21.12.2018 - 14:41 Uhr
Oberpfalz

"Die Monika ist weg"

"Für die Eltern war es schlimm." Bruno Frischholz war 17 Jahre alt, als seine Schwester Monika (12) verschwand. Einfach so. Mitten in Flossenbürg, an einem Dienstagnachmittag im Juni 1976.

Im 1700-Einwohner-Ort Flossenbürg verschwand 1976 kurz vor Christi Himmelfahrt die zwölfjährige Monika Frischholz.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Der große Bruder war damals schon in der Lehre in Plößberg und arbeitete Schicht. Als er gegen 22.45 Uhr nach Hause kam, fand Bruno Frischholz eine aufgelöste Familie vor. "Die Monika ist weg." Mitten in der Nacht schwingt sich der 17-Jährige noch einmal auf sein Mofa und fährt zu einem weitschichtig verwandten Polizisten. "Er sagte, man könne da jetzt auch nichts machen."

In den Folgetagen kommt es zu mehreren Suchaktionen rund um Flossenbürg. Es sind keine 500 Meter von Elternhaus im Stieberweg über die Hauptstraße in Richtung Ortsausgang. Etwa bei der Mitte - in der Froschau - war das Mädchen zuletzt gesehen worden. Bruno Frischholz erinnert sich, dass weitere Suchaktionen abgesagt worden seien. Auch aufgrund des Hinweises einer Zeugin, die gesehen haben wollte, wie Monika im sechs Kilometer entfernten Floß in ein Auto gestiegen sei. Die Spur ist eine Sackgasse. Heute geht die Kripo davon aus, dass die Zwölfjährige in "unmittelbarer Ortsnähe Flossenbürg" auf ihren späteren mutmaßlichen Mörder getroffen ist.

Mit diesem Bild fahndete die Kripo schon 1976.

Mit Klasse auf Bittgang

Die Wiederaufnahme des Falls durch die Weidener Kriminalpolizei ist für den schwerkranken Bruder "schon eine Belastung": "Aber man will ja auch, dass das aufgeklärt wird." Er steht in Kontakt mit der Polizei. Die Mutter erholte sich von dem Kummer nie. "Sie starb drei Jahre nach Monikas Verschwinden." Zurück blieben der Vater und Bruno, ein weiterer Bruder lebte damals schon in München. Der Vater starb 1986.

Auch der damalige Klasslehrer Alfred Faltermeier hat seine Schülerin Monika Frischholz nie vergessen. An dem Tag, an dem Monika verschwand, war die Volksschule Floß in der Früh zum Bittgang nach Waldkirch gegangen. Es war zwei Tage vor Christi Himmelfahrt. Faltermeier hatte in Waldkirch ein Pferd stehen. "Und während die anderen Brotzeit machten, bin ich mit einigen Kindern zum Stall." Schon damals waren vor allem die Mädchen pferdeverrückt. Jeder durfte das Pferd striegeln und sich draufsetzen. "Monika war da auch dabei." Er unterrichtete sie schon in der dritten und vierten Klasse und hat sie als "fröhliches, ruhiges Mädchen" in Erinnerung. Den Vater kennt er als humorvoll und stets gut aufgelegt. Die Mutter sei zu der Zeit krank gewesen, die Tante kümmerte sich viel um das Kind.

Der fröhliche Ausflug stand in krassem Gegensatz zum nächsten Morgen. Um halb 7 Uhr habe bei ihm privat die Tante des Kindes geklingelt: "Herr Faltermeier, die Monika ist nicht daheim." Der Platz im Klassenzimmer blieb von da an leer. Die Mitschüler der siebten Klasse waren bedrückt. "Das war eine kontaktfreudige, sehr soziale Klasse", weiß der pensionierte Lehrer noch. Immer mal wieder sei in den Folgemonaten die Frage hochgekommen: "Wo wird die Monika sein?" Ein Ausreißer-Typ sei das Mädchen nicht gewesen, und auch keine, die schon hinter Buben her war. Für Faltermeier ist es ein 42 Jahre altes Rätsel: "Da verschwindet ein Mensch von der Bildfläche ohne eine Spur zu hinterlassen." Die Folgen für die Familie seien gravierend gewesen. "Nicht einmal ein Grab, an dem man einen Blumenstrauß hätte niederlegen können."

Tagelange Suche

Der Flossenbürger Altbürgermeiser Johann Werner war 1976 Polizist bei der Grenzpolizei Waidhaus. Die Ermittlungen hatte die Kriminalpolizei Neustadt/WN übernommen, aber die fünf Flossenbürger Grenzpolizisten waren in die Suchaktionen eingebunden. Beteiligt war auch die Feuerwehr mit ihrer kompletten Mannschaft, dazu zivile Bürger, die mitgingen. "Alle, die gesucht haben, waren ortskundig." Werner schätzt die Zahl der Helfer auf rund 30 bis 40. Sie gingen tagelang die Steinbrüche ab, die Stollen, die Wälder rund um Flossenbürg, nach Waldkirch im Osten und Altenhammer im Westen. Ergebnis: nichts. "Nicht die leiseste Spur.

"Das ist so lange her", sagt Johann Werner. Und trotzdem kam ihm der Fall Monika Frischholz gerade jüngst erst wieder in den Sinn: "Als man Peggy gefunden hat, dachte ich mir: So einen Fall haben wir hier auch."

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