01.10.2019 - 13:36 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Mehlmeiseler Runde eckt an

Experten mahnen mehr Schutzmaßnahmen für den Wald an. Er ist Verbündeter gegen den Klimawandel.

Für mehr Naturschutz kämpfen (von links) Stefan Traßl, Klaus Stangl, Julian Bittermann, Dr. Herbert Rebhahn, Martin Hertel und Matthias Huttner.
von Gisela KuhbandnerProfil

„Die Natur ist nicht nur komplexer als wir denken, sondern als wir denken können“ hatte der Geschäftsführer des Naturpark Fichtelgebirge Ronald Ledermüller gesagt, als er im Namen der Gemeinde Mehlmeisel die Gäste zur „vierten Mehlmeiseler Runde“ mit aktuellen Themen rund um Wald, Jagd und Natur im Waldhaus begrüßte. Diese Feststellung war ein passender Einstieg in die jüngste Veranstaltung „„Biodiversität im Wald – und was kann man tun.“

„Biodiversität ist in aller Munde“ betonte Forstoberrat Matthias Huttner von der Bayerischen Staatsforstverwaltung Bayreuth, Veranstalterin des Abends, einleitend. Auch das Volksbegehren „Rettet die Bienen habe gezeigt, dass dieses Thema der breiten Öffentlichkeit unter den Nägeln brennt.

Immerhin berührt der Wald das tägliche Leben in der Gesellschaft - ob als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, als Holzlieferant oder einfach beim erholsamen Spaziergang.

Drei Stunden lang stellten die hochkarätige Fachleute Dr. Herbert Rebhan von der Regierung von Oberfranken, Julian Bittermann, Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen, Martin Hertel, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Fichtelberg, Klaus Stangl, Regionales Natura 2000-Kartierteam, Bayer. Forstverwaltung und Stefan Traßl, Vorsitzender des Imkervereins Hohes Fichtelgebirge ihre unterschiedlichen Standpunkte dar, belegten mit Zahlen das drastische Artensterben aus der Sicht der jeweiligen Interessengruppen und schlugen Maßnahmen vor, wie der öffentliche Waldbesitz und auch große und kleine private Waldbesitzer tatsächlich vor Ort in den Waldbeständen zur Artenvielfalt beitragen können. Das sind unter anderem Waldumbau, Kümmern um sauberes Wasser, um eine biologische Vielfalt, Moorrenaturierungen, Totholz stehen bzw. liegen lassen, Waldränder mit insektenfreundlichen Gehölzen für den Bienenweidewert gestalten, Schutzgebiete mit Trittsteinen ausweisen, Verzicht auf Insektizide und Herbizide, Vernetzung, mehr Information und Forschung.

Vorbildliches Handeln wurde dem Forstbetrieb Fichtelberg bestätigt. Er war auch der erste, der das Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten erarbeitete und in allen Punkten umsetzte.

In der anschließenden Diskussion stand einmal mehr der Wald als wichtiger Klimaschützer und Verbündeter gegen den Klimawandel. Angesprochen wurde auch, dass immer noch in manchen Köpfen der Wunsch nach einem „aufgeräumten“ Wald existiere. Der unaufgeräumte Wald – das Totholz – liegend oder stehend - bieten Nahrung und Unterschlupf für Pilze, Insekten, Käfer, Schmetterlinge und Vögel und helfen bedrohten Arten, sich wieder zu erholen. Dasselbe gelte für „schlampige“ Gärten, worüber oftmals der Nachbar den Kopf schüttle: Aber: Wer seinen Garten zu sauber und ordentlich gestaltet, tut der Natur nichts Gutes. Denn auf unkrautfreien Rasen finden Tiere kaum ein Zuhause. Und weniger aufräumen helfe Vögeln, Wildbienen, Fledermäusen und Co. gut über den Winter zu kommen. Dazu passt auch der Spruch, derzeit auf vielen Tafeln präsent: „Trau keinem Ort, an dem kein Unkraut wächst“.

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