06.10.2019 - 10:02 Uhr
MitterteichOberpfalz

Hilfe auch für Geschwisterkinder

Wenn Kinder behindert oder chronisch krank sind, hat das Auswirkungen auf die ganze Familie. Der Verein "Stiftland-Sternenkinder" hat das im Blick und widmet sich jetzt verstärkt auch den Geschwistern.

Beatrix Kempf und Silke Rosner (von links) leiten den Verein seit der Gründung.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

"Die geraten oft ins Hintertreffen", weiß Beatrix Kempf um die schwere Belastung vieler Familien. Die Palliativschwester aus Mitterteich ist seit der Gründung des Vereins 2016 Vorsitzende. In ihrem aktiven Einsatz wird sie unterstützt von fünf Berufskolleginnen, die ehrenamtlich zu den Familien fahren und für sie fachlich kompetente Ansprechpartner sind. Einige Schwestern absolvierten jetzt eine Weiterbildung in familienzentrierter Pflege, um noch besser auch für Geschwisterkinder da sein zu können.

Dazu hat sich der Verein in das bundesweite Netzwerk "Familienbande" aufnehmen lassen. Diese Stiftung hat zum Ziel, Geschwister chronisch kranker oder behinderter Kinder in ihrer belastenden Lebenssituation zu unterstützen. Jeder soll in seiner Nähe ein passendes und qualitativ hochwertiges Angebot finden. Der Stiftländer Verein mit Sitz in Mitterteich schließt damit eine Lücke zwischen Cham und Bayreuth.

"In den Familien liegt das Hauptaugenmerk auf dem kranken Kind, dadurch stehen die Geschwister nicht so im Fokus", beschreibt Beatrix Kempf die Notwendigkeit. "Oft brauchen sie psychologische Begleitung, auch noch über die Volljährigkeit hinaus." Der Verein springt durch kleine und größere Hilfen ein. Das können Gesprächsangebote sein, ein Spaziergang, eine Begleitung bei Ausflügen und Hobbys, wenn die Eltern keine Zeit haben. Denn die sind meistens schon durch Pflege und Krankenhausaufenthalte stark belastet, haben zwangsläufig wenig Zeit und manchmal auch Geld für ihre anderen Kinder. "Viele Geschwister entwickeln auf längere Sicht Probleme", stellt die Vorsitzende fest.

Vor fünf Jahren wurde der Grundstein für den 2016 eingetragenen Verein gelegt. Beatrix Kempf hatte bei einem Kind einige zeitlich auf das pflegerische Minimum begrenzte, von der Krankenkasse finanzierte Einsätze. Doch die Eltern allein zu lassen mit der Sorge um das unheilbar krebskranke Kind, das brachte sie nicht übers Herz. Sie leistete über den bezahlten Einsatz hinaus persönlichen Beistand, bis der Bub starb. Dieses begleitende Angebot baute sie mit weiteren Krankenschwestern kontinuierlich aus. Als Vereinszweck wurde die "Unterstützung von Familien und Angehörigen mit lebensverkürzt erkrankten Kindern und Jugendlichen" festgelegt. 2018 wurden beispielsweise 13 Familien im Landkreis Tirschenreuth und darüber hinaus betreut. Die Ehrenamtlichen fuhren dafür 6500 Kilometer, rechneten aber nicht einmal die Hälfte mit dem Verein ab, sondern legten aus eigener Tasche Benzingeld drauf.

"Die Spendenlage ist besonders in der Weihnachtszeit ganz gut", verweist stellvertretende Vorsitzende Silke Rosner auf ein kleines Finanzpolster. Dennoch ist der Verein weiter auf Unterstützung angewiesen. Ausgaben entstehen nicht nur durch Benzinkosten, sondern auch durch kleine Geschenke für die Kinder und die Finanzierung von hilfreicher Ausstattung. Das kann die Beteiligung an einem Computer oder einem Autoanhänger sein, ein Zuschuss für Therapie- und Fahrtkosten oder auch mal ein rollstuhltauglicher Bodenbelag. Zur Öffentlichkeitsarbeit des Vereins tragen Flyer und Aktionen wie Benefizkonzerte bei. So ist im November ein Auftritt der "Soulmate-Singers" im Kunsthaus Waldsassen geplant.

"Oft ist es für die Eltern am wichtigsten, einfach einen Ansprechpartner zu haben. Das geht weit über Probleme etwa mit der Magensonde hinaus", beschreibt Kempf. Sie und ihre Mitstreiterinnen sind sowohl für medizinische als auch persönliche oder bürokratische Belange da. Der Verein will das Netzwerk weiter ausbauen und strebt sogar einen festen Pflegestützpunkt an, der als Gesundheitszentrum im Landkreis Anlaufstation für Fragen und konkrete Hilfen sein könnte. Silke Rosner absolviert schon mal einen Lehrgang zur Pflegedienstleitung.

"Pflege braucht Kompetenz und Bildung", unterstreicht die ausgebildete Pflegepädagogin Beatrix Kempf. "Und das bekommen wir nicht durch Verheizen des Personals, wie es derzeit im Gesundheitswesen der Fall ist." Der Verein "Stiftland-Sternenkinder" kämpft weiter darum, dass von Krankheit und Behinderung betroffene Menschen nicht allein gelassen werden: "Dieser Einsatz lässt sich nicht in ein Zeitkorsett pressen."www.stiftung-familienbande.de www.stiftlandsternenkinder. jimdo.com

Weitere Informationen:

https://www.stiftung-familienbande.de/

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