15.04.2019 - 10:45 Uhr
MitterteichOberpfalz

Gefahrenquellen erkennen und entschärfen

Im Internet und in sozialen Netzwerken lauern viele Tücken und Gefahren. Was man beachten sollte, um dort sicher unterwegs zu sein, lernten jetzt Mitterteicher Mittelschüler.

Philipp Reich (rechts) vom Medienzentrum T1 versorgte die Schüler mit zahlreichen Tipps rund um die Nutzung sozialer Medien.
von Externer BeitragProfil

Soziale Netzwerke sind aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Wer keinen Account bei Facebook, Instagram oder auf einer anderen Plattform hat, gilt als "uncool". Wer etwas auf sich hält, trifft sich mit Freunden nicht mehr im Café, sondern online. Dabei gehen junge Menschen oft viel zu sorglos mit persönlichen Daten um. Grund genug für die Mittelschule Mitterteich, ein Projekt zum Umgang mit sozialen Netzwerken durchzuführen.

Christian Guttau - er ist an der Mittelschule tätiger Jugendsozialarbeiter von der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) Marktredwitz - hatte das Projekt organisiert. Unterstützt wurde er dabei vom Jugendmedienzentrum T1, das seit über zehn Jahren Medienkompetenz vermittelt. Die Finanzierung wurde durch das Gesundheitsamt über die Sieglinde-Nothacker-Stiftung ermöglicht.

Wirkung nicht sichtbar

Mit den Kindern der sechsten Jahrgangsstufe sprach Christian Guttau zunächst über die Tücken und Gefahren im Netz. So könne man beim Posten via Facebook oder WhatsApp die Wirkung der Botschaft auf das Gegenüber nicht erkennen. Bei der Kommunikation im analogen Leben sehe man dagegen Mimik und Gestik des Gesprächspartners. Beim Chatten fehle diese Verständnishilfe völlig und es komme häufig zu Konflikten. Fühle sich das Gegenüber von einer gesendeten Botschaft emotional sehr betroffen, komme der laufende Chat oft abrupt zum Erliegen. Das zwischenmenschliche Verhältnis der Chatpartner zueinander werde belastet. Deswegen sollte man niemals vergessen, dass auf der anderen Seite des Computers ein Mensch sitzt. Was man einer Person nicht direkt sagen würde, sollte man auch im Chat nicht schreiben.

Außerdem erarbeitete der Sozialarbeiter mit den Schülern anhand eines gestellten Fotos die Gefahren, die von einem unüberlegt ins Netz gestellten Selfie ausgehen könnten: Fremden Personen könnte es möglich sein, Besitztümer der fotografierten Person, deren Hobbys oder Tagesabläufe zu erkennen. Besonders gefährlich werde es, wenn aus den geposteten Bildern die eigene Adresse sowie das Innere der eigenen Wohnung hervorgehe. Informationen dieser Art könnten unter Umständen von Kriminellen zur Planung von Einbrüchen genutzt werden.

Recht am Bild

Sehr schnell werde beim leichtfertigen Einstellen von Fotos auch das Recht am eigenen Bild anderer Personen verletzt. Bei Selfies müsse man auch die Personen beachten, die sich hinter dem Fotografen befinden. Hier appellierte Guttau an die Schülerschaft, dies vor dem Drücken des Auslösers zu bedenken. Ohne Einverständnis dürfe man kein Bild einer anderen Person in sozialen Medien veröffentlichen.

Ein weiteres Problem sei das ständige "Onlinesein". Hier setzten die Mitarbeiter des Jugendmedienzentrums T1 Tannenlohe an. Phillip Reich, Leiter des Jugendmedienzentrums, ermittelte zunächst mit Hilfe eines Fragebogens, wie viel Zeit die Kinder der Klasse durchschnittlich in sozialen Medien verbringen. Etwas erstaunt zeigte sich die Klasse über die Aussage des Experten, dass für Kinder dieser Altersstufe eine durchschnittliche Bildschirmzeit von zwei Stunden pro Tag empfohlen wird. Er warnte die Jugendlichen davor, sich durch Pop-Up-Menüs der sozialen Medien terrorisieren zu lassen. Die Entscheidung, wann und wo man die Posts seiner Kontakte liest, liege ganz alleine bei einem selbst.

Personalisierte Werbung

Ein weiterer Schwerpunkt war die Einstellung der Privatsphäre. Ein Film zeigte, wie einfach man bei fehlenden Sicherheitseinstellungen mittels eines geposteten Fotos den momentanen Standort des Nutzers ausfindig machen kann. Durch das Ausspähen des persönlichen Nutzerverhaltens sammelten Anbieterfirmen Daten, die sie für personalisierte Werbung verwenden. Durch die auf ihn zugeschnittene Werbung fühle sich der jeweilige Nutzer direkt angesprochen, sein Kaufverhalten könne so gezielt gesteuert werden. Nach der Theorie wurde es Zeit für die Praxis. Unter Anleitung nahmen die Schüler in ihren eigenen WhatsApp- und Instagram-Accounts empfohlene Sicherheitseinstellungen vor.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.