26.02.2020 - 14:19 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Übung und Gefühl

Tööööööö … Das tiefe C rollt vibrierend aus dem Didgeridoo, klettert die Wände hoch und füllt den Raum mit mystischem Klang. Instrumentenbauer Michael Heindl ist aber noch nicht ganz zufrieden.

Michael Heindl aus Mehlmeisel baut und spielt Didgeridoos. Eine Leidenschaft, die sein Leben veränderte.
von Gisela KuhbandnerProfil

Ein weiterer Versuch: Mit vibrierenden Lippen bläst der Instrumentenbauer nochmals an, so dass ein Brummton entsteht, der sogenannte Grundton. Die klangliche und rhythmische Vielfalt, die das Didgeridoo hervorbringt, ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Lunge, Vokalen, Mund, Lippen, dem Einsatz der eigenen Stimme und dem Instrument selbst. Der Grundton bleibt aber immer derselbe.

„Passt“, strahlt jetzt der Mehlmeiseler Künstler und gelernte Maurer zufrieden und nimmt ein weiteres von ihm gefertigtes Blasinstrument in die Hand mit einem auf D ausgerichteten Grundton und erklärt: „Man muss keine Noten kennen, um ein Didgeridoo zu spielen, aber um ihm einen Ton, eine schöne Melodie mit Obertönen und Trompetentönen zu entlocken braucht es allerdings - neben fleißigem Üben - die richtige Atemtechnik.“ „Das Didgeridoo ist ein traditionelles Musikinstrument der nordaustralischen Ureinwohner. Es wird dort im traditionellen Zusammenhang meistens aus einem von Termiten ausgehöhlten Stamm lokaler Eukalyptusarten gefertigt und dient als überwiegend rhythmisch eingesetztes Begleitinstrument für Gesänge und Tänze.

Seit vielen Jahren ist Michael Heindl von diesem außergewöhnlichen „Blasrohr“ fasziniert. Begonnen hat diese Leidenschaft durch die damalige ARD-Doku „Terra Australis“ mit Blacki Fuchsberger, die bis 2003 ausgestrahlt wurde. „Im Hintergrund hörte ich da immer Didgeridoo-Klänge, die mich nie mehr losließen.“. Und er erzählt: „Als ich dann vor einigen Jahren mit dem Schützenverein einen Ausflug nach Esslingen machte, besuchte ich dort einen Didgeridoo-Shop, kaufte mir spontan ein Instrument und wurde endgültig infiziert.“

„Eigentlich müsste es doch möglich sein, ein Didgeridoo mit ein wenig handwerklichem Geschick selbst zu bauen“, machte Michael sich Gedanken, die er auch bald in die Tat umsetzte. Die Herstellung erklärt er so: „Einen Laubholzstamm (Birke, Erle, Ahorn, Kirsche, Buche) zwei Jahre trocknen, mit der Motorsäge grob in Form bringen, mittig aufsägen, aushöhlen und wieder zusammenleimen, was allerdings viel einfacher klingt, als es in der Realität ist. Der Grundton wird durch Länge, Form, Wandstärke und Größe der oberen und unteren Öffnung sowie dem zylindrischen Verlauf des Instruments bestimmt“, wofür es natürlich viel Erfahrung, Arbeit und Feingefühl bedarf“.

Wichtig ist ihm, das Holz nur in spezieller Mondphase am Jahresende zu schlagen. „So erhält man ein schwundfreies Holz, das nur eine geringe Verringerung des Volumens erleidet.“

„Durch meine Arbeit, mein Spiel und die Teilnahme an verschiedenen Events begegne ich vielen interessanten Leuten, die die Instrumente bauen, spielen und - unter anderem - auch Klangtherapie mit dem Didgeridoo anbieten", freut sich Michael Heindl, der mit Ehefrau Judith und seinen zwei Töchtern im Naabweg wohnt, „nur ein paar Schritte in den Wald“ hat, wo er sich – neben Didgeridoo-Klängen - total entspannen kann.

Jedes seiner Instrumente ist mit einem in den indianischen Kulturen Kraft, Glück und Segen verheißendem Gecko versehen. Eines seiner Didgeridoos hat er sogar mit einem handgeschnitzten Gecko vom ortsansässigen Holzschnitzer Bruno Siller verziert.

Seine „Mondholz-Didgeridoos“ bietet Michael zum Verkauf an – auch nach Kundenwunsch und mit lebenslanger Garantie.

Zusammen mit Günther Kuhbandner organisiert Michael Heindl am Samstag, 14. März, im Pfarrheim in Brand um 19.30 Uhr ein Konzert mit Philipp Gerisch (Didgeridoo – Handpan & Percussion), der um 15.30 Uhr einen Didgeridoo-Workshop für Anfänger anbietet.

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