05.03.2020 - 17:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Kindergarten-Neubau dauert länger als geplant

Ende dieses Jahres sollte der neue inklusive Kindergarten der Lebenshilfe in Betrieb gehen. Doch verschiedene Umstände haben zu einer Verzögerung des Projekts geführt, so dass nicht vor September 2021 mit der Eröffnung zu rechnen ist. Es gibt aber eine Übergangslösung.

Übergangslösung in der Zanklgartenstraße: In das Gebäude, in dem derzeit noch die Interdisziplinäre Frühförderstelle der Kreisvereinigung Lebenshilfe untergebracht ist, werden ab September mehrere Krippen-Gruppen einziehen. Lebenshilfe-Geschäftsführer Berthold Kellner, Bürgermeister Roland Grillmeier und Verwaltungs-Sachbearbeiter Christoph Pirner (von rechts) informierten am Donnerstag über die geplanten Umbauten.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Lebenshilfe-Geschäftsführer Berthold Kellner legte im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung am Montag den neuen Zeitplan vor und ging auf die Hintergründe ein. Mit im Gepäck hatte er auch gleich ein Konzept für eine Übergangslösung - allerdings wurde dieser Punkt im nichtöffentlichen Teil behandelt. Über das Ergebnis dieser Beratung und weitere Details zu den teils komplexen Projektplanungen informierten Berthold Kellner und Bürgermeister Roland Grillmeier am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Dabei präsentieren sie auch erstmals einen Überblick über die gesamten Projektkosten (siehe Infobox unten).

Folgenreiches Urteil

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Durchführung von Ausschreibungsverfahren im Juli 2019 sei ein maßgeblicher Grund gewesen, dass der Zeitplan durcheinander gebracht wurde, wie Berthold Kellner berichtete. Man habe die bereits beauftragten Fachplaner stoppen und in sämtlichen Bereichen neue Ausschreibungsprozesse starten müssen. "Sonst hätten wir riskiert, dass wir Fördermittel verlieren", so Kellner. "Wir lagen überall knapp über den Schwellenwerten."

Lange Prozesse

Roland Grillmeier verwies darauf, dass Ausschreibungs- und Vergabeprozesse wegen der Vorgaben der Förderbehörden generell schon recht lange dauerten. Drei bis vier Monate seien hier üblich. Grillmeier gab zu bedenken, dass man durch den Verzicht auf einen Architekten-Wettbewerb wohl zwei Monate hätte einsparen können. "Aber wir wollten ja keinen 08/15-Bau", machte Berthold Kellner deutlich. "Gewisse Herausforderungen" sind laut Roland Grillmeier auch mit dem Grundstück verbunden.

Die Stadt rechnet damit, dass im Laufe des neuen Kindergartenjahrs 2020/21 bis zu 34 Krippenplätze benötigt werden, die durch die Verzögerung des Projekts anderweitig geschaffen werden müssen. Grünes Licht gab der Stadtrat für den Vorschlag der Lebenshilfe, diese Kinder vorübergehend in ihrem Gebäude in der Zanklgartenstraße zu betreuen, wo derzeit noch die Interdisziplinäre Frühförderstelle untergebracht ist. Die Stadt übernimmt die Kosten für den Umbau und die Ausstattung, wobei ein Teil davon künftig im neuen Kindergarten wiederverwendet werden kann. Bürgermeister Grillmeier geht von Kosten in Höhe von rund 300 000 Euro aus.

Berthold Kellner ergänzte, dass für die Interdisziplinäre Frühförderstelle im Gegenzug das Erdgeschoss des ehemaligen Volksbank-Gebäudes in der Bahnhofstraße angemietet wird, das sich in Privateigentum befindet. Wenn der neue Lebenshilfe-Kindergarten fertiggestellt ist, können die Räume in der Zanklgartenstraße weiterhin als eine Art Puffer dienen. Zudem werde die Offene Behindertenarbeit der Lebenshilfe das Gebäude nutzen, wie Kellner berichtete. Als Übergangslösung für die Unterbringung von Kindergartenkindern nannte Roland Grillmeier das Kinderhaus der Gemeinde Pechbrunn. Dort seien Kapazitäten für 12 bis 15 Kinder frei.

Kein genereller Engpass

Im Stadtrat hatte CSU-Sprecher Josef Schwägerl die Frage aufgeworfen, ob der neue Kindergarten bei der Eröffnung bereits zu klein sein könnte. Berthold Kellner wollte dies nicht ausschließen und erwiderte, dass eine Erweiterung des Baus grundsätzlich möglich wäre. Ernst Bayer (Freie Wähler) wollte wissen, was dran ist an dem Gerücht, dass in der Stadt bis zum Jahr 2022 keine Plätze mehr frei seien. Bürgermeister Roland Grillmeier sagte, dass dies nur für bestimmte Einrichtungen gelte, aber nicht generell.

Sämtliche Fragen rund um das Thema Krippen- und Kindergartenplätze beantwortet der dafür zuständige Sachbearbeiter bei der Stadtverwaltung, Christoph Pirner, unter Telefon 09633/89 260.

Hintergrund:

Gesamtkosten von knapp 4,6 Millionen Euro

Die Gesamtkosten des Kindergarten-Neubauprojekts mit 55 Plätzen belaufen sich nach aktuellem Stand auf knapp 4,6 Millionen Euro, wie Lebenshilfe-Geschäftsführer Berthold Kellner informiert. Davon entfallen 3,3 Millionen Euro auf die Herstellungskosten inklusive Einrichtung und Spielplatz. Hierfür wird laut Bürgermeister Roland Grillmeier eine Förderung in Höhe von 80 Prozent gewährt. Nicht förderfähig sind rund 520 000 Euro teure Maßnahmen zur Vorbereitung des stadteigenen Grundstücks neben dem Lebenshilfe-Gelände an der Waldsassener Straße. So sind wegen der Hanglage Auffüllungen und Stützbauwerke nötig. Zusatzkosten in Höhe von 750 000 Euro, die wegen des besonderen inklusiven Profils des Kindergartens anfallen (unter anderem größerer Flächenbedarf), trägt die Lebenshilfe. 500 000 Euro davon deckt eine Zuwendung der Aktion „Sternstunden“ ab.

Der Eigenanteil der Stadt am Gesamtprojekt liegt laut Roland Grillmeier nach derzeitigem Stand bei rund 1,8 Millionen Euro. Im Zusammenhang mit der Übergangslösung im Gebäude in der Zanklgartenstraße rechnet Grillmeier mit Kosten von rund 300 000 Euro.

Auf diesem eingezäunten städtischen Grundstück wird der neue Kindergarten der Lebenshilfe entstehen. Deren bestehende Anlagen schließen sich am rechten Bildrand an.

 

 

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