19.02.2021 - 17:53 Uhr
MitterteichOberpfalz

Zwei Wölfe im Kreis Tirschenreuth nachgewiesen

Gleich zwei Wölfe wurden durch Genanalysen des Landesamts für Umwelt im Landkreis Tirschenreuth bestätigt. Einer von ihnen hat drei Schafe, eine Ziege und ein Reh bei Mitterteich, Waldershof und Langentheilen gerissen.

Im Landkreis Tirschenreuth wurden anhand von Genproben zwei Wölfe nachgewiesen.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Die Förderung von Herdenschutz ist auf einige Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth ausgedehnt worden. Als Grund nennt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Tirschenreuth in einer Mitteilung "nachgewiesene Wolfsaktivität". Warum wurde diese Maßnahme ergriffen?

Forstbetriebsleiter Norbert Zintl der Bayerischen Staatsforsten in Waldsassen ist nicht bekannt, dass Wölfe im Landkreis herumstreifen. "Es gibt kein Rudel bei uns", sagt er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Er weiß jedoch, dass Jäger bereits von mehreren Sichtungen berichteten. "Offiziell wurde das bis jetzt aber nicht bestätigt", sagt er. Das AELF verweist wiederum auf Informationen durch das Landesamt für Umwelt (LfU), die sehr wohl den Nachweis für gleich zwei Wölfe liefern. Hier heißt es, dass nach "zwei Nutztiervorfällen" im Oktober und einem Wildtierriss im Dezember vergangenen Jahres eine aufwendige Genanalyse gemacht wurde. Anfang Februar wurde hier der Wolf als Verursacher bestätigt.

Rüde und Fähe

Die Nachweise gehen auf einen Wolfsriss am 14. Oktober bei Mitterteich zurück. Drei Schafe waren hier betroffen. Wenige Tage später am 18. Oktober holte sich das Tier eine Ziege in Langentheilen (Gemeinde Pullenreuth). Am 11. Dezember riss der Wolf ein Reh bei Waldershof. Bei den Vorfällen handelte es sich immer um ein und denselben Rüden.

"Der männliche Wolf konnte keinem uns bekannten Rudel zugeordnet werden", schreibt hierzu eine Sprecherin des LfU auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Am 5. Januar wurde in Langentheilen anhand einer Kotprobe ein weiterer Wolf entdeckt. Auf der Webseite des Landesamts für Umwelt werden in einer Monitoring-Tabelle die Nachweise für Wölfe aufgelistet. Die genetische Untersuchung ergab, dass es sich hier um eine Fähe handelt. Sie ist wiederum ein Nachkomme aus dem Veldensteiner Forst.

Nicht zusammen gesichtet

Obwohl sich die Tiere in kurzen Abständen in derselben Region aufhalten, wurden sie bislang noch nicht zusammen gesichtet. Eine Sprecherin des LfU berichtet hierzu: "Ob die beiden Wölfe, die in den letzten Monaten im Landkreis Tirschenreuth nachgewiesen wurden, zusammen unterwegs sind, ist uns nicht bekannt." Es ist noch nicht klar, ob die beiden Tiere auch im Landkreis Tirschenreuth bleiben werden.

Wölfe sind auch Wandertiere, die mitunter sehr weite Strecken zurücklegen können. Erst wenn sich Wölfe länger als sechst Monate an einem Ort aufhalten, vergibt das Landesamt für Umwelt das Kriterium "standortreu". "Ein Rudel kann sich bilden, wenn das Gebiet für Wölfe ausreichend Nahrung, vor allem wildlebende Huftiere, und Ruhezonen zur Welpenaufzucht bietet", so die Sprecherin des LfU.

Bei Mantel wurden innerhalb von fünf Tagen zwei Wölfe überfahren

Mantel

Auf der Webseite des Landesamts für Umwelt finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Wolf

Service:

Richtiges Verhalten bei einer Wolfsbegegnung

Ein Wolf reagiert bei einem Menschen vorsichtig, flüchtet aber nicht sofort. Das Bayerische Landesamt für Umwelt gibt Tipps:

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Nicht weglaufen. Für mehr Abstand ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Ein Hund sollte angeleint und nahe bei sich behalten werden.
  • Falls der Wolf zu nah ist, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
  • Dem Wolf nicht hinterherlaufen.
  • Niemals einen Wolf füttern. Tiere lernen sonst sehr schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell die Nähe von Menschen.
Hintergrund:

Der Wolf im Landkreis: Was bedeutet das?

