Mitterteich
04.07.2022 - 11:36 Uhr

Auch Rollstuhlfahrer können im Landkreis Tirschenreuth Tennis spielen

Rollstuhlfahrer-Tennis gibt es nun auch im Landkreis Tirschenreuth. Die Tennissparte des SV Mitterteich übernimmt hier eine Vorreiterrolle.

Wer glaubt, dass man im Rollstuhl nicht Tennis spielen kann, irrt gewaltig. Seit 1976 gibt es Rollstuhltennis, seit 30 Jahren ist die Sportart paralympisch. 2009 ist die Sportart in den Deutschen Tennis-Bund integriert worden. Und seit 2022 wird Rollstuhltennis nun auch im Landkreis Tirschenreuth angeboten, genauer gesagt vom SV Mitterteich.

Die Regeln sind dabei fast so wie beim normalen Tennis, nur dass der Ball zwei Mal aufhüpfen darf und die Spieler in einem speziellen Sportrollstuhl sitzen, der sowohl Anfängern als auch Hochleistungssportlern das Tennisspiel ermöglicht.

Die Sparte Tennis des SV Mitterteich hat in Kooperation mit der Offenen Behindertenarbeit/Familienentlastender Dienst sowie dem Netzwerk Inklusion des Landkreises Tirschenreuth mit dem Aktionstag "Rollstuhl- und Fußgänger-Tennis" auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Ziel war es dabei, nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Fußgänger jeden Alters für den Tennissport zu begeistern. Peter Seidl aus Büchlberg bei Passau unterstützte die Aktion auf der Tennisanlage des SV Mitterteich. Er beherrscht die Disziplin wie kaum ein anderer in Deutschland. Seidl ist 19-maliger Deutscher Rollstuhl-Tennismeister.

Seit August des vergangenen Jahres bemüht sich der SV Mitterteich, alle Barrieren im Bereich Tennis abzubauen und die Mitglieder für die Vielfalt des Sports zu sensibilisieren. Ziel ist es, die unterschiedlichsten Menschen im Verein zusammenzubringen. Die Tennissparte des SV Mitterteich hatte im Vorfeld dank einer großzügigen Förderung die Zweifeld-Tennishalle, die Freianlage mit fünf Spielfeldern sowie das Clubhaus für inklusive und barrierefreie Angebote ertüchtigt. Alle Zugänge sind nun ebenerdig gut begeh- und befahrbar. "Unser Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderung das Sportangebot dauerhaft wahrnehmen", erläutert die Abteilung.

Beim "Schnuppertag" erhielten die Gäste Einblicke in die Trainingsarbeit mit Rollstuhlsportlern. Die Organisatorinnen des Aktionstags, Doris Scharnagl-Lindinger, Christina Ponader und Friedrich Wölfl, wollten zeigen, wie es möglich ist, möglichst vielen Menschen eine Teilhabe am Sport zu ermöglichen. "Die Begegnung im Sport ist eine wichtige Umsetzungsmöglichkeit für Inklusion", erläutern sie.

Zum Aktionstag waren noch nicht sehr viele Rollstuhlfahrer gekommen, die erste Erfahrungen auf dem Tennisplatz sammeln wollten. Trotzdem gab es etliche Ballwechsel mit Rolli-Fahrern zu sehen, da sich auch viele Gäste in einen Rollstuhl setzten und darin zu Ball und Schläger griffen.

Landrat Roland Grillmeier dankte dem SV Mitterteich für die Bereitschaft, an diesem Projekt mitzuwirken. Die Lebenshilfe im Landkreis Tirschenreuth sei bei der Inklusion ein bayernweiter Vorreiter. Ein erster Schritt sei die Schaffung eines barrierefrei erreichbaren WCs. Bürgermeister Stefan Grillmeier dankte der Sparte Tennis für ihr Engagement sowie den Behindertenbeauftragten der Stadt für ihren Einsatz. Der Bürgermeister erklärte, dass Mitterteich eine "Inklusive Stadt" sei. Wichtig sei, dass Menschen mit Handicap das Angebot auch annehmen. Den Dank des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) überbrachte stellvertretende Kreisvorsitzende Nicole Mickisch. "Ich danke euch für den Mut und die Courage, sich dieser Aufgabe zu stellen", sagte sie.

 
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