15.03.2019 - 12:42 Uhr
MitterteichOberpfalz

Es gibt immer Hilfe

Keine Sorge kann so schwer sein, dass man gleich aufgeben muss. Und es gibt auch für Jüngere Hilfe: Beim KJR-Stadtgespräch stellen sich die "Seelentröster" für Kinder und Jugendliche vor.

Marion Neumann, Roland Neltz, Julia Mathes und Anja Berger (von links) informierten zum Thema „Sorgen und Nöte von Kindern und Jugendlichen“. KJR-Vorsitzender Jürgen Preisinger (Mitte) moderierte den Abend.
von Ulla Britta BaumerProfil

Der Kreisjugendring (KJR) hatte zum Thema "Sorgen und Nöte von Kindern und Jugendlichen" in das Mehrgenerationenhaus eingeladen. KJR-Vorsitzender Jürgen Preisinger begrüßte Fachleute von der Online- und Telefonberatung "kopfhoch.de", der Erziehungsberatungsstelle Tirschenreuth sowie der Schulsozialarbeit an der Mittelschule Tirschenreuth. Mit Julia Mathes, Projektleiterin von "kopfhoch.de" (kostenlose Beratungsstelle), sowie deren ehrenamtlicher Kollegin Anja Berger waren sogar zwei Regensburgerinnen gekommen.

Erpressung übers Internet

"Rund ums Jahr", betonte Mathes, könnten Jugendliche "kopfhoch.de" täglich von 6 bis 22 Uhr anrufen. Dafür stünden 42 ehrenamtliche Fachkräfte, darunter Studenten, Psychologen, Erziehungsberater oberpfalzweit zur Verfügung. Als ein Hauptthema, das Jugendliche massiv belaste, nannte sie Erpressungen übers Internet. Dies geschehe meist mit Fotos und der Drohung, diese zu veröffentlichen, in der Schule zu verbreiten oder an Lehrer und die Eltern weiterzugeben. "Die Jugendlichen sind wahnsinnig in Panik", wusste die Projektleiterin. Leider gebe es kaum rechtliche Handhabe, weil die Täter bei Sichtung sofort aus dem Netz verschwunden seien.

"Kopfhoch.de" sei aber auch keine Stelle, um aktiv bei der Problemlösung zu helfen. "Wir führen motivierende Gespräche und bestärken Betroffene, selbst tätig zu werden, eine Beratungsstelle sowie Eltern oder den Lehrer einzubeziehen." Vom Schulalltag, der nicht immer rosig ist, sprach Ronald Neltz. Der Sozialpädagoge ist seit zehn Jahren an der Mittelschule Tirschenreuth in der Jugendsozialarbeit tätig. Mittlerweile habe er im Landkreis neun Kollegen, so Neltz, Tendenz steigend. Auch in der Grundschule seien solche Experten gefragt.

Neltz erzählte von Kindern, die sich selbst und wissentlich verletzen, teils mit harmlosen Gegenständen wie Kugelschreiber, aber auch bis knapp vor Durchtrennen der Pulsadern mit Rasierklingen. Er erklärte dieses Verhalten als "stillen Hilfeschrei" bei Problemen wie Scheidung der Eltern oder Leistungsdruck. Die Kinder, die zu ihm kommen, hätten Angst, dass die Eltern etwas erfahren könnten oder man sie in eine psychiatrische Klinik einweisen lasse. "Das Mitteilungsbedürfnis ist wahnsinnig hoch, bei generell allen Jugendsorgen", betonte Neltz. Als Grund dafür nannte er zu wenig Gesprächsbereitschaft der Eltern mit ihren Kindern.

"Wir sind für Kinder und Jugendliche von 1 bis 27 Jahren zuständig", berichtete Marion Neumann von der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern im Landkreis Tirschenreuth. "Nur wissen zu wenige, dass man zu uns kommen kann und dass die Beratung bei Sorgen und Problemen bei uns nichts kostet." Neumanns Vermutung zum mangelnden Besucheraufkommen ging in Richtung ländlicher Raum und dem versteckt liegenden Büro-Standort im Pfarrzentrum.

Gespräche das Wichtigste

Sie sprach unter anderem die sogenannten "Helikopter-Eltern" an, die Kinder "überbemuttern" würden. Kinder hätten manchmal "elternfreie Räume" nötig, um sich im Leben später besser allein durchsetzen zu können. Zur Frage, wie Jugendgruppenleiter bei Kindersorgen helfend eingreifen können, waren sich die Fachkräfte einig: Der einzige Weg führe über ein persönliches Gespräch. Nur wenn der eigene Wunsch dazu geäußert werde, dürfe die Gruppe einbezogen werden. Befürwortet wurde, das Kind bei Verdacht auf unnormales Verhalten unbedingt sensibel zu fragen, ob es darüber sprechen wolle.

Kontakt:

Die Online- und Telefonberatungsstelle für Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre in der Oberpfalz ist im Internet auf www.kopfhoch.de oder per Telefon 0800/5458668 erreichbar. Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern ist am Kirchplatz 4 in Tirschenreuth zu finden (Telefon 09631/3363 oder E-Mail info[at]eb-tirschenreuth[dot]de). Kontakte zu dem Schulsozialpädagogen Ronald Neltz an der Mittelschule Tirschenreuth sowie zu seinen neun Kollegen können über das Schulamt Tirschenreuth erfragt werden.

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