20.03.2020 - 15:04 Uhr
MitterteichOberpfalz

Notbetrieb in den Stiftlandwerkstätten St. Elisabeth

Produktions- und Dienstleistungsaufträge erledigt in den Stiftlandwerkstätten in Mitterteich aktuell das dortige Fach- und Betreuungspersonal. Der Grund: Die Mitarbeiter mit Handicap dürfen seit Mittwoch nicht mehr zur Arbeit kommen.

Die Stiftlandwerkstätte St. Elisabeth musste wie andere Behinderwerk- und Förderstätten wegen des Katastrophenfalls schließen. Auch hier gab es bereits Menschen, die positiv mit Covid-19 getestet wurden.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Die Stiftlandwerkstätten St. Elisabeth für behinderte Menschen in Mitterteich musste am Dienstag seine Pforten für den Großteil seiner Mitarbeiter schließen. Aktuell werden dort fast 300 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Rundschreiben des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege ordnete an, dass alle Mitarbeiter mit Behinderung ab Mittwoch zu Hause bleiben müssen.

Diese Maßnahme hat viele überrascht. "Uns auch", erklärt Einrichtungsleiter Karl Kick. "Die Werkstätte und Förderstätte sind im Zusammenhang mit dem am Montag ausgerufenen Katastrophenfall geschlossen worden", sagt er. Die Anordnung gilt vorläufig bis einschließlich 19. April. "Für uns ist das nur schwer aufzufangen", sagt Kick.

Immer mehr Einrichtungen betroffen

Als Begründung wird in der Allgemeinverfügung des Ministeriums angegeben, dass in Bayern "immer mehr Einrichtungen der Behindertenhilfe (...) von der Krankheit Covid-19 betroffen" sind. "In diesen Einrichtungen besteht erhebliche Ansteckungsgefahr und die Gefahr der Fortsetzung entsprechender Infektionsketten."

Das gefährliche an dieser Situation: "Wenn bereits Infektionsketten in den genannten Einrichtungen bestehen, ist eine Ausbreitung dort nur noch schwer einzudämmen, ohne eine Schließung der betroffenen Einrichtung vorzunehmen." Aufgrund von täglich steigenden Fallzahlen geht die Bayerische Regierung derzeit davon aus, dass deswegen immer mehr Werk- und Förderstätten für behinderte Menschen betroffen sein werden.

Schnell reagiert

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt Karl Kick, dass es auch in den Stiftlandwerkstätten bereits bestätigte Covid-19-Fälle gab. "Sobald wir erfahren haben, dass jemand betroffen ist, haben wir versucht, die Betroffenen so schnell es geht, zu erreichen", betont Kick. Der Einrichtungsleiter habe sogar versucht, am Sonntag Eltern und Wohnheime anzurufen. Das galt auch für Personen, die mit Betroffenen stark Kontakt hatten.

Er weiß: "Bei der Maßnahme geht es auch um den Schutz der Mitarbeiter." Kick gibt aber auch zu, dass seitens der Leitung die Einrichtung nicht geschlossen worden wäre, auch wegen des Betreuungsaufwandes. "Wir sind in den vergangenen Wochen natürlich tätig geworden." Es wurden Hygieneschulungen für Mitarbeiter verstärkt und mehrmals täglich wurden Reinigungen und Desinfektionen durchgeführt.

Weitere Infos zu der Allgemeinverfügung des Bayerischen Ministeriums

Doch problematisch ist auch, dass Menschen mit Behinderung oft Vorerkrankungen haben und deswegen zu der Risikogruppe gehören. "Man versucht alles zu schließen, was man schließen kann", sagt Kick. Das sei richtig und sinnvoll. Er erklärt zudem, dass von der Schließung nicht das Fachpersonal in den Werkstätten betroffen ist. "Das arbeitet weiter und versucht, die wichtigen Arbeiten zu erledigen."

Und das, obwohl auch hier einige Mitarbeiter sich schon in Quarantäne befinden. So wird beispielsweise die im Haus ansässige Küche und Wäscherei weiter betrieben. "Das soll, soweit es uns gelingt, aufrechterhalten bleiben." Die Wäscherei wäscht unter anderem auch für Altenheime und Krankenhäuser in der Region. Hier helfen nun auch Heilerziehungspfleger mit, die sonst in der Förderstätte arbeiten.

"Es herrscht momentan Notbetrieb"

Denn eigentlich kümmert sich das Fachpersonal sonst um die Betreuung der Mitarbeiter. "Es herrscht momentan Notbetrieb. Wir sind stark betroffen, da die ganze Belegschaft fehlt", sagt Kick. "Aber die Solidarität ist toll und es wird trotzdem gut zusammengearbeitet." Seitens der Werkstätten wurde sich auch schon mit Kunden wie zum Beispiel der Schott Mitterteich abgesprochen, wie weiter mit Produktionsaufträgen und Dienstleistungen verfahren wird.

Doch können alle Mitarbeiter mit Handicap nun auch betreut werden? Hier weiß der Einichtungsleiter, dass einige Mitarbeiter bei ihren Eltern leben und dort auch betreut werden. Schwieriger sei die Lage in den Wohnheimen. "Die sind aktuell in einer extremen Situation", sagt Kick. In der Regel fehlt in den Einrichtungen dafür das notwendige Personal, dass nun rund um die Uhr besetzt sein muss. "Da versuchen auch wir, mit Fachpersonal zu unterstützen." Zwar sei die Betreuung sichergestellt, aber das geschehe unter größter Anstrengung.

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