07.07.2021 - 14:54 Uhr
MitterteichOberpfalz

Sorge um Nichtschwimmer: SPD Mitterteich fordert Offensive

Weil immer weniger Kinder schwimmen können, fordert die SPD Mitterteich eine Gegenoffensive: Von der Stadt finanzierte neue Kurse sollen Abhilfe schaffen. Der Vorstoß trifft auf Zustimmung, es gibt aber auch Skepsis.

Coronabedingt war es Kindern für längere Zeit nicht möglich, das Schwimmen zu lernen. Daher forderte die SPD im Mitterteicher Stadtrat jetzt eine Offensive zur Durchführung von Kursen.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Das steigende Ertrinkungsrisiko, vor allem für Kinder, kam am Montag im Stadtrat zur Sprache. Gerhard Greim (SPD) betonte beim Punkt "Wünsche und Anregungen", dass sich Medienberichte über ertrunkene Menschen häuften. Schon vor der Corona-Pandemie sei häufig gemeldet worden, dass viele Kinder nicht schwimmen können - und wegen geschlossener Frei- und Hallenbäder habe sich das Problem weiter verschärft.

Greim gab zu bedenken, dass es für Grundschüler der unteren Klassen seit Beginn der Pandemie kaum Schwimmunterricht gegeben habe. Auch die Vereine hätten ihre Angebote stoppen müssen. "Die DLRG warnt vor einem Land der Nichtschwimmer", zitierte Greim aus einem Medienbericht. Die Zahl tödlicher Badeunfälle habe sich in den vergangenen Jahren verdreifacht. Deshalb fordere die SPD-Fraktion eine "Schwimm-Lern-Offensive".

Zusätzliche Wasserzeiten

Nach Ansicht der SPD müssen in den Bädern zusätzliche Wasserzeiten für Schulen und Vereine eingerichtet werden - auch nachmittags und an Wochenenden. Gerhard Greim plädierte für Gespräche mit DLRG, Wasserwacht oder auch dem TuS Mitterteich und bat alle Stadträte um Unterstützung. Auch die Grundschule müsse mit einbezogen werden. Die Koordinierung des Ganzen sollten die Verwaltung und der Bürgermeister übernehmen.

"Die Kurse sollten kostenlos sein, um den nötigen Anreiz zu schaffen", meinte Greim und ergänzte, dass die Stadt die Finanzierung übernehmen sollte. Das Angebot sollte unbedingt für die ersten und zweiten Klassen gelten, eventuell auch für die dritten und vierten. "Damit können wir einen sinnvollen Beitrag für die Entwicklung der Kinder leisten und verhindern, dass wir eine Stadt von Nichtschwimmern werden", schloss Greim.

Bürgermeister Stefan Grillmeier bekannte, dass dieses Thema zuletzt auch ihn bewegt habe. Wichtig sei, zunächst mit der DLRG und der Wasserwacht abzuklären, ob das Ganze überhaupt zu stemmen wäre. "Die Kurse waren schon in den letzten Jahren stark ausgelastet und es gab Wartelisten", so Grillmeier. Vielleicht könnten auch weitere Vereine wie der TuS einsteigen, daher werde er das Gespräch suchen.

Grillmeier gab aber zu bedenken, dass wegen der aktuellen Situation schon allein die Aufsicht im Freibad nicht leicht zu bewerkstelligen sei. Es wäre schwierig, weitere Wasserzeiten einzurichten. In der nächsten Hallenbadsaison sollte dies aber weniger problematisch sein, wenn sich die Lage bessere. Im finanziellen Bereich sicherte er die Unterstützung der Stadt zu, gerade was Kinder betreffe, die bislang keinen Schwimmunterricht gehabt hätten.

"Ein Riesenaufwand"

Wolfgang Karbstein (Wählergemeinschaft Zukunft) stimmte mit Greim bei der Bewertung der Lage überein. Er habe selbst schon Lehrkräfte bei Schwimmkursen unterstützt. Es sei sehr schwierig, genug Helfer und Leute mit Lehrschein zu finden. "Das ist ein Riesenaufwand", wusste Karbstein. Bei einem Kurs mit 15 Kindern brauche man 6 bis 10 Betreuer. Wichtig wäre es, das Absolvieren eines Lehrscheins zu erleichtern. Allerdings sicherte Karbstein zu, dass er sehr gerne bereit seit, das Ganze zu unterstützen und sich einzubringen.

Bürgermeister Stefan Grillmeier meinte dazu knapp: "Wir notieren: Wolfgang Karbstein wird neuer Schwimmtrainer und gibt auch Schwimmkurse." Es gab einige Lacher in der Halle, eine direkte Erwiderung blieb aus. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien am Tag nach der Sitzung teilte Wolfgang Karbstein allerdings mit, dass er diese Bemerkung des Bürgermeisters später im nichtöffentlichen Teil aufgegriffen habe: "Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht in Ordnung finde." Er entscheide schon selbst, was er in seiner Freizeit mache, so Karbstein.

In der Sitzung hatte Sonja Gleißner (Freie Wähler) noch angemerkt, dass sie eine solche Offensive befürworte. "Aber wir sollten auch die Eltern mit ins Boot nehmen." Diese müssten auch aktiv werden und dürften sich nicht allein auf die Schule verlassen. Am Ende sicherte Bürgermeister Grillmeier zu, dass er Gespräche führen werde, ob und wie sich ein erweitertes Kursangebot auf die Beine stellen lässt.

Überrascht von Vorstoß

Stefan Pelz, Ortsvorsitzender der Wasserwacht, zeigte sich gegenüber Oberpfalz-Medien überrascht von dem Vorstoß. Denn derzeit wäre es nur schwer möglich, neue Kurse aufzulegen. Im Freibad müssten Teile von Becken regelmäßig für einige Zeit gesperrt werden, was zulasten der Besucher ginge, deren Zahl ohnehin begrenzt sei. Einfacher wäre es im Hallenbad – ob das heuer aber wieder öffnen darf, bleibe abzuwarten. Auch müsste abgeklärt werden, welche Mitglieder wann Zeit für weitere ehrenamtliche Einsätze hätten. „Die meisten sind berufstätig“, gab Pelz zu bedenken und wunderte sich, dass im Vorfeld niemand bei ihm angefragt habe: „Wir haben uns zu dem Thema ja auch schon Gedanken gemacht.“

„Wir wollen unsere Kurse wieder wie gewohnt anbieten“, erklärte Manfred Liebl, Vorsitzender der DLRG Stiftland auf Anfrage. Doch diese seien schon vor der Pandemie stets ausgebucht gewesen. Und er sei skeptisch, ob es gelingen könnte, das Programm auch noch auszuweiten. Für Gespräche stehe man aber bereit. Einig waren sich Pelz und Liebl, dass die Finanzierung das geringste Problem wäre.

Die DLRG schlägt Alarm

Bayern

"Damit können wir einen sinnvollen Beitrag für die Entwicklung der Kinder leisten und verhindern, dass wir eine Stadt von Nichtschwimmern werden."

SPD-Fraktionssprecher Gerhard Greim

 

 

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