Mitterteich
18.06.2025 - 16:56 Uhr
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Trend zur Nachhaltigkeit sorgt für Erfolg: Mitterteicher Firma Glapor startet durch

Der Klimawandel ist Herausforderung – kann aber auch Chance sein. Das Unternehmen Glapor ist gerade dabei, diese Chance zu ergreifen, mit einem Produkt, das nicht nur Preise gewinnt, sondern auch die Baubranche verändert.

"Das muss doch besser gehen!" Mit diesem Gedanken nahm die Firma Glapor einst ihren Anfang. Heute, gut 20 Jahre nach der Gründung, hat Walter Frank nicht nur bewiesen, dass sich Schaumglas tatsächlich einfacher, effizienter und ressourcenschonender herstellen lässt. Inzwischen nehme die Bauwirtschaft seine Innovation auch an, bestätigt der Ingenieur. Der jüngste Ritterschlag: Für den Beitrag des Königreichs Bahrain zur Architektur-Biennale in Venedig verbaute Architekt Andrea Faraguna eine Bodenkonstruktion von Glapor. Damit überzeugte der italienische Architekt mit Professur an der Akademie der bildenden Künste in Wien die Jury so, dass er den Goldenen Löwen bei dieser wichtigsten Schau für zeitgenössische Architektur gewann.

Darüber freut sich Walter Frank sehr. Besonders, weil bei der Schau die "Materialität der Beiträge" im Vordergrund steht. Ressourcenschonendes und CO2-armes Bauen treibe die Branche aktuell um, sagt der Unternehmer. Und das komme ihm und seinem Unternehmen zugute. Denn genau diese Idee habe ihn angetrieben, als er kurz nach der Jahrtausendwende als "Ein-Mann-GmbH" begonnen hat.

Walter Frank war damals ins Risiko gegangen. Zuvor war er als Vertriebsingenieur bei der Firma Horn in Plößberg beschäftigt, die vor allem mit dem Bau von Schmelzöfen für die Glasindustrie ihr Geld verdient. Dabei war der heute 67-Jährige eben auch mit der Schaumglasproduktion in Berührung gekommen und hatte begonnen, sich über das aufwändige Herstellungsverfahren zu wundern. Schaumglas war und ist als Isoliermaterial wichtig für den Baubereich.

Innovation aus Altglas

Doch damals war die Produktion noch teuer und energieintensiv. Außerdem konnte das Material nur in relativ kleinen Abmessungen hergestellt werden. Franks Idee: Ähnlich wie bei der regulären Glasherstellung müsste es einen Weg geben, große Schaumglasplatten zu fertigen. Statt teures Spezialglas herzustellen, wollte er "Altglas" nutzen, so wie es Verbraucher in den Container werfen.

"Unmöglich, das kann nicht funktionieren." Das habe er häufig zu hören bekommen. "Ich wollte das nicht glauben und habe trotzdem zu tüfteln begonnen", erzählt Frank und klingt, als könnte er seinen Tatendrang von damals selbst nicht mehr glauben.

Was Frank dann erlebte, berichten viele Techniker, die eine gute Idee in ein marktfähiges Produkt verwandeln wollen: Frank berichtet vom großen Aufwand, eine Bank zu überzeugen, das Grundkapital zur Verfügung zu stellen, von der Auseinandersetzung mit der betriebswirtschaftlichen Seite einer Unternehmensgründung, die für ihn als Techniker völlig neu war. Und dann sei zusätzlich langer Atem nötig gewesen, um die Kinderkrankheiten des neuen Verfahrens zu überwinden, anfängliche Qualitätsschwankungen zu beheben etwa.

Das alles sei mit Zeit, viel Fleiß und etwas Glück gelungen. So fand Glapor in einer zuvor stillgelegten Porzellanfabrik in Mitterteich einen passenden Standort. Das kommunale Wohnungsbauunternehmen Kewog als Eigentümer sei ihm damals entgegengekommen, auch der heutige Landrat Roland Grillmeier half noch als Bürgermeister von Mitterteich mit.

