Mehlmeisel
11.08.2019 - 10:00 Uhr

Erinnerungen aus der Nachkriegszeit

Klassentreffen des Jahrgangs 1939: Die ehemaligen Schulkameraden aus Mehlmeisel haben sich viel zu erzählen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Bild: gis
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"Nein - Zuckertüte gab es keine, aber für mich täglich ein Butterbrot im Schulranzen und für Kinder, die zu Hause keine Landwirtschaft hatten, eine Schulspeisung" oder "und manche Schulkameradinnen und -kameraden hatten damals wirklich Hunger" erinnern sich Hildegard Schinner und Oswald Köstler bei einem Klassentreffen des Jahrgangs 1939 im Gasthof "Waldfrieden" in Hüttstadl.

"In einem großen Kessel hatten damals Anna Hautmann und Anna Kastner Grießbrei, Suppen und Kakao für die Mädchen und Buben gekocht, was gerne angenommen wurde. Man schrieb ja auch das Jahr 1945 bei der Einschulung und der Krieg zeigte noch seine Nachwirkungen. Wir hatten auch Flüchtlingskinder in der Klasse, so dass die Schülerzahl auf 26 Mädchen und 13 Buben angestiegen war. 14 von ihnen sind bereits gestorben", wissen die ehemaligen Erstklässler noch. "Unterrichtet wurden wir in der ersten und zweiten Klasse von Berta Müller", sagt Oswald Köstler, der das Treffen organisiert hatte.

Der Stundenplan ähnelte dem heutigen: Schreiben, Lesen, Rechnen, Erdkunde, Geschichte. Auch der Sport kam nicht zu kurz - und vor allem nicht die Religionsstunde, "wo Pfarrer Neumeyer mit uns die Bibel durchging", erzählt Hildegard Schinner. Ihr Religionsbuch hat sie heute noch.

Die Kirche spielte sowieso eine übergeordnete Rolle im Leben der Kinder. "Wir mussten fast täglich vor der Schule die Werktagsmesse besuchen, die Maiandachten - und nach den Handarbeitsstunden der Mädchen am Freitagnachmittag während der Fastenzeit in der Kirche den Kreuzweg beten", erinnert sich eine ehemalige Schülerin. "Wenn wir außerhalb der Schule dem Pfarrer begegneten, hatten wir vor ihm eine Kniebeuge zu machen und 'Gelobt sei Jesus Christus' zu sagen. Klar, dass wir davonrannten, sobald wir ihn schon nur von weitem kommen sahen", schmunzelt Oswald Köstler.

"Von den Kriegswirren haben wir nicht viel mitbekommen", erzählt Hildegard Schinner. Da waren wir noch zu klein. Ich musste aber nicht hungern, weil wir eine Landwirtschaft hatten." Sie erinnert sich allerdings, dass durch Mehlmeisel Soldaten und Gefangene zogen. "Meine Großmutter stellte sich an den Gartenzaun und hat ihnen aus ihrer großen Schürzentasche heimlich Brot zugesteckt." Oswald Köstler weiß noch, dass die Amerikaner in den Ort kamen, einige Tage blieben und in Fichtelberg geschossen wurde.

Und noch etwas bleibt ihm unvergessen: "Als wir zur Erstkommunion kamen, mussten unsere Mütter 'schmieren', das heißt Butter, Schmalz und Eier in die Webereien nach Hof tragen, um dafür Stoff für ein Kommunionkleid oder einen -anzug zu bekommen." "Fröhlich und ausgelassen waren wir dennoch", erzählen die ehemaligen Schulkameraden. "Vor allem nach den Maiandachten spielten wir Fangerles, Verstecken und Schussern. Pünktlich zum Gebetläuten aber mussten wir zu Hause sein."

 
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