Marktredwitz
26.09.2022 - 14:47 Uhr
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Unterversorgung trotz neuer Hautarztpraxis

Es ist ein Nullsummenspiel: Zwar gibt es für Kassenpatienten in Marktredwitz seit Kurzem wieder eine neue Hautarztpraxis. Gleichzeitig hat das MVZ des Klinikums aber die Dermatologie mangels Mediziner geschlossen.

Von Alexandra Hautmann

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) hat in Marktredwitz eine eigene Hautarztpraxis gegründet. Weil sie musste. Da sich seit 2020 kein Dermatologe für einen Kassensitz fand, der sich im Fichtelgebirge niederlassen wollte, war die KVB laut gesetzlichem Auftrag zum Handeln gezwungen. Denn die ambulante Versorgung der Bevölkerung mit Allgemein- und Fachärzten muss gesichert sein. Doch das wird immer schwieriger.

Die gute Nachricht ist, seit Ende Juli praktiziert Dr. Michal Sapák als angestellter Arzt in den Räumen der KVB-Praxis im Erdgeschoss des Egerland-Kulturhauses. Sein Arbeitgeber, die Kassenärztliche Vereinigung, ist froh, nach zwei Jahren eine Lösung für den Landkreis Wunsiedel gefunden zu haben. Doch die KVB-Praxis soll nur eine Übergangslösung sein - solange, bis man einen Dermatologen findet, der sich als Selbstständiger niederlässt.

Problem nicht gelöst

Wer aber denkt, mit der Neugründung wäre das Problem der Unterversorgung im Bereich der Hautärzte im Landkreis gelöst, täuscht sich. Seit August ist der Fachbereich Dermatologie des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) des Klinikums unbesetzt. Denn Dr. Hans-Georg Nagel ist aus "gesundheitlichen Gründen zum 31. August aus dem MVZ ausgeschieden", teilt das Klinikum mit. Erst vor gut einem Jahr hatte der damals bereits 65-Jährige Mainzer mit seiner Arbeit im Fichtelgebirge begonnen. Das heißt, obwohl es 2,5 Kassensitze für Hautärzte im Landkreis gibt, ist nur ein einziger besetzt. Die Vorgeschichte: Im Juli 2020 gaben die Dermatologen Dr. Klaus Kilian und Ulrich Begemann ihre Kassensitze in Marktredwitz auf und behandeln seither nur noch Privatversicherte oder Selbstzahler. Warum sich die Ärzte dazu entschlossen haben, erklärten sie damals so: Unter den aktuellen Umständen im Bereich der kassenärztlichen Versorgung könne man "keine vernünftige Medizin mehr machen".

Und mit dem Rückzug der beiden Mediziner aus der Versorgung der Allgemeinbevölkerung stand der Kreis Wunsiedel plötzlich mit 2,5 unausgefüllten Kassensitzen da. So viele Ärzte bräuchte man theoretisch, um die rund 70 000 Menschen in der Region dermatologisch zu versorgen. Der halbe Sitz war im Jahr 2020 allerdings schon länger nicht besetzt. Ein ganzes Jahr mussten die Patienten nach Bayreuth, Hof, Tirschenreuth oder Münchberg zum nächsten Dermatologen fahren. Dann eröffnete das Klinikum Fichtelgebirge im Juli 2021 in seinem MVZ eine dermatologische Abteilung. Dr. Hans-Georg Nagel lässt sich für 30 Wochenstunden dort anstellen. Und praktisch sind 0,75 Sitze der 2,5 Sitze nach einem Jahr Stillstand wieder mit einem Mediziner belegt. Schon damals war klar, dass Nagel wegen seines Alters nur eine kurze Zeitspanne im Fichtelgebirge arbeiten wird. Doch sein Ausscheiden im August 2022 kam plötzlich.

Warum will sich kein Hautarzt im Landkreis Wunsiedel niederlassen? Auf diese Frage hat KVB-Fachreferent Adam Hofstätter keine einfache Antwort. Klar sei, dass die "kleinen Fächer" wie Dermatologie, der HNO-Bereich und die Augenheilkunde überall Problembereiche seien. Grundsätzlich entschieden sich im Vergleich zu früher mehr Ärzte gegen die Selbstständigkeit und für ein Angestelltenverhältnis. Zudem bilde Deutschland einfach zu wenig Mediziner aus, so der Experte. Um gegenzusteuern, versucht die KVB mit speziellen Förderprogrammen, Niederlassungen in unterversorgten Gebieten attraktiver zu machen. Doch all das hat bei der zweijährigen Suche nach einem Hautarzt für das Fichtelgebirge nichts genützt. "Wir haben bundesweit gesucht, über alle Wege, soziale Medien, Fachzeitungen, Verbände und Personaldienstleister." Auch Filialgründungen hätten nicht geklappt. Dann habe man sich entschlossen, selbst eine Praxis zu gründen und einen Arzt anzustellen.

Schwierige Suche nach Räumen

Endlich zeichnet sich auf diesem Weg mit Dr. Sapák eine Lösung ab. Der erfahrene Arzt, ein gebürtiger Slowake, der lange in Niedersachsen gearbeitet hat, kann sich vorstellen, ins Fichtelgebirge zu wechseln. "Aber dann tauchten neue Probleme auf. Es war schwierig, geeignete Räume zu finden", so Hofstätter. In Wunsiedel, Selb und Marktredwitz habe man vergeblich gesucht. Jedes Behandlungszimmer braucht ein Waschbecken, die Räume müssen barrierefrei, die Toiletten rollstuhlgerecht und die Anmeldung muss vom Wartebereich getrennt sein. Doch in Gesprächen mit der Stadt Marktredwitz wird klar, jetzt klappt es. "Nach umfangreichen Umbauarbeiten konnten dank des Engagements der Verantwortlichen der Stadt modernisierte Praxisräumlichkeiten direkt am Egerland-Kulturhaus bezogen werden", teilt die KVB mit.

Aber wie soll es mit der Dermatologie am MVZ des Klinikums weitergehen? "Eine Nachbesetzung ist auf jeden Fall geplant, als Interimslösung auch mit einem Honorararzt", erklärt Peggy Kuniss-Pfeiffer, Pressesprecherin des Klinikums Fichtelgebirge. Ein Honorararzt ist ein Mediziner, der immer wieder für wenige Wochen oder Monate Stellen an verschiedenen Orten übernimmt. Doch auch solche Ärzte sind rar, besonders in der Dermatologie. "Erwartungsgemäß gestaltet sich die Suche grundsätzlich schwierig, wir arbeiten mit Hochdruck an einer Nachfolge", teilt das Klinikum mit.

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