20.09.2019 - 16:20 Uhr
MitterteichOberpfalz

Auf "Bauer Willis" Spuren

Vor zwei Wochen stellte Landwirt Willi-Kremer-Schillings alias „Bauer Willi“ das erste grüne Kreuz auf einem Feld auf. Es ist Symbol dafür, dass er mit der Gesamtsituation, wie der Landwirt in der Öffentlichkeit dasteht, unzufrieden ist.

Martin Härtl, Ely Eibisch und Stephan Schübel, von links, haben auf einem Feld bei der Mitterteicher Eishalle ein Zeichen in Form eines grünen Kreuzes gesetzt.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die Kreuze sollen zeigen, dass die derzeitige Situation für die Landwirte unbefriedigend ist. Die Idee haben viele Bauernverbände aufgegriffen und bundesweit ihre Mitglieder animiert, es "Bauer Willi" gleichzutun. Das erste grüne Kreuz im Landkreis stellte jetzt Martin Härtl aus Kleinbüchlberg auf seinem Rapsfeld direkt an der Einfahrt zum Mitterteicher Freibad und zur Eishalle auf. Das Kreuz hat er aus zwei Latten zusammengebaut und grün angestrichen. Beim Aufstellen halfen am Donnerstag Kreisobmann Ely Eibisch und Stephan Schübel aus Groschlattengrün vom Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverbands (BBV).

Eibisch wies darauf hin, dass bei der Aktion auf gesamtpolitische Probleme hingewiesen werden soll. Grüne Kreuze stünden für fruchtbare Böden statt Beton, für gesunde statt kranke Pflanzen, für düngen nach Bedarf statt nach Frist, für heimische Lebensmittel statt Fleisch aus Übersee, für Tiere auf Bauernhöfen. Grüne Kreuze mahnten außerdem gegen die steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie, Dumpingpreise für Fleisch, ungebremsten Flächenverbrauch und unfaire Handelspolitik. Mit den Kreuzen setzten die Landwirte eine Zeichen gegen eine Agrar- und Umweltpolitik, die für sie unerträglich geworden sei, erläuterte der Kreisobmann. Diese Politik sei fachlich nicht mehr nachvollziehbar. Das sogenannte Agrarpaket sei der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Die Bauern jammerten nicht, weil sie mehr Geld wollten, sondern weil sie um ihre Lebensgrundlage bangen würden.

Die Bewirtschaftung von Äckern und Grünland werde immer weiter erschwert, die Tierhaltung verteuert, ohne dass der Verbraucher mehr für das Fleisch zahlen müsse. Auch gehe es darum, ein wissenschaftlich für sicher befundenes Pflanzenschutzmittel politisch zu beerdigen, bevor das EU-rechtlich vorgeschriebene Verfahren der Wiederzulassung überhaupt abgelaufen sei. Tier- und Pflanzenwohl per Gesetz verbessern zu wollen bei stabilen Billigpreisen sei geradezu zynisch und werde einen Wirtschaftszweig auf Dauer zerstören, prophezeite Eibisch.

Die Kampagne stelle keine Forderungen, sondern mache auf Konsequenzen politischen Handelns aufmerksam, betonte der Bauernobmann. Wenn das geplante Agrarpaket umgesetzt werde, bedeute das in einer Welt des liberalisierten Agrarhandels, dass kleine und mittlere Betriebe ausstiegen, demzufolge mehr Großbetriebe entstünden und mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden würden.

Eibisch appelliert an seine Kollegen, Flagge zu zeigen und ebenfalls grüne Kreuze aufzustellen. Info-Schilder, die daran befestigt werden sollen, liegen in der BBV-Geschäftsstelle bereit.

Ein Schild am Kreuz weist auf den Sinn der Aktion der Landwirte hin.
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