50 Jahre Pilgergruppe Fichtelgebirge

Mehlmeisel
22.09.2022 - 09:11 Uhr

Seit 50 Jahren pilgern Gläubige aus dem Fichtelgebirge jedes Jahr nach Altötting. An die Anfänge erinnerten sich die Pilger und Verantwortlichen nun bei einer Feier.

„Kraftschöpfen für das ganze Jahr, innere Ruhe, eine große Gebetsgemeinschaft und unbeschreibliches Glücksgefühl beim Ankommen“: So beschreiben Pilgerinnen und Pilger aus dem Fichtelgebirge die dreitägige Diözesan-Fußwallfahrt nach Altötting, an der die Gründer vor 50 Jahren zum ersten Mal teilnahmen. Mit allem, was zu einem Geburtstag gehört – Gäste, Geschenke, alte Bilder, Essen und Trinken – wurde das Fest gebührend gefeiert.

„'Unter Deinem Schutz und Schirm': Wie oft haben Sie dieses Gebet auf Ihrer Wallfahrt schon gesprochen?“, wandte sich Pfarrer Ferdinand Weinberger beim Gottesdienst an die Gläubigen, verbunden mit dem Dank und der Bitte, immer wieder neu aufzubrechen zum Gnadenort. Heute, da das Weltbarometer angesichts vielfältiger Krisen nicht mehr im grünen Bereich sei und auch der Kirche drohe, der „Wein auszugehen“, sei es tröstlich zu wissen, „dass wir eine wunderbare Ratgeberin – wie damals bei der Hochzeit zu Kana – im Himmel haben, mit ihrer Botschaft an uns: Was er euch sagt, das tut“, sagte der Geistliche.

Mittlerweile 300 Pilger

Im Pfarrsaal hieß Johannes Popp, Leiter der Gruppe Fichtelgebirge und stellvertretender Pilgerführer der Regensburger Diözesanfußwallfahrt, die große Pilgerfamilie willkommen. Pilgerführer Bernhard Meiler erinnerte an die drei Personen, die damals den Grundstein für die mittlerweile auf 300 Personen angewachsene Pilgergruppe Fichtelgebirge gelegt haben: Hans Prechtl, Richard Fischer (damaliger Bürgermeister von Mehlmeisel) und die einzige noch Lebende, Gertraud Pscherer. Er bewunderte ihren Mut in der damaligen Zeit.

Sein Gedenken und das der Pilgerfamilie galt dem im März 2022 verstorbenen ehemaligen Leiter der Fichtelgebirgler Egon Pscherer. Er, dessen Ehefrau Gertraud und viele andere hätten durch Erfahrung und innovative Ideen mitgeholfen, sich um einen reibungslosen Ablauf der Wallfahrt zu kümmern, zu organisieren, zu koordinieren und bei der Verpflegung in wenigen Minuten über 2500 Wallfahrer zu versorgen.

Mit Egon Pscherer verbinde man aber noch viel mehr: „Die erinnerungsträchtigen, unvergesslichen in Hunderten von Stunden gemachten Aufzeichnungen in Wort, Bild und Film, den der Verstorbene, seine Ehefrau Gertraud und Tochter Miriam Bär über die Jahre mit viel Herzblut aufgenommen, gestaltet und besprochen haben." Mit dem Film erlebten die Pilger die Wallfahrten noch einmal hautnah.

Tochter folgt auf Vater

Laut Meiler ist es ein Glücksfall, dass Miriam Bär, die vor und während der Wallfahrt die bis zu 18 Begleitbusse koordiniert, in die Fußstapfen ihres Vaters tritt und damit mit Johannes Popp zwei sehr engagierte Leute Verantwortung übernehmen. Mit einer Dankurkunde und einer Marienkerze aus Altötting würdigte Meiler die Verdienste der Pilgergruppe. Mit einer Kerze bedankte sich Johannes Popp bei Gertraud Pscherer, die an diesem Treffen nicht teilnehmen konnte. „Hochachtung“ zollte den Fichtelgebirglern auch Pilgerpfarrer Andreas Weiß aus Bruck, der mit Pfarrer Weinberger, „Pilgerdiakon“ Franz Lautenbacher und den Wallfahrern Gottesdienst gefeiert hatte.

„Wer zu einem Geburtstag eingeladen ist, braucht sein Essen nicht bezahlen“, sagte Johannes Popp. Der „Preis“ für Essen und Getränke war deshalb lediglich je drei Vaterunser und Ave Maria "für unsere verstorbenen Pilgerfreunde und alle armen Seelen“.

Fitter Pfarrer

„Angefangen hat alles bei einem Gemeindebesuch von Weihbischof Karl Flügel, als der hochwürdige Gast dem damaligen Bürgermeister Richard Fischer den Klausenhang hinauf quasi davonlief“, erinnerte sich Pilgerdiakon Franz Lautenbacher an die Entstehung der Pilgergruppe. Nach seiner Fitness befragt, habe der Bischof das Gemeindeoberhaupt auf die dreitägige Fußwallfahrt hingewiesen, worauf Fischer prompt reagiert habe – "auch wenn man anfangs nur zu dritt zur Wallfahrt startete“.

Die Pilger kommen unter anderem aus Mehlmeisel, Fichtelberg, Warmensteinach, Brand, Ebnath, Neusorg, Pullenreuth, Waldershof, Marktredwitz, Erbendorf, Kemnath, Immenreuth, Kirchenpingarten, Speinshart, Eschenbach, Weiden, Obertrubach, Pottenstein und Auerbach.

 
 

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