Und trotzdem: Auch als Walter Frank und Glapor die Startschwierigkeiten überwunden hatten – direkt durchstarten konnte das Unternehmen dennoch nicht. "Die Bauindustrie ist eine sehr konservative Branche", sagt Frank heute. Damals habe ihn das sehr überrascht. Denn sein Produkt war objektiv besser und auch günstiger als andere Materialien. Und doch: Aus den Händen gerissen wurde ihm sein Schaumglas in den ersten Jahren nicht. Viele potenzielle Kunden setzten weiter auf bekannte Produkte.

Veränderungsdruck bewegt die Branche

Allerdings bemerke man vor allem in den vergangenen beiden Jahren, dass sich das verändert, dass die Branche sich verändern muss. Das liege am Trend zur Nachhaltigkeit, zum Ressourcenschonen, der seinem Unternehmen entgegenkomme. Der Branche werde immer mehr bewusst, dass es wie bisher nicht weiter geht, dass die Ressourcen der Welt nicht weiter verschwendet werden können, wie das bisher der Fall ist.

Die Einsicht kommt nicht nur freiwillig: Auflagen zwingen Unternehmen immer stärker, auf ihren CO2-Fußabdruck, oder ganz allgemein auf Nachhaltigkeit zu achten. "Urban Mining ist ein Riesenthema in der Branche." Unter diesen Begriff fällt das Wiederverwerten von Baustoffen, etwa, wenn ein Gebäude abgerissen wird. Dank einer erneuten Innovation ist es inzwischen möglich, die Glapor-Produkte zu verwenden, ohne sie besonders zu verkleben. Wird ein Gebäude rückgebaut, kann man die Glasschaumplatten praktisch ohne zusätzlichen Arbeitsschritt "einsammeln" und neu verwenden. Ein ganz starkes Argument für das Unternehmen.

Ersatz für Beton

Vor allem aber kommt Walter Frank und seinem Unternehmen entgegen, dass seine Innovation und sein Produkt zunehmend für einen Zweck entdeckt wird, für den es ursprünglich gar nicht gedacht war. "Ich habe immer gedacht, es geht um Isoliermaterial", blickt der Ingenieur auf die Phase der Entwicklung zurück. Tatsächlich lassen sich die Glapor-Schaumglasplatten aber auch nutzen, um Beton als Baustoff zu ersetzen.

Der Bahrain-Pavillon in Venedig setzt auf Schaumglas als Bodenmaterial. Und das wollen auch immer mehr Glapor-Kunden, denen es nicht um Wettbewerbsbeiträge, sondern um die Alltagsnutzung geht. Frank sagt, dass er etwa mit verschiedenen Handelsketten in Gesprächen ist, die neue Märkte künftig statt auf Beton- auf Schaumglasfundamente stellen wollen. Auch an Wänden aus Schaumglas werde in seinem Unternehmen getüftelt, sagt Frank. Die Nachfrage ist da, besonders in den vergangen beiden Jahren sind die Absatzmengen extrem gewachsen. Teilweise muss Glapor Aufträge inzwischen ablehnen.

Um das zu ändern, soll in naher Zukunft viel Geld investiert werden, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich bei Glapor noch immer "nur" um ein 70-Mitarbeiter-Unternehmen handelt. Frank spricht von einem zweistelligen Millionenbetrag, damit soll die Produktionskapazität bis Ende 2026 um das Zweieinhalbfache aufgestockt werden. 20 Jahre nach der Gründung scheint für Glapor und Walter Frank nun endgültig festzustehen: "Es geht wirklich besser."

Sieger bei "Sustainability Challenge":
  • Auch die "Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen" hat das Potenzial des Glapor-Schaumglas' entdeckt
  • Bei der diesjährigen Sustainability Challenge der Gesellschaft gewann das Unternehmen Glapor den Preis im Bereich "Innovation"
  • Überzeugt hat die Jury die Möglichkeit der einfachen Wiederverwertung der Schaumglasplatten
  • An diesem Mittwochabend wurde Glapor zum Sieger aus drei Finalisten ausgerufen
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