19.07.2019 - 15:50 Uhr
MitterteichOberpfalz

Bei AWO Feuer unterm Dach

Es gibt mächtig Zoff bei der Arbeiterwohlfahrt. Kreisvorsitzender Thomas Döhler hat die Brocken hingeworfen. Ebenso wie seine Stellvertreter Brigitte Scharf und Alfred Schuster. Auslöser ist das Mehrgenerationenhaus in Mitterteich.

Auslöser des Streits bei der AWO ist das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Mitterteich und dessen Defizit.
von Autor FUEProfil

Im Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) rumort es gewaltig. Bereits an Pfingsten ist mit Ausnahme des stellvertretenden Kreisvorsitzenden Edwin Ulrich mit Thomas Döhler (Vorsitzender), Brigitte Scharf (Stellvertreterin) und Alfred Schuster (Stellvertreter) das gesamte AWO-Vorstandsgremium zurückgetreten. Döhler gibt als Grund für den Rücktritt ein "zerrüttetes Vertrauensverhältnis" mit AWO-Kreisgeschäftsführerin Angelika Würner und mit dem AWO-Bezirksverband Regensburg an.

"Vertrauensbasis weg"

Auslöser des Streits ist das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Mitterteich und dessen Defizit, das der Kreisverband als Träger der Einrichtung seit Übernahme im Januar 2015 stemmen müsse. 220 000 Euro Verlust habe man seither eingefahren - "ohne das aktuelle Jahr, in dem man auch mit 60 000 Euro rechnen muss", erklärt Döhler. Außerdem schrieben auch die Bunten AWO-Läden seit Jahren ein massives Minus. Deshalb habe der Vorstand versucht, über diverse Projekte zusätzliche Einnahmen zu generieren. "Die Geschäftsführerin wurde beauftragt, konkrete Vorschläge auszuarbeiten." Sie habe aber nach Auffassung des Vorstands keine brauchbaren Ansätze geliefert. "Ich habe den Eindruck, dass Angelika Würner seit circa einem Jahr gegen mich arbeitet. "Da war die Vertrauensbasis natürlich weg."

Als zweiten Grund für seinen Rückzug nennt der ehemalige Kreisvorsitzende den Vertrauensbruch durch die AWO-Bezirksgeschäftsführung. "Ich habe mit dem Bezirksgeschäftsführer streng vertraulich über das MGH und eine Kündigungsmöglichkeit der Geschäftsführerin gesprochen, da ich zu dem Schluss gekommen bin, dass sie überfordert und ungeeignet auf ihrer Position ist", sagt Döhler. Würner sei vom Bezirksverband über eine vertrauliche E-Mail von ihm an den Bezirk informiert worden. "Das ist natürlich keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit." Laut Thomas Döhler sei das zerrüttete Verhältnis und der damit verbundene Vertrauensverlust zwischen allen Beteiligten auch für Brigitte Scharf und Alfred Schuster der Grund für ihren Rückzug gewesen.

"Starker Tobak"

Als starken Tobak bezeichnet Angelika Würner die Vorwürfe. Die Geschäftsführerin bestreitet die Schilderung Döhlers, dass sie über ihre mögliche Entlassung Bescheid gewusst habe. "Das ist mir völlig neu. Ich höre jetzt zum ersten Mal davon." Mehr werde sie dazu nicht sagen. Sie behalte sich aber Schritte gegen jene vor, von denen die Vorwürfe kommen.

Während die Fronten im AWO-Kreisverband unlösbar verhärtet scheinen, zeichnet sich beim Mehrgenerationenhaus etwas Entspannung ab. Deren Eigentümerin, die Stadt Mitterteich, ist laut Bürgermeister Roland Grillmeier bereit, mehr als die bisher 5000 Euro jährlich zu bezuschussen. "Der Stadtrat hat eine Erhöhung der Unterstützung auf deutlich mehr als 10 000 Euro beschlossen." Man werde demnächst auch Konzepte beraten, wie man die Kosten für das MGH herunterfahren könne. "Wir wissen, wie wichtig die Arbeiterwohlfahrt für unsere Stadt ist und wollen, dass es positiv weitergeht mit der AWO."

Im September sind Neuwahlen beim AWO-Kreisvorstand anberaumt. Dort wollen sich der bisherige Stellvertreter Edwin Ulrich aus Fuchsmühl und Plößbergs Dritte Bürgermeisterin Susi Bittner um das Amt des Kreisvorsitzenden bewerben. Der Ausgang ist offen.

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