20.02.2019 - 11:11 Uhr
MitterteichOberpfalz

Arbeiten im Kühlschrank

Welche Tätigkeiten fallen täglich in der Mitterteicher Eishalle an? Muss das Eis immer geschliffen werden? Das Team der Einrichtung, die vor 25 Jahren ihren Betrieb aufnahm, gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Sie sorgen für einen reibungslosen Betrieb: (von rechts) die vier Fachangestellten für Eishalle und Freibad, Wolfgang Rosner, Dariusz Pietrzyk, Stefan Helgert und Stefan Pelz sowie Stefan Migula, der für die Betreuung der technischen Anlagen der Stadt zuständig ist, Anton Metschl von der Amberger Kühltechnik GmbH und Betriebsleiter Günther Deinzer vom Bauamt.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn sich im August die Badegäste im Freibad in der heißen Sommersonne räkeln und noch keinen Gedanken an den nächsten Winter verschwenden, müssen sich Stefan Helgert (37), Stefan Pelz (32), Dariusz Pietrzyk (36) und Wolfgang Rosner (43) schon an frostige Zeiten gewöhnen. Die vier städtischen Fachangestellten müssen sich dann nicht nur um das Bad kümmern, sondern auch schon um die Eishalle. "Zum Ende der Badesaison wird die Eisfläche installiert", erklärt Stefan Helgert diesen Sprung ins sprichwörtlich "eiskalte Wasser".

Ihren Berufsalltag verbringen die vier "Bade- und Eismeister" zumeist bei zehn Grad. "Das ist, als würde man in einem Kühlschrank arbeiten", meint Stefan Helgert lachend. Thermojacken, Handschuhe, gefütterte Arbeitsschuhe und immer ein Heißgetränk in der Nähe sind über gut sechs Monate hinweg die wichtigsten Begleitern der Männer.

27 Runden

Gearbeitet wird im Schichtbetrieb, los geht es jeweils um 7 Uhr morgens. Die wichtigste Aufgabe des Tages: Immer für eine spiegelglatte Eisfläche sorgen. Dazu dient ein großes kastenförmiges Fahrzeug, die Eismaschine. Dreht Helgert mit diesem fachlich als "Eisaufbereitungsarbeitsgerät" betitelten Gefährt auf der 1800 Quadratmeter großen und fünf Zentimeter dicken Eisfläche seine 27 Runden, macht das ein ziemliches Getöse. Mit scharfen Messern wird das Eis abgeschliffen, gleichzeitig sprüht das Gerät 30 Grad heißes Wasser aus. Pro Eisbehandlung werden 700 Liter dafür benötigt. "Das heiße Wasser taut das Eis an und gefriert sofort wieder auf sechs Grad minus. So entsteht eine glatte Fläche."

Dafür, dass das Eis seine Konsistenz behält, sorgt eine Kühlanlage mit einem zwölf Kilometer langen Leitungsnetz. "Das ist wie eine Fußbodenheizung, nur umgekehrt", erklärt Helgert. Für den öffentlichen Eislauf, Schlittschuhkurse, Veranstaltungen wie die Eisrevue oder für Eishockeyspiele wird stets gleich präpariert. Hinsichtlich der Eisabnutzung macht es laut Helgert keinen Unterschied, ob Schulklassen, Eisdisco-Besucher oder Eishockeyteams herumflitzen. Nur für das Eisstockschießen muss umgestellt werden. Steht das auf dem Plan, müssen die Messer der Maschine gewechselt werden. "Die Eisstockschützen benötigen Riefeneis. Sonst sausen die Stöcke ungebremst quer durch die Halle."

300 Schlittschuhpaare

Ist das Eis aufbereitet, geht es ins Büro, wo es Dienstpläne und Tagesberichte zu erstellen gibt. Hier findet auch die Schlüsselausgabe an die Vereine statt. Vormittags sind meist die Schulen aus der ganzen Region zu Gast. Rechtzeitig geöffnet wird jeweils der Schlittschuhverleih. Wolfgang Rosner und Dariusz Pietrzky verweisen auf 300 Paare in den Größen 25 bis 50. Den Bestand gilt es gut zu pflegen - durch regelmäßiges Desinfizieren der Schuhe und das Schleifen der Kufen.

