13.02.2019 - 14:33 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Appell an Grundstücks- und Gartenbesitzer

"Tischlein deck' dich": In einem Vortrag erklärt Stefan Traßl in Mehlmeisel Möglichkeiten, Insekten zu helfen.

Stefan Traßl beim Vortrag.
von Gisela KuhbandnerProfil

Wenn es doch auch für die ums Überleben kämpfenden (Wild-)Bienen, Schmetterlinge, Nachtfalter und Co. so einfach wäre wie bei Eichendorffs Taugenichts: Der brauchte nur zu sagen "Tischlein deck' Dich" und schon lagen die herrlichsten Sachen auf dem Teller ...

Doch jeder kann etwas tun, um Insekten zu helfen und den dramatischen Artenrückgang zu stoppen. "Gründe dafür gibt es viele und jeder hat seinen Beitrag dazu geleistet, auch Sie und ich", machte Stefan Traßl, Vorsitzender des Imkervereins Hohes Fichtelgebirge, in seinem ebenso wichtigen wie spannenden Bild-Vortrag "Tischlein deck dich", der viel mehr Zuhörer verdient hätte, deutlich.

Es gebe keinen Alleinschuldigen, vielmehr handle es sich beim Insektensterben um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Leider hätten Insekten so gut wie keine Lobby, obwohl sie so enorm wichtig sind: Sie übernehmen die Bestäubung unzähliger Kultur- und Wildpflanzen und stehen gleichzeitig als Futterquelle am Anfang zahlreicher Nahrungsketten für Amphibien, Reptilien und Vögel, erklärte Traßl.

Landwirte könnten durch leichte Veränderungen ihrer Betriebsweise schon viel bewirken. Der Bayerische Bauernverband habe sogar die Fachgruppe "Bienen - Insekten - Biodiversität" ins Leben gerufen, damit sich Landwirte, Imker und Vertreter aus der Forschung zu aktuellen Themen austauschen können. "Aber leider werden Redeangebote bisher so gut wie nicht wahrgenommen", bedauerte der Imker.

"Auch Sie als Grundstücks- und Gartenbesitzer sollten unbedingt handeln", forderte er auf: "Lassen Sie einen Teil Ihres Gartens einfach 'verwildern. Mähen Sie diesen Teil nur Ende Juli und dann noch einmal im Oktober. Lassen Sie das Schnittgut einige Tage liegen und trocknen, so dass die Samen ausfallen können und entfernen Sie es dann. Auf diesen Flächen auf keinen Fall mulchen oder düngen. Blühpflanzen brauchen mageren Boden und Insekten bevorzugen Pflanzen, die im Nährstoffmangel stehen. Sie werden erstaunt sein, was sich nach wenigen Jahren auf dieser Fläche von selbst wieder ansiedelt. Und verwenden Sie auf keinen Fall Pflanzenschutzmittel, auch wenn die Bezeichnung 'bienenfreundlich' darauf abgedruckt ist. Sorgen Sie viel lieber dafür, dass sich natürliche 'Gegenspieler' in Ihrem Garten ansiedeln."

Büsche, Bäume und Stauden seien ergiebiger als Einzelblüten. Einheimische Pflanzen sollten gegenüber Exoten immer vorgezogen werden, denn Insekten haben sich in Tausenden von Jahren daran angepasst. Moderne Züchtungen mit sogenannten "gefüllten" Blüten brächten keinen Nektar, auch wenn sie noch so schön aussehen. In insektenfreundlichen Gärten gebe es auch keine Blühpausen. Und bei englischem Rasen und Koniferen herrsche für Insekten sowieso "tote Hose".

Außerdem würden moderne Kiesgärten, wöchentliches Mähen, autonome Mähroboter, Laubsauger und Bodenversiegelung den Insekten das Leben schwer machen. "Schaffen Sie Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten", gab Stefan Traßl den Versammelten mit auf den Weg, "damit es Wildbienen wieder gut haben bei uns". Sie benötigten "Nisthilfen" und bevorzugten mindestens fünf Zentimeter lange Löcher mit einem Durchmesser von drei bis neun Millimeter in Hartholz.

Auch Schilfhalme mit einem glatten Rand und waagerecht liegend sind ideale Nisthilfen. "Ein auf den Kopf gestellter, großer Blumentopf mit etwas trockenem Laub und Gras gefüllt und bis auf wenige Zentimeter im Boden vergraben und einer Tonscherbe als Regenschutz kann schon eine Nistmöglichkeit für ein Hummelvolk darstellen." Vor Stichen brauche sich übrigens niemand zu fürchten: Wild- beziehungsweise Solitärbienen seien völlig harmlos.

Auch Gemeinden und Städte könnten noch mehr der sogenannten "Eh-da"-Flächen als Blühflächen anlegen und somit mit gutem Beispiel vorangehen. www.imkerverein-hohesfichtelgebirge.com

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