24.05.2020 - 14:24 Uhr
MitterteichOberpfalz

Für Miteinander der Konfessionen

Pfarrer Martin Schlenk freute sich über viele Gläubige an Christi Himmelfahrt. Er predigte beim Freiluftgottesdienst über die Einheit der christlichen Kirchen.

Franka Plößner (Klarinette) und Christine Schlenk (Keyboard) umrahmten den Himmelfahrtsgottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Mitterteich im Freien. Danach gaben beide Musikerinnen ein kurzes Konzert.
von Josef RosnerProfil

Strahlender Sonnenschein herrschte am Donnerstagvormittag, als die evangelische Kirchengemeinde zum Freiluftgottesdienst auf der Wiese hinter der Christuskirche eingeladen hatte. "Ein herzliches Willkommen bei Kaiserwetter," freute sich ein gut gelaunter Pfarrer Martin Schlenk über die vielen Besucher. "Gut, dass nicht mehr gekommen sind, sonst hätte unsere Stühle nicht ausgereicht."

Dank galt Franka Plößner (Klarinette) und Christine Schlenk (Keyboard), die für die musikalische Umrahmung sorgten. Beide gaben nach dem gut halbstündigen Gottesdienst, sehr zur Freude der Besucher, noch ein kurzes Konzert.

"Ja, Christus ist in den Himmel aufgefahren", eröffnete der Geistliche den Gottesdienst. Zu Beginn seiner Predigt ging er auf das Abschiednehmen ein. Oft sei es nicht leicht, wenn der Abschied für länger oder gar für unabsehbare Zeit sei. Viele wollten sich lieber kurz und schmerzlos verabschieden, damit es schnell vorüber gehe. Dennoch gehörten ein paar Tränen oder das Nachwinken zum Abschied einfach dazu.

Schmerzhafte Abschiede

Pfarrer Schlenk verknüpfte das Abschiednehmen mit der menschlichen Endlichkeit, mit dem Sterben. Es erinnere daran, dass wir uns einmal ganz von unseren Freunden und Verwandten verabschieden müssten. Ganz besonders spürbar werde dies bei Menschen, wenn sie merkten, ihr Leben neigt sich dem Ende zu. "Auch von Jesus werden Abschiedsworte überliefert. Er nahm nicht sang- und klanglos Abschied", sagte der Prediger. Es werde berichtet, dass Jesus nach seiner Gefangennahme Abschied von den Seinen nahm, vom Leben.

"An Christi Himmelfahrt verabschiedet sich Jesus von den Menschen, so wie wir Weihnachten seine Ankunft feiern. Gewiss, Jesus geht, aber er gibt uns kurz vor seinem Abschied noch etwas mit. Er hinterlässt uns als Gemeinde sein Vermächtnis, sein Erbe", sagte Pfarrer Schlenk. "Das Gebet Jesu macht uns Christen die Einheit zur Aufgabe. Dies ist heute nicht leichter als damals. Gerade wir Deutschen wissen, wie schwierig eine Vereinigung ist, mit einem 40 Jahre abgetrennten Teil von uns."

Vorurteile abbauen

Die Vereinigung der Christenheit werde noch schwieriger, weil die Trennung schon wesentlich länger dauere "und auch, weil wir diese Trennung selbst verschuldet haben". Der Pfarrer fragte, wie eine vereinigte Christenheit aussehen müsste. "Die Einheit soll nicht dadurch hergestellt werden, dass alle Christen entweder katholisch, evangelisch, orthodox oder freikirchlich sind. Nein, darum geht es nicht." Die Einheit der weltweiten Christenheit habe etwas mit Liebe zu tun, und zwar mit der Liebe, die Gott mit Christus, also Gott mit sich selber, verbinde.

Wichtig sei die Besinnung auf das Gemeinsame und der Abbau von Vorurteilen. "Es ist nicht wenig, was die Christen weltweit verbindet. So das Bekenntnis zum dreieinigen Gott, zu Jesus Christus. Gottes Liebe möchte in uns Gestalt werden. Gott hat einen jeden von uns zu seinem Kind gemacht. Kein Wunder also, dass Gott möchte, dass wir uns untereinander vertragen. Jesu Sendung und damit die Liebe Gottes gilt weltweit." Der Pfarrer rief dazu auf, trotz unterschiedlicher Überzeugungen "den Nächsten mit Gottes Liebe im Herzen anzusehen. Die Einheit der Christen betrifft die ganze Welt, aber sie fängt im Kleinen an. Schon in unserem Ort, in unserer Gemeinde kann die Einheit der Christenheit Gestalt annehmen. Dies tut sie überall, wo Menschen aufeinander zugehen, miteinander reden und versuchen, den anderen zu verstehen."

"Es geht nicht um Abschaffung"

Die Einheit gelinge, wo Gräben überbrückt und Zäune durchlässiger werden. Dies gelte ganz besonders für das Gespräch mit den Menschen, die einer anderen Konfession angehören. "Es ist völlig in Ordnung, auch mal einen katholischen Gottesdienst zu besuchen", sagte der Prediger. "Bleiben wir deshalb im Gespräch. Es geht nicht um eine Abschaffung einer der Konfessionen, sondern um ein geschwisterliches Miteinander. Dass dies gelingt, ist die Verheißung Gottes."

Bei Kaiserwetter kamen viele Gläubige zum Freiluftgottesdienst hinter der evangelischen Christuskirche. Natürlich wurden die Abstände eingehalten und Gesichtsmasken aufgesetzt.
Eine bemerkenswerte Predigt hielt Pfarrer Martin Schlenk zur weltweiten Einheit der Christen.
Eine bemerkenswerte Predigt hielt Pfarrer Martin Schlenk zur weltweiten Einheit der Christen.
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