Auf der Webseite des Landesamts für Umwelt (LfU) werden zahlreiche Fragen zum Wolf und wie er lebt beantwortet:

  • Lebensraum: Gebiete mit ausreichend Nahrung (vor allem wildlebende Huftiere) und Ruhezonen zur Welpenaufzucht. Wölfe sind sehr anpassungsfähig. Sie sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. In der Regel leben die Tiere in Rudeln. Die Paarungszeit auch Ranz genannt, ist im Februar bis März. Im Alter von einem bis eineinhalb Jahren verlassen geschlechtsreife Tiere das Rudel. Die durchschnittliche Reviergröße eines Rudels beträgt 150 bis 350 Quadratkilometer.
  • Hauptbeute: Das Nahrungsspektrum reicht von Aas über Kleinsäuger bis zu großen Huftieren wie Rehe, Rotwild oder Wildschweine. Der Wolf bevorzugt leicht zugängliche Nahrung und weniger wehrhafte Beutetiere (Jungtiere oder alte, kranke und schwache Tiere). Gibt es nur wenig wildlebende Beute, können auch ungeschützte Nutztiere zur Beute werden.
  • Wolf oder Hund?: Wölfe sind hochbeiniger als viele Hunderassen. Ihre Ohren sind relativ klein und dreieckig. Sie haben einen buschigen Schwanz und häufig eine schwarze Schwanzspitze. Die Unterscheidung zwischen Hunden und Wölfen ist nur von Experten möglich. Eine eindeutige Zuordnung ist bei manchen Tieren nur über eine genetische Analyse möglich.
  • Mensch und Wolf: Der Wolf ist vorsichtig und weicht in der Regel dem Menschen aus. Im Einzelfall können Jungtiere dem Menschen gegenüber unerfahren und neugierig sein. Das ist aber keine Gefährdung für den Menschen. Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben. In dicht besiedelten Gebieten kommt es dennoch vor, dass Wölfe an Dörfern vorbeilaufen oder Streusiedlungen durchqueren. Dies geschieht meist in der Dunkelheit. Vereinzelte Sichtungen tagsüber in Siedlungsbereichen sind ähnlich wie bei Füchsen und Rehen möglich.
  • Tollwut: Wölfe können, wie Füchse oder Hunde, an Tollwut erkranken. Bayern ist seit 2001 tollwutfrei.
  • Wolfsverdacht: Für die Untersuchung von Hinweisen und die Dokumentation von Rissen werden kundige Personen vor Ort geschult (z. B. Jäger, Förster, Landwirte). Sie sind Mitglieder des "Netzwerks Große Beutegreifer". Die Informationen aus dem Netzwerk laufen am Bayerischen LfU zusammen.
  • Nutztierriss: Ein Verdacht muss zeitnah an die Fachstelle "Große Beutegreifer" des LfU gemeldet werden. Die nimmt dann eine Untersuchung vor von Spuren möglicher Risse, Kotfunde oder Haaren. Aber auch tote, wolfsähnliche Tiere, die etwa im Straßenverkehr umgekommen sind, werden möglichst vor Ort untersucht. Genaue Analysen, wie genetische Untersuchungen von Speichelspuren oder Bisswunden, können mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
  • Entschädigung: Halter von Nutzieren, die nachweislich von einem Wolf gerissen wurden, erhalten eine Ausgleichszahlung.
  • Schutz vor Nutztierrissen: Schäden kann anhand von Zäunen, Behirtung und dem Einsatz von Hüte- und Schutzhunden vorgebäugt werden. Die Landwirtschaftsverwaltung übernimmt im Bereich des Herdenschutzes die Beratung der Weidetierhalter. Im Landkreis Tirschenreuth kann man sich an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wenden.

Wer einen Hinweis auf einen Wolf hat, kann diesen beim Landratsamt, beim LfU oder bei der Polizei melden.

 

 

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