Auf dem täglichen Arbeitsplan steht auch die stetige Kontrolle der Anzeigen in der Schaltzentrale und an der mächtigen Kühlanlage. Letztere ist das "Herz" der Eishalle und befindet sich unter der Zuschauertribüne. "Im Sommer wärmt sie das Wasser fürs Freibad", erklärt Helgert. Er berichtet auch von der Erste-Hilfe-Ausbildung, die zum Job genauso gehört wie fundierte Handwerker-Kenntnisse. "Wir kleben Pflaster auf aufgeschürfte Knie und trocknen Tränen, wenn ein Kind hingefallen ist oder sich an den Kufen verletzt hat."

Seit der Eröffnung der aktuellen Saison im vergangenen Herbst sind schon mehr als 40.000 Besucher in der Eishalle gezählt worden. Bis zum Ende der Saison am 18. März dürften noch ein paar Tausend hinzukommen. Die "Eismeister" sind stolz darauf, dass "ihre" Halle seit Jahren einen ungebremsten Boom erfährt. Die schneearmen Winter seien wohl ein Grund, meinen sie. Und natürlich das umfangreiche Angebot mit öffentlichem Eislauf und Eisdisco, Eishockeyspielen sowie den von Astrid Häring von der Stadtverwaltung organisierten Sonderveranstaltungen wie Eis-Fasching, Nikolaus-Besuch und Eislaufkursen.

Jede Menge Arbeit kommt auf das Team zu, wenn ab 18. März die gesamte Eisschicht abgetragen werden muss. Und wenn dann hinter der Eishalle ein großer "Eisberg" aufragt, ruft bereits wieder das Freibad. Dort gibt es zur Vorbereitung auf die Saison vieles zu erledigen, etwa die Wartung aller Schwimmbecken.

Stefan Helgert fährt 27 Runden, bis die nach jedem Eislauf arg strapazierte Eisfläche wieder dem Standard entspricht.
Unter der Zuschauertribüne befindet sich die riesige Kühlanlage der Eishalle. Im Sommer dient sie zur Erwärmung des Wassers im benachbarten Freibad. Täglich schauen Stefan Pelz, Dariusz Pietrzky, Wolfgang Rosner und Stefan Helgert (von links) nach dem Rechten.
Dariusz Pietrzky kümmert sich um den Kufenschliff. Es können übrigens auch Privat-Schlittschuhe zum Schleifen vorbeigebracht werden.
Wolfgang Rosner desinfiziert aus Hygienegründen regelmäßig die Verleih-Schlittschuhe.
Stefan Pelz und Stefan Helgert (von links) müssen die Eismaschine ständig warten, die empfindliche Technik braucht Pflege.
In der Schaltzentrale der Eishalle müssen jede Menge Anzeigen im Auge behalten werden. Hier deutet Stefan Helgert auf die Anzeige der Eistemperatur.
In der Schaltzentrale der Eishalle müssen jede Menge Anzeigen im Auge behalten werden.
Alles da für Eislauffreaks: Wolfgang Rosner (links) und Dariusz Pietrzky verweisen auf 300 Verleih-Schlittschuhpaare in den Größen 25 bis 50.
Regelmäßig kontrollieren Wolfgang Rosner (links) und Dariusz Pietrzky die Verleih-Schlittschuhe. Vor dieser Saison wurden auch „Eisbären“ (rechts im Bild) als Laufhilfe für kleine Anfänger angeschafft.
Im "Herzstück" der Eishalle muss Stefan Helgert täglich das Öl erneuern.
Stefan Pelz fährt mit dem Bandenschleifer die Ränder ab. Sie sollten etwas tiefer liegen als die übrige Eisfläche.
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