinikum (von links) Rechtsanwalt Franz Tuscher, Chefarzt und transplantationsbeauftragter Arzt Michael Paland, Peggy Kuniss-Pfeiffer, Xaver Franz von der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Matthias Schnurrer und die Klinikseelsorgerinnen Heloisa Gralow Dalfert und Doris Schirmer-Henzler.

Herz, Lunge oder Niere spenden: Dafür musste sich bisher jeder Bürger in Deutschland aktiv entscheiden. Gesundheitsminister Jens Spahn will das schnellstmöglich ändern. Sein Vorschlag: Jeder ist ein Organspender, solange er nicht ausdrücklich widerspricht. Doch dagegen gibt es Einwände – rechtliche und ethische.

Michael Paland, transplantationsbeauftragter Arzt am Klinikum Fichtelgebirge, lud daher zu einem Diskussionsabend ins Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz ein.

Nach einem Einführungsvortrag zum Thema, der den Ablauf einer Organentnahme beschrieb und schon einige offene Fragen beantwortete, holte er das Podium mit dazu. In der Runde saßen Vertreterinnen der evangelischen Kirche, Pfarrerin Heloisa Gralow Dalfert und Doris Schirmer-Henzler, die beide auch als Klinikseelsorgerinnen arbeiten. Die rechtliche Sicht präsentierte Rechtsanwalt Franz Tuscher. Xaver Bayer von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) konnte viel Fachwissen aus seiner beruflichen Praxis beisteuern. Aus Sicht der Betroffenen sprach Matthias Schnurrer; er hatte vor zehn Jahren eine Spenderlunge bekommen. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von der Pressesprecherin des Klinikums, Peggy Kuniss-Pfeiffer.

Die ersten Fragen richteten sich an Xaver Bayer, der den Prozess der Organentnahme ausführlich erklärte, das Betreuungsangebot der DSO vorstellte und auch das Prozedere hinter der Vergabe geduldig erklärte.

Die Pfarrerinnen Dalferth und Schirmer-Henzler legten die Sichtweise der evangelischen Kirche dar. Die Kirchen wollten auch weiterhin die Bereitschaft zur Organspende wecken und stärken. Eine christliche Verpflichtung zur Organspende gebe es jedoch nicht. Auch die Ablehnung einer Spende sei zu respektieren. Pfarrerin Dalferth betonte, dass der Tod weiterhin ein sehr großes Tabuthema sei.

Matthias Schnurrer, frühberenteter Lehrer aus Marktredwitz, erzählte von seinen Erfahrungen aus der Wartezeit auf ein Organ und wie es sich anfühlt, auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein und wie schnell es aufgrund einer akuten Erkrankung notwendig sein kann.

Rechtsanwalt Franz Tuscher war ebenfalls oft gefragt und diskutierte mit den Zuhörern, ob die neue Regelung, so sie denn kommt, nun gewissermaßen eine „Abgabepflicht“ bedeutet und ab wann Kinder und Jugendliche mündig sind, einen Organspendeausweis auszufüllen. Doch auch hier ist wenig Spielraum für Interpretation. Bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr entscheiden die Eltern über die Zustimmung oder Ablehnung zur Organ- und Gewebespende. Ab dem 14. Geburtstag können Jugendliche einer Organentnahme selbst widersprechen und ab 16 können sie entscheiden, ob sie zustimmen oder eine Entnahme ablehnen.

Peggy Kuniss-Pfeiffer hoffte mit Blick auf die Diskussion, "dass wir heute ermutigen konnten, sich zu entscheiden“. Michael Paland ergänzte: "Ob dafür oder dagegen. Eine klare Entscheidung macht es für die Angehörigen leichter.“

 
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