Mitterteich
28.02.2019 - 14:00 Uhr

Studieren allein macht nicht glücklich

Ein Theatermann, der eigentlich Handwerker ist und mit einem Ein-Mann-Stück fürs Handwerk wirbt: Dahinter steckt Richard Betz. Der Zimmermeister versteht es, mit Humor und Herz Schüler für seinen Beruf zu begeistern.

Auf der "Brücke" aus Holzbohlen demonstrierte Zimmermeister Richard Betz, was für ihn Handwerk ausmacht. Bild: ubb
Auf der "Brücke" aus Holzbohlen demonstrierte Zimmermeister Richard Betz, was für ihn Handwerk ausmacht.

Was wird das denn jetzt? Etwa 100 Schüler aus den fünften bis achten Klassen haben sich gewiss skeptisch diese Frage gestellt, als sie am Dienstag nach der Pause in die Aula zur Theateraufführung "Mit Hand und Herz" geführt wurden. Sie fanden eine Werkstatt vor. Ein Mann hantierte mit Werkzeug, legte dicke Holzbohlen auf den Fußboden und begrüßte die Schüler mit einer Säge in der Hand. Dabei handelte es sich um Richard Betz.

Der Zimmerermeister aus Hessen hat vor dieser Berufsentscheidung Architektur studiert und zieht nun als 62-Jähriger durch die Lande, um Schüler fürs Handwerk zu begeistern. Betz hat das Ein-Mann-Theater selbst entwickelt. Geholfen hätte ihm dabei ein Profi-Theater, erzählte er. Er sei unterwegs, weil seiner Meinung nach das Zimmerer-Handwerk zu wenig Aufmerksamkeit bei der Berufsfindung erfahre. Um dies zu ändern, zimmert Betz jetzt nicht mehr an Häusern, sondern liefert Jugendlichen eine emotional wie sachlich fundierte Theatergeschichte zur leichteren Berufsfindung.

"Geld allein", betonte Betz mehrmals, "macht nicht glücklich." Jeder solle versuchen, seine Träume zu verwirklichen. Nur dann werde man im Beruf zufrieden sein. Die Story dazu ist einfach gestrickt: Die Bühnenfigur Paul Ballmer lebt als Banker ein luxuriöses Dasein, scheitert aber an seinem Hochmut. Er verliert alles, auch seine große Liebe. Am Ende landet er im Gefängnis. Sein Freund, ein Zimmerer, bringt ihn wieder auf den richtigen Weg. Ballmer wird Zimmerermeister und ist seit 30 Jahren damit glücklich. Während Betz dieses teils wahre, teils erfundene Stück vorführte, wuchs vor seinen Füßen eine imposante Holzkonstruktion. Betz legte Bohle auf Bohle, verriet aber nicht, was er da baut.

Ferrari und Gefängnis

Als das Theater fertig war, stand eine Brücke aus dem Holzsteck-System in voller Pracht vor den Kindern. Spätestens jetzt wurde es lebhaft. Eine Liebesgeschichte, eine heimliche Tochter, ein Ferrari und sogar ins Gefängnis musste Ballmer wegen Drogen? Das musste hinterfragt werden. Die Hände flogen nur so in die Höhe, die jungen Leute fragten dem Handwerksmeister Löcher in den Bauch.

Zur Freude von Betz und Kreishandwerksmeister Albert Schuller, der den Zimmerer nach Mitterteich begleitet hatte, interessierten sich die Schüler für alles, was im Stück zur Sprache gekommen war. "Im Knast war ich wirklich. Aber nur einen Tag", klärte Betz sein junges Publikum auf, "Ich wollte wissen, wie das ist." Bei all der Fantasie und den wahren Inhalten des Theaters gehe es ihm darum, Denkanstöße auszulösen bei der Berufsfindung, sagte der Akteur im Nachhinein.

Erfülltes Berufsleben

Mit Beispielen trat Betz dem Eindruck entgegen, ohne Studium sei der Mensch nichts wert. Das sei Quatsch, denn auch Handwerk könne ein erfülltes Berufsleben bieten. "Und ich verdiene gut damit. Mehr als mancher Büromensch."

Man müsse für seine Träume auch einmal ein Wagnis eingehen, sagte Betz. In Mitterteich stieß der Zimmerermeister mit dieser Botschaft auf offene Ohren und Augen. Einige Schüler waren dermaßen aufmerksam bei der Sache gewesen, dass sie die aufgebaute Holzbrücke nach dem Theaterstück komplett zerlegten und problemlos wieder aufbauten.

Wer aufmerksam zuschaut, hat mehr vom Leben: Ruckzuck mit wenigen Handgriffen zerlegten die Buben die Brücke und bauten sie wieder genauso auf, wie Betz sie vorher aufgestellt hatte. Bild: ubb
Wer aufmerksam zuschaut, hat mehr vom Leben: Ruckzuck mit wenigen Handgriffen zerlegten die Buben die Brücke und bauten sie wieder genauso auf, wie Betz sie vorher aufgestellt hatte.
Die Wege eines bewegten Lebens: Richard Betz hat sie als "Wegweiser" mitgebraucht. "Wir sind alle nur Menschen. Und können auch mal Fehler machen", sagte er. Bild: ubb
Die Wege eines bewegten Lebens: Richard Betz hat sie als "Wegweiser" mitgebraucht. "Wir sind alle nur Menschen. Und können auch mal Fehler machen", sagte er.
Gespannt hörten die Schüler zu, was ihnen "Paul Ballmer" alias Richard Betz zu sagen hatte. Bild: ubb
Gespannt hörten die Schüler zu, was ihnen "Paul Ballmer" alias Richard Betz zu sagen hatte.
Mit Bohrer, Säge und allerlei Handwerkszeug demonstrierte Betz anschaulich seine Leidenschaft zum Handwerk. Bild: ubb
Mit Bohrer, Säge und allerlei Handwerkszeug demonstrierte Betz anschaulich seine Leidenschaft zum Handwerk.
 
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