31.07.2018 - 21:37 Uhr
Oberpfalz

Die "Methode Trump": Erst draufhauen, dann umarmen

Erst wüsste Drohungen, nun das Gesprächsangebot. Donald Trumps Außenpolitik wirkt willkürlich. Auf dem zweiten Blick erkennt Redakteur Wolfgang Würth aber ein System hinter den Gegensätzen.

Erst Drohungen, dann Streicheleinheiten. Wie Donald Trump (rechts) mit der EU und deren Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker umging, setzt sich nun im Iran-Konflikt fort.

Donald Trump gilt als unberechenbar - und doch: Nach anderthalb Jahren zeichnet sich bei seiner Verhandlungsführung ein Muster ab. Trump setzt auf eine Wechsel-Strategie: Auf Krawall folgt der Treueschwur, auf prollige Pöbelei folgen Umarmungs-Bilder via Twitter.

Das mag man unpassend finden, schlecht ist Trumps Bilanz bisher aber nicht: Das Treffen mit Nordkoreas Kim hat zwar keine greifbaren Ergebnisse gebracht - für Entspannung hat es allemal gesorgt. Ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel scheint derzeit unwahrscheinlich wie seit Jahrzehnten nicht.

Auch der Einigung im Handelsstreit mit der EU ging Krawall voraus. Die Vereinbarung wird in Europa nun erleichtert, beinahe enthusiastisch aufgenommen. Dabei klingt der Kompromiss sehr nach TTIP, was einst in Europa keine Begeisterung ausgelöst hat.

Nun scheint Trump auch das Iran-Problem auf seine Art anzugehen. Nach heftigen Drohungen folgt nun das überraschende Gesprächsangebot. Allerdings ist dieses Gegenüber kaum mit EU oder Nordkorea zu vergleichen. Diese verfolgen - bei allen Unterschieden - auf rationale Weise ihre Interessen. An der Spitze des Irans steht jedoch ein Religionsführer und kein Politiker. Entsprechend anders sieht dessen "Rationalität" aus. Man darf also gespannt sein, wohin die "Methode Trump" hier führt.


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