26.07.2019 - 14:32 Uhr
MitterteichOberpfalz

Staatsstraße wird Ortsstraße

Seit langem war es ein erklärtes Ziel, jetzt gibt es eine Vereinbarung: Die Stadt Mitterteich wird die Staatsstraße 2176 durch die Ortsmitte übernehmen. Mit der Abstufung zur Ortsstraße ergeben sich völlig neue Möglichkeiten.

Bürgermeister Roland Grillmeier freut sich, dass es endlich zu einer Vereinbarung mit dem Straßenbauamt zur Übernahme der innerörtlichen Staatsstraße 2176 gekommen ist. Wie aber die Straßenführung am Oberen Markt und bei der Kreuzung (Bild) künftig aussehen wird, ist noch völlig offen.
von Udo Lanz Kontakt Profil

"Das ist ein weiterer Meilenstein in der Stadtentwicklung", betont Bürgermeister Roland Grillmeier bei einem Pressegespräch. Einhellig habe der Stadtrat kürzlich in nichtöffentlicher Sitzung der Vereinbarung mit dem Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach zur Übernahme der innerörtlichen Staatsstraße zugestimmt. Jetzt fehlt zwar noch das grüne Licht durch das Innenministerium, aber Grillmeier geht von einer reinen Formsache aus. Anfang 2020 könnte der Abschnitt zwischen der Ampelkreuzung Marktredwitzer Straße/Wiesauer Straße und der Abzweigung nach Konnersreuth ins Eigentum und damit in die Zuständigkeit der Stadt wechseln.

Grillmeier erinnert an die Eröffnung der Ortsumgehung im Oktober 2000 und die Abstufung der innerörtlichen B15 im Jahr 2010. Sechs Jahre später wurde der Umbau des Unteren Marktplatzes abgeschlossen, wodurch sich am Status der Ortsdurchfahrt aber nichts geändert hat. Die konkreten Gespräche zur Übernahme der Straße erstreckten sich laut Grillmeier über gut zwei Jahre. "Es waren langwierige Verhandlungen", verrät Grillmeier. Denn man habe sicherstellen wollen, dass zusätzlich zum Unterhalt keine finanziellen Lasten auf die Stadt zukommen, etwa in Form von Sanierungsarbeiten in naher Zukunft.

Gut in Schuss

"Die Straße ist im Großen und Ganzen gut in Schuss", versichert der Bürgermeister. Schäden seien vor allem im Kreuzungsbereich Oberer Marktplatz/Bachstraße zu finden. Letztlich habe das Straßenbauamt in den Verhandlungen zwei Optionen angeboten. Zum einen die Sanierung der Straße vor einer Übergabe - mit der Konsequenz, dass sich an der aktuellen Straßenführung wohl nichts geändert und die Stadt für die geplante Neugestaltung des Oberen Marktes weit weniger Möglichkeiten hätte. Daher habe sich die Stadt nach ausgiebigen Diskussionen für die andere Variante entschieden: Die Übernahme der Straße ohne Sanierung, allerdings in Verbindung mit einem Geldbetrag des Straßenbauamtes für notwendige Baumaßnahmen. Grillmeier spricht hier von einer Summe "im unteren sechsstelligen Bereich", die als ausreichend erachtet und daher akzeptiert worden sei.

Mit der Vereinbarung zur Übernahme der Staatsstraße kann die Stadt ihre Planungen zum Umbau des Oberen Marktes nun uneingeschränkt vorantreiben. Ein erstes Konzept wird Stadtplanerin Annegret Michler in der nächsten Stadtratssitzung öffentlich vorstellen (Dienstag, 30. Juli, 18 Uhr, altes Rathaus). Verwirklicht werden soll dieses Projekt, in das von Anfang an Hauseigentümer und Anwohner mit eingebunden sind, mit Hilfe der Städtebauförderung. Los gehen könnte es mit Baumaßnahmen wohl frühestens in einem Jahr.

Stadt darf entscheiden

Besonders vorteilhaft ist, dass die Stadt mit der Übernahme selbst über Geschwindigkeitsbeschränkungen, Querungshilfen und andere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung entscheiden darf. Bislang hatte das Straßenbauamt etwa wiederholt Anträge abgelehnt, Tempo 30 auf der innerörtlichen Staatsstraße anzuordnen. Wie die Straßenführung am Oberen Markt künftig aussieht und welche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf der bisherigen Staatsstraße ergriffen werden, ist derzeit noch völlig offen. Ein Kreisverkehr an der Kreuzung Oberer Marktplatz/Bachstraße scheidet aber schon mal aus. "Dafür ist die Fläche zu klein", erklärt Grillmeier mit Verweis auf eine kürzliche Prüfung.

Bis zu 4000 Fahrzeuge

Theoretisch könnte die Stadt sofort nach der Übernahme handeln und etwa ein Tempolimit verhängen. "Ich weiß aber nicht, ob das gleich Sinn macht", so Grillmeier. Grundsätzlich gelte, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung auch entsprechend überwacht werden müsse. Sicher sei jedenfalls, dass die Stadt in Verbindung mit der Umgestaltung des Oberen Marktplatzes für eine Verkehrsberuhigung im Ortskern sorgen wolle. "3500 bis 4000 Fahrzeuge rollen dort täglich, davon 15 Prozent Schwerlastverkehr", macht Grillmeier deutlich. Gerade Letzteren würde er gerne um die Hälfte senken.

Unverändert bleibt nach Einschätzung des Bürgermeisters auch auf lange Sicht der Status der innerörtlichen Staatsstraße 2169 mit Wiesauer Straße und Marktredwitzer Straße. Denn diese Abschnitte seien Teil einer sogenannten Bedarfsumleitung bei Sperrungen der Autobahn.

Kommentar:

Verkehr wirksam bremsen

Mit dem Umbau des Unteren Marktplatzes vor einigen Jahren hat die Stadt Mitterteich die Attraktivität ihres Ortskerns enorm gesteigert. Großer Beliebtheit erfreuen sich seitdem die gastronomischen Außenflächen, bei schönem Wetter ist vor den Lokalen immer was los. Aber im Gegensatz zum Marktplatz in Tirschenreuth und zum Basilika- und zum Johannisplatz in Waldsassen fehlt noch etwas Entscheidendes: die Beruhigung des Verkehrs.
Wer am Unteren Markt in Mitterteich Platz nimmt, muss oft nicht lange warten auf viel zu schnell und zum Teil lautstark vorbeirauschende Autos, Motorräder, Lkws oder Traktor-Gespanne. Sie sind nicht nur ein Ärgernis - für Fußgänger sind sie eine echte Gefahr, vor allem für Kinder und Senioren. Mit der Abstufung der Staatsstraße zur Ortsstraße hat es die Stadt endlich selbst in der Hand, den Verkehr wirksam zu bremsen und den Ortskern damit noch sicherer und attraktiver zu machen.
Ob nun Tempo 30 oder Tempo 20, ein verkehrsberuhigter Bereich oder bauliche Veränderungen - was auch immer gewählt wird, sollte wohlüberlegt sein. Nicht dass dann ständig neue Diskussionen aufflammen wie etwa beim Dauerthema Parken. Eine Sache sollte den Verantwortlichen aber klar sein: Kommt allein ein Tempolimit, muss es auch immer wieder unvorhersehbare Kontrollen geben. Sonst bremsen nur die Vernünftigen, während notorische Raser weiter Gas geben.

Udo Lanz

 

 

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