28.06.2018 - 18:18 Uhr
MitterteichOberpfalz

Krimi "made in Mitterteich"

Es ist ein Wirtschaftskrimi "made in Mitterteich". 2014 hat die Schott AG zwei Ingenieure angezeigt. Der Vorwurf: Die beiden sollen nach ihrer Pensionierung versucht haben, Betriebsgeheimnisse nach China zu verkaufen. Seit vier Jahren ermittelt der Staatsanwalt. Jetzt traf man sich auf einem "Nebenkriegsschauplatz": beim Arbeitsgericht.

Es geht um die Produktion von hochwertigem Rohrglas, das Schott unter anderem für die Pharmaindustrie produziert. Die chinesische Konkurrenz ist höchst interessiert am Knowhow aus der Oberpfalz.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Weiden/Mitterteich.(ca) Beide bestreiten die Vorwürfe. Die Ingenieure haben Jahrzehnte für Schott gearbeitet, einer war viele Jahre Produktionsleiter am Standort Mitterteich (1100 Mitarbeiter). Nach der Wahrheit forscht seit 2014 die Staatsanwaltschaft Regensburg, die zentral zuständig ist für Wirtschaftsstrafsachen. Ein Ende der Ermittlungen ist nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Dr. Markus Pfaller immer noch "nicht absehbar": "Das Verfahren ist kompliziert." Aktuell sind "weitere Ermittlungsaufträge" erteilt worden.

Gutachten genügt nicht

Nach NT-Informationen soll der Gutachter noch einmal nacharbeiten. In den Häusern der Beschuldigten hatte die Weidener Kripo damals Datenträger sichergestellt, die der Experte bewerten sollte. Schott ist weltweit führend in der Produktion von Glasröhren, unter anderem für die Pharmaindustrie. Mit den Ergänzungen des Gutachters wird nicht vor September gerechnet.

Am Mittwoch traf einer der Ingenieure - nicht der Ex-Produktionsleiter - vor dem Arbeitsgericht Weiden auf seinen früheren Arbeitgeber. Er fordert von Schott eine vereinbarte Erfindervergütung. Er hält etliche Patente. Schott hatte mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren die weitere Zahlung ausgesetzt. Zu Unrecht, wie die Kammer unter Vorsitz von Richter Veit Zitzmann befindet. Dem Rentner stehen die aufgelaufenen 60 000 Euro zu.

Detektive eingeschalten

Die Schott AG scheiterte mit einer Widerklage: Man wollte bisher entstandene Anwaltskosten (300 000 Euro) mit den 60 000 Euro aufrechnen. Richter Zitzmann wird dies wohl ablehnen (Entscheidungsverkündung am 12. Juli): Es entspräche jahrzehntelanger Rechtssprechung an Arbeitsgerichten, außergerichtliche Anwaltskosten von einem Schadensersatz auszuschließen. Zitzmann: "Wir werden das hier nicht ändern." Der Schott-Anwalt zog die Klage daraufhin zurück. Möglicherweise wird man die Auslagen im Weg einer Zivilklage noch einfordern.

Das Unternehmen hatte damals umfangreiche Eigenrecherchen angestrengt, als die Ruheständler nach Ablauf eines Wettbewerbverbots eine Beraterfirma gründeten und Kontakt zur chinesischen Konkurrenz aufnahmen. Schott schaltete Privatdetektive, IT-Forensiker und Rechtsanwälte ein. Das Ergebnis war eine 55-seitige Strafanzeige, die im November 2014 gestellt wurde. Sechs Wochen später durchsuchte die Kriminalpolizei die Privathäuser. Das daraus resultierende Ermittlungsverfahren lautet auf "besonders schweren Fall des Verrats von Betriebsgeheimnissen". Darauf steht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe.

Der Ingenieur hofft weiter auf die Einstellung des Verfahrens, das ihn und seine Familie sehr belaste: "Dreieinhalb Jahre sind eine kleine Ewigkeit und eine psychische Belastung."

 

 

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