17.12.2018 - 19:18 Uhr
MitterteichOberpfalz

Mitterteicher Tafel der Lebensinhalt

Samstagmorgen gegen 7 Uhr ist Mila Braun bereits unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz. Sie hat einen Job bei der „Mitterteicher Tafel“. Immer mittwochs und samstags ist sie dort im Einsatz.

Mila Braun (Mitte mit Schal) ist immer vor Ort, wenn die Tafel offen ist. Sie mag die Arbeit im Team sehr.
von Ulla Britta BaumerProfil

Dabei müsste die Mitterteicherin gar nicht mehr so früh aufstehen. Sie ist schon 76 Jahre alt und schon lange im Ruhestand. Bis 2004 war sie in der Porzellanfabrik Mitterteich beschäftigt, wo sie 23 Jahre lang als Betriebsratsvorsitzende für die Rechte ihrer Kollegen gekämpft hat. Ein Jahr später musste Mila Braun zuschauen, wie „ihre“ Fabrik“ zugesperrt wurde und alle Mitarbeiter, für die sie sich jahrelang eingesetzt hatte, plötzlich keinen Job mehr hatten. Der Schock saß tief, aber Mila Braun ist keine Frau, die den Kopf in den Sand steckt.

Die ehemalige Stadt- und Kreisrätin (SPD) mit der starken sozialen Ader setzt ihre Erfahrung im Umgang mit den Menschen weiterhin ein. Als die „Mitterteicher Tafel“ für bedürftige Menschen gegründet wurde, sei sie als Kreisrätin zur Eröffnung eingeladen worden, erzählt sie. „Da hatte ich noch gar nicht vor, mich zu engagieren.“ Eine Bekannte bat sie vor zwölf Jahren um Hilfe beim Einräumen. Schon war Mila Braun mittendrin und ist geblieben – bis heute.

Mila Braun denkt gerne zurück an die Anfangsjahre mit Pionieren wie Anette Monreal, Doris Schneider und Helga Mannl. „Die Bertl-Simon ist mit 81 Jahren immer noch am Ball“, imponiert Mila Braun dieser Einsatz. „Ein super Team“, sagt sie. Der Zusammenhalt ist auch nötig, um die viele Arbeit bewältigen zu können. Immerhin 55 bis 70 Personen kommen mittwochs und freitags ab 14 Uhr zur Tafel, um sich mit Lebensmitteln einzudecken, die sie sich nicht selbst kaufen können. Am frühen Morgen bereiten die Tafel-Mitarbeiter alles vor, damit die Ausgabe schnell und reibungslos geht. Dann kommen die Fahrer mit den Waren, die eingeräumt werden müssen. Jeder wisse genau, was er zu tun habe, da die Aufgaben verteilt seien, sagt die ehemalige Betriebsrätin. Im eingespielten, etwa 15-köpfigen Team hat sie die Brot- und Kuchen-Theke übernommen.

Für Mila Braun ist die Tafel mittlerweile ein wichtiger Lebensinhalt. Hier fühle sie sich gut und sei unter netten, hilfsbereiten Menschen. Die Tafel ist direkt ein bisschen ein zweites Zuhause. „Meine Familie wohnt nicht hier. Deshalb habe ich auch die Zeit“, fügt sie an.

„Ich hoffe, dass ich diese Arbeit hier gesundheitlich noch recht lange machen kann. Denn sie erfüllt mich sehr“, sagt die Mitterteicherin. Aber das ehrenamtliche Engagement bringt auch ein Problem mit sich: Die ständige Konfrontation mit der Armut sei natürlich nicht leicht, sagt sie auf die Frage, wie sie mit dem sozialen Hintergrund der Tafel umgehe. Aber man könne nur helfen und nicht alle Probleme der Welt lösen. „Das muss man sich immer vor Augen halten. Sonst geht das nicht“, erklärt Mila Braun.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.