01.08.2018 - 13:45 Uhr
MitterteichOberpfalz

Fake News mit Fakten entschärfen

Philipp Reich, Sozial- und Medienpädagoge im Jugendmedienzentrum T1, wünscht sich mehr Zivilcourage in den Social Medien. Sein Appell richtet sich nicht nur an Jugendliche.

Ist das eine Fake News oder nicht? Auch der evangelische Pfarrer Martin Schlenk und der DGB-Kreisvorsitzende Klaus Schuster (v. li.) recherchierten interessiert über einer Aufgabe, die Philipp Reich seinem Publikum gestellt hatte.
von Ulla Britta BaumerProfil

Es war ein heißer Tag, nicht gut geeignet für einen Vortrag. Dennoch wurde am Montag im Mehrgenerationenhaus heiß diskutiert über das Thema "Fake News oder Fakt?". Eingeladen hatte das Aktionsbündnis "Aktiv gegen rechts - für Demokratie und Toleranz" im Landkreis Tirschenreuth. Über 30 Teilnehmer konnte Sprecherratsmitglied Thomas Döhler begrüßen. Philipp Reich vom Jugendmedienzentrum T1 fungierte als Referent. Der Medienpädagoge kennt das Netz wie seine eigene Westentasche.

Sein Wissen gibt er regelmäßig auch in Schulen preis, wo er Jugendlichen die Gefahren der sozialen Medien erläutert. Aber auch Erwachsene hätten einen enormen Nachholbedarf. 72 Prozent der Internetnutzer, wusste Reich, würden sich im Netz nicht mehr wohlfühlen. Verursacher dieser Verunsicherung seien sogenannte "Fake News".

"Was ist von dem, was ich sehe, wahr?" Diese Frage stellte Reich seinen Zuhörer auch in Form von kleinen Aufgaben. Es galt, Fake News als solche anhand von Recherchen mit dem Handy zu entlarven. Der Referent zeigte verschiedene Beispiele falscher Darstellungsformen, darunter eine veränderte Kriegsdarstellung auf einer Fotografie. Diese wurde erkannt und hatte weltweite Empörung ausgelöst. Es sei verboten, Fotos von Kriegsschauplätzen zu manipulieren. Dennoch geschehe es regelmäßig.

Es sei die Art der Darstellung, die zum Beispiel ein friedliches Geschehen bedrohlich mache, erklärte Reich mittels Fallbeispielen. Auch sei es gängige Praxis, Zeitungsschlagzeilen zu ändern. Wer sich mit der Technik auskenne, könne dies jederzeit selbst machen. "Fake News sind bewusste Falschmeldungen. Sie dienen der Stimmungsmache und dürfen nicht unterschätzt werden." Zum Thema "Hate Speech" (Hasskommentare) meinte der Referent, hier entstünde der Eindruck, wahnsinnig viele Menschen würden sich im Netz über ein Thema aufregen. Aber dem sei nicht so. "50 Prozent der Hasskommentare werden von nur 5 Prozent der User geschrieben."

Ziel sei, Aufmerksamkeit zu wecken. Denn Posts, die Angst schürten, würden gerne und eifrig kommentiert und weitergepostet. "Jeder möchte schließlich seine Freunde davor schützen." Alles müsse erst hinterfragt werden, appellierte Reich. "Google sagt das" - diesen Satz höre er regelmäßig bei Vorträgen in den Schulen. "Wenn ich dann die Frage stelle, wer in Google das sagt, weiß das keiner." Erst, wenn mindestens zwei Suchantworten an vorderer Front das gleiche Ergebnis liefern, könne man davon ausgehen, dass die Nachricht in Ordnung sei.

Wer dennoch unsicher sei, könne sich Hilfe holen bei seriösen Plattformen wie "Mimikama". Dort würde nachrecherchiert, was richtig oder falsch sei. Bei Fake News gebe es zudem eine Beschwerdeplattform auf www.internetbeschwerdestelle.de oder www.jugendschutz.de. Dorthin könne man sich jederzeit wenden.

Als erschreckend bezeichnete Reich die intensive Nutzung der sozialen Medien von der rechten Szene. Diese Leute seien dort logistisch äußerst professionell aufgestellt, um Wut- und Hasskommentare gezielt zu verbreiten. "Das ist organisierte Stimmungsmache." Für Reich stellt es deshalb ein großes Problem dar, dass im Netz leider sehr wenig Gegenrede geschehe. Man müsse der rechten Szene aber zeigen, dass man auch da sei. "Zivilcourage im Netz ist immer noch nicht entwickelt", so der Referent. Dies sei aber sehr wichtig. "Damit wir nicht ersaufen in diesem Hass in den Kommentarspalten."





Philipp Reich (vorne) erklärte einem sehr interessierten Pulbikum anhand von Fallbeispielen, was Fake News sind, wie sie entstehen und wie diese entlarvt werden können. .

Philipp Reich, der seinen Vortrag interaktiv gestaltete, wünscht sich, dass die Zivilcourage im Netz besser wird.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.