02.12.2020 - 12:19 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Mit viel Herzblut für die Heimatstadt Marktredwitz

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Marktredwitz verabschiedet den Stadtheimatpfleger Karl Bröckl. Seine Nachfolgerin ist Archivarin Edith Kalbskopf. Sie übernimmt das Amt bis 2026.

Wechsel mit Maske: Nach dem Ausscheiden von Stadtheimatpfleger Karl Bröckl (Zweiter von links) ist Edith Kalbskopf zu seiner Nachfolgerin ernannt worden. Oberbürgermeister Oliver Weigel (links) und Kulturamts-Chef Stefan Reichel gratulierten.
von Autor FPHProfil

Man merkt es ihm an, dass er sein Amt gern wahrgenommen und sogar freiwillig um etliche Monate verlängert hat. Karl Bröckl hat in der jüngsten Stadtratssitzung als Stadtheimatpfleger seinen Hut genommen. In seine Fußstapfen tritt Archivarin Edith Kalbskopf.

Eigentlich wäre für Karl Bröckl mit Ablauf der Legislaturperiode Ende April Schluss gewesen. Doch der Zeitpunkt passte dem ehemaligen SPD-Stadtrat nicht ins Konzept, denn da war noch was, was er zu Ende bringen wollte: das Weihnachtskrippen-Wesen in Marktredwitz. Und das ist dem Stadtheimatpfleger, der seit 1. Juli 2005 im Amt war, auch gelungen. Die Krippenkultur wurde in das bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

„Bei der gut 150 Jahre alten Marktredwitzer Krippenkultur sind alljährlich zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag bei etwa 50 Familien großflächige Krippenlandschaften mit Tonfiguren aus heimischen Werkstätten zu sehen. Ein fester Bestandteil des Brauchs ist das Krippenschauen, das gegenseitige Besuchen der Kripperer“, hieß es aus dem Ministerium für Finanzen und Heimat in der Begründung für die Aufnahme. „Die Aufnahme in das bayerische Landesverzeichnis ist ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung des bedeutenden Engagements im Zusammenhang mit der aktiven Pflege und Weitergabe von Traditionen an die kommenden Generationen“, betonte im April Finanz- und Heimatminister Albert Füracker.

„Es war mir eine Herzensangelegenheit, das zu Ende zu bringen“, unterstrich Karl Bröckl bei seiner Verabschiedung in der Stadthalle. Schon im Dezember 2007 habe er die Voraussetzung dafür geschaffen, indem die Krippenfiguren-Sammlung von Karl Schenkl vom Egerland-Museum übernommen wurde. „Zum Teil handelt es sich dabei um einzigartige Krippenfiguren. Und der Leiter des Museums, Volker Dittmar, war sofort einverstanden“, so Bröckl. Nachdem auch der Kulturausschuss seinen Segen dazu gegeben hatte, stand der Weg frei für eine Katalogisierung von 2400 Figuren. „Diese hochwertige Sammlung wurde dem Egerland-Museum als Dauer-Leihgabe überlassen.“

„Es war mir eine Herzensangelegenheit, das zu Ende zu bringen.“

Karl Bröckl über die Aufnahme der Krippenkultur als Kulturerbe

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sei einer der prominentesten Museumsbesucher gewesen, erzählte Karl Bröckl. Im Frühjahr 2021 werde die Krippenkultur auch in das deutsche Verzeichnis aufgenommen, kündigte er an. Damit das erreicht werden konnte, wollte er mit seinem Abschied eben bis jetzt warten.

Bröckl freute sich, dass mit der Stadtarchivarin Edith Kalbskopf eine bestens geeignete Nachfolgerin habe gefunden werden können. „Sie hat einige Vorteile: Sie ist jünger und energiegeladen und durch ihr Amt bestens mit der Geschichte der Stadt vertraut.“ Das Arbeitsfeld reiche vom Brauchtum über den Heimatgedanken bis hin zu Denkmalschutz und Beteiligung am Planungs- und Bauwesen der Kommune. Da allerdings zeigte sich der Stadtheimatpfleger nicht immer einverstanden mit dem, was in der Vergangenheit so gelaufen ist: „Leider sind schon viele Denkmäler in unserer Stadt verloren gegangen.“ Unter anderem zählte Bröckl hier den Kastnerbräu-Saal am Reiserberg auf, der vor Jahrzehnten dem Erdboden gleichgemacht worden ist, außerdem das Schloss in Leutendorf und das jüngste Abriss-Gebäude, das katholische Vereinshaus. „Damit ist wieder ein Stück Bau- und Kulturgeschichte verloren gegangen.“

Aber es gebe auch eine erfreuliche Entwicklung in Marktredwitz. Hier listete Karl Bröckl an vorderster Stelle die komplette Restaurierung des ältesten Wirtshauses, des „Goldenen Löwen“, durch das private Investoren-Paar Stegert auf. Auch die Neugestaltung der alten städtischen Turnhalle zur Stadthalle sei gelungen. Dass man das Brandner Schloss bewahrt hat, lobte er ebenso wie den Ausbau der Glasschleif zu einem „überregionalen Kulturtempel“. Ganz besonders freue er sich, dass die alte Dampfmaschine, die dort in den Kellerräumen ihr Dasein gefristet hat, wieder aufgebaut werden soll.

Es wäre nicht Karl Bröckl, hätte er nicht noch einige Anliegen, ehe er das Szepter aus der Hand gab: „Das Friedensgebet am Alten Rathaus hat am Anwesen Markt 49 ein Gegenstück, das sich in sehr schlechtem Zustand befindet. Es braucht eine fachgerechte Erneuerung, die dem Hausbesitzer nicht zuzumuten ist.“ Außerdem regte er an, die frühere Schriftenreihe in Sachen Heimat neu aufzulegen. Ein weiteres Anliegen ist ihm die intensivere Pflege des Austauschs mit dem tschechischen Eger, „das Marktredwitz 500 Jahre eng verbunden ist“. Die Euregio Egrensis gewähre auch Zuschüsse hierfür. Weiterhin schlug Bröckl die Einberufung eines kulturellen Beirats vor, wobei er sich das Einbeziehen des Historischen Clubs gut vorstellen könne.

Oberbürgermeister Oliver Weigel versicherte, dass Bröckls Arbeit durch den Wechsel keineswegs abgeschlossen sei. Zum Dank für den Einsatz als Heimatpfleger gab es unter anderem eine Fahne mit dem Stadtwappen.

„Es ist wichtig, dass wir jemanden gefunden haben, der hervorragende Ortskenntnisse und auch gute Kontakte hat.“ Mit diesen Worten stellte Kulturamts-Chef Stefan Reichel die Nachfolgerin Bröckls, Stadtarchivarin Edith Kalbskopf, vor. Sie habe dank ihres Amtes auch einen schnellen Zugang zu wichtigen Daten. Ihre Amtszeit dauert zunächst bis April 2026.

Edith Kalbskopf bedankte sich schon einmal für die Vorschuss-Lorbeeren und versicherte: „Ich gebe mir Mühe, in die großen Fußstapfen Karl Bröckls zu folgen.“ Die Themen gingen nahtlos weiter. Sie habe auch schon einige eigene Vorstellungen. „Und wem etwas wichtig ist in Sachen Heimatpflege: Ich bin immer offen für neue Ideen“, wandte sie sich an die Bürger.

2005 übernahm Karl Bröckl das Amt von Dr, Hermann Braun

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