23.05.2019 - 12:04 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Zirkus Afrika in der Kritik

Viele Menschen halten Elefanten in der Manege für Tierquälerei. Auch im Marktredwitzer Stadtrat ist der Auftritt der Tiere ein Thema.

Die Elefanten-Dressur ist einer der Höhepunkte der Darbietungen des Zirkus Afrika.
von FPHSProfil

Nicht jeder freut sich, wenn ein Zirkus in die Stadt kommt. So auch im Falle des Zirkus Afrika. In den sozialen Medien werfen viele Marktredwitzer den Verantwortlichen des Zirkus Tierquälerei vor. Vor allem die Elefanten-Dressur halten sie für alles andere als artgerecht.

Auch im Marktredwitzer Stadtrat ist das Gastspiel des Zirkus Afrika auf dem Angerplatz diskutiert worden. Oberbürgermeister Oliver Weigel ging dabei auf die Vorwürfe in etlichen Kommentaren gegen die Stadt Marktredwitz ein. Mehrere Bürger empörten sich darüber, dass die Stadt einen Zirkus auftreten lasse, der Tiere nicht artgerecht behandle und betreue.

"Auftritt kranker Tiere"

"Auch die Stadt hat eine Mail der Tierschutzorganisation Peta erhalten. Peta spricht dem Zirkus eine artgerechte Haltung ab und wirft ihm vor, sogar kranke Tiere auftreten zu lassen", zitierte Weigel. Er unterstrich, dass die Stadt keine Genehmigungsbehörde für Zirkus-Auftritte sei. Für die Genehmigung auf dem Angerplatz sei Voraussetzung, dass eine Genehmigung und Bewilligung der zuständigen Tierschutzbehörde vorliege. Die sei beim Landratsamt angesiedelt. Die Stadt selber müsse das Gastspiel gar nicht genehmigen. Die Kontrolle, ob die Tiere artgerecht in einem Zirkus gehalten werden, liege beim Landratsamt. (Im Blickpunkt)

Lothar Friedmann von der Stadtverwaltung ergänzte, es sei bekannt, dass manche Städte kleinere Zirkusse gar nicht mehr auftreten lassen wollen. Hier sei die Rechtsprechung eindeutig und besage, dass für diese Genehmigungen nicht die Kommunen zuständig seien.

Mittlerweile hat die Kleinstpartei "V-Partei" für Samstag um 18 Uhr eine Demonstration gegen die nicht artgerechte Tierhaltung angemeldet. Auch viele Tierrechts-Aktivisten aus Marktredwitz und Umgebung wollen vor dem Angerplatz ihre Meinung kundtun. So hat zum Beispiel Lisa Schiener schon viele Mitstreiter gefunden, die ebenfalls gegen die Haltung von großen Wildtieren protestieren wollen. "Ich sehe, dass mittlerweile viele Menschen Auftritte von Elefanten, Löwen oder anderen Wildtieren kritisch beurteilen", sagt sie im Gespräch mit der Frankenpost.

"Nicht mehr zeitgemäß"

Auch eine Leserin, die in der Fikentscherstraße mit direktem Blick auf den Angerplatz wohnt, hat sich bei der Zeitung gemeldet. "Ich habe gesehen, dass die Tiere über Stunden auf dem Asphalt im Regen gestanden sind. Während der gesamten Zeit hat sich niemand um sie gekümmert." Es handle sich um Wildtiere und nicht um Pferde oder Schafe. "Ich will hier nicht mit dem Finger auf andere zeigen, aber Elefanten in einem Zirkus sind meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß."

Mittlerweile entbrennt immer, wenn ein Zirkus mit Wildtieren in einer Stadt auftritt, eine teils heftige Diskussion. Dabei geht es nicht nur um das Tierwohl, sondern immer öfter auch über zum Teil sogar tödliche Unfälle: So hat zum Beispiel 2013 ein Elefant in Frankreich erst eine Plane über einen Elektrozaun geworfen und ist dann ausgebrochen. Dabei hat er einen älteren Mann tödlich verletzt. Auch in Baden-Württemberg ist es im Jahr 2015 zu einem tragischen Vorfall gekommen. Ein aus einem Zirkus entlaufener Elefant hat dabei einen 65 Jahre alten Mann niedergetrampelt und getötet. Das Gerücht, dass auch in Marktredwitz Elefanten kurzzeitig ausgebrochen sind, hat die Polizei auf Nachfrage nicht bestätigt.

Im Blickpunkt:

"Keine wesentlichen Beanstandungen"

"Ein Veterinär war am Dienstag bei dem Zirkus. Es gab keine wesentlichen Beanstandungen", erklärt Pressesprecherin Daniela Hirsche vom Landratsamt Wunsiedel auf NT-Nachfrage. Eigentlich war die Kontrolle erst am Mittwoch geplant, aber es hätten sich einige besorgte Anrufer bei der Behörde gemeldet, daher habe das Amt die Überprüfung einen Tag vorgezogen. Auch im Kontrollbuch des Zirkus Afrika gebe es keine gravierenden Einträge. Jedes Veterinäramt notierte dort die Überprüfungsergebnisse.

Hirsche weist zudem darauf hin, dass das Landratsamt Wunsiedel dem Zirkus keine Genehmigung erteilen muss. Dies sei in der Stadtratssitzung in Marktredwitz offenbar falsch mitgeteilt worden. Der Zirkus brauche nur eine Genehmigung des Landratsamts, in dessen Bereich er seinen Betriebssitz hat. Einzige Verpflichtung, die der Zirkus hat: Er muss sich an jedem Ort, an dem er Vorstellungen gibt, beim Veterinäramt melden. (rti)

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