14.04.2019 - 18:12 Uhr
MitterteichOberpfalz

Bürgerinitiative sorgt sich wegen Atommüll-Sicherheit

Am 20. November 1980 wurde bekannt, dass in Mitterteich ein Atommüllager gebaut werden soll. Noch im gleichen Jahr gründete sich eine "Bürgerinitiative gegen Atommüll im Grenzland".

Bürgerinitiative(BI)-Vorsitzender Gerhard Wehner (rechts) und BI-Beisitzer Gerald Schmid sorgen sich um das Wohl der Bevölkerung falls im Bereich des Atommülllagers oder auf den Transportwegen ein Notfall passiere. Für den Ernstfall gibt es keinen Katastrophenschutzplan.

Am 15. November 1985 erfolgten, trotz Protesten und Gerichtsverfahren, die ersten Einlagerungen des radioaktiven Abfalls. In das Lager am Stadtrand von Mitterteich - richtigerweise sind es zwei verschiedene Lager, eines für leicht- und schwachradioaktive und eines für mittelradioaktive Abfälle - ist in der Vergangenheit immer wieder eingeliefert worden. Denn ein Endlager gibt es nach wie vor nicht.

Jetzt könnte eine neue Einlieferungswelle kommen: Laut einem Sprecher des Bayerischen Umweltministeriums sollen Abbruchteile des Atomkraftwerkes Gundremmingen in Mitterteich eingelagert werden.

Kein Katastrophenplan

Die Wunsiedler Grünen-Kreisrätin Brigitte Artmann hat bereits Alarm geschlagen. Auch die Mitterteicher Bürgerinitiative (BI) ist hellhörig geworden. Um sie ist es zwar in jüngster Zeit still geworden, aber auch BI-Vorsitzender Gerhard Wehner teilt die Sorge von Artmann, dass es im Ernstfall keinen Katastrophenplan gebe. Die Bevölkerung werde völlig im Unklaren gelassen. Mehrmals sei vonseiten der Bürgerinitiative versucht worden, auf einen möglichen Notfall hinzuweisen und einen Katastrophenschutzplan zu bekommen. Geschehen sei nichts, so Wehner.

Er habe sich schon 2009 an das Luftwaffenamt wegen der überfliegenden Düsenjäger gewandt, berichtet er. Die Antwort sei gewesen, dass dieses radioaktive Lager keine schützenswerte Industrieanlage sei und es keine Einschränkung gebe. Die Möglichkeit von Flugzeugabstürzen sei zwar eingeräumt worden, es bestehe aber kein erhöhtes Risiko. In der Bundesrepublik Deutschland sei militärischer Flugbetrieb überall möglich, hieß es in der Antwort aus dem Luftwaffenamt. Auch im Landratsamt Tirschenreuth gebe es bei einem Ernstfall im und um das Atommüll-

lager keinen Sonderplan, da es nicht unter die Störfallverordnung falle.

Überwiegend per Bahn

Der Absturz eines Flugzeugs sei wahrscheinlich der größte anzunehmende Unfall. Aber, so Vorsitzender Wehner, was ist wenn etwas auf dem Transportweg passiere? Seinen Beobachtungen zufolge würden die meisten Transporte per Bahn erfolgen und nur einige über die Straße. Im Bahnhof Marktredwitz werden die Containerwagen umrangiert, dann nach Wiesau transportiert und von dort direkt in das Mitterteicher Lager geschoben. "Was soll die Bevölkerung machen, wenn auf diesem Wege etwas passiert?", fragt sich Wehner und fügt hinzu: "Vielleicht davonlaufen?" Schließlich müsse man vom schlimmsten Fall ausgehen! Das habe man in Tschernobyl und in Japan gesehen. Unterschätzt werde die unsichtbare Strahlung, die je nach Material viele Jahrzehnte und mehr anhalte.

Nicht einmal ausreichend Jod-Tabletten stünden im Notfall zur Verfügung. Bei einem möglichen Unfall sei die Bevölkerung der Strahlung hilflos ausgeliefert. "Für alles Mögliche gibt es jede Menge Vorschriften, aber im Fall Mitterteich wird nichts unternommen", so Wehner.

8800 Kubikmeter

Das Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sei zu etwa 60 Prozent gefüllt. Der BI-Vorsitzende schätzt die Menge derzeit auf 16 156 Gebinde mit einem Volumen von etwa 8800 Kubikmetern. Der Atommüll sei untergebracht in Guss- und Betonbehältern, aber auch in Stahlfässern und Containern. Die Strahlung in diesen Gebinden halte Jahre teils mehrere Jahrzehnte an. Genaueres, vor allem über die Inhalte, sei nicht bekannt.

Da in absehbarer Zeit ein Endlager in weiter Ferne sei, müsse man befürchten, dass diese Lagerstelle weiter aufgefüllt und die Mengen mehr würden. "Was dann?", fragt sich Wehner. Zudem gebe zu denken, dass beim Katastrophen-Probealarm dieser Tage die nördliche Oberpfalz ausgespart worden sei. "Das Mitterteicher Atommülllager existiert für diese Behörden anscheinend nicht."

Hintergrund

In solchen Containern wird der Atommüll per Bahn ins Mitterteicher Lager ins Industriegebiet Birkigt gebracht